Freischwimmer

Deutschland 2006/2007 Spielfilm

Summary

Head Under Water

Schoolboy Rico is a typical loner and outsider. He is neither a stellar student nor has any success with the girls or in the sports classes. Due to his constrained hearing ability, the sensitive boy more and more lives in his own world. When one day, a schoolmate is intentionally poisoned and dies, Rico at first does not show a lot of compassion because he never really liked the deceased. But when he learns that the attempt was initially targeted on him, Rico’s life is more and more thrown out of joint. Completely unsettled, he neither finds support with his overstrained mother nor with her boy friend whom Rico hates. Thus, Rico becomes strongly linked with his German teacher Wegner, also an outsider, who more and more becomes a father figure for the boy. Both share a passion for model making. When Wegner suggests Rico to recreate the most beautiful girl of the class as a life-size doll, Rico at first is excited but soon realizes that there is something wrong with Wegner.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Rico ist hörgeschädigt, aber nicht nur deshalb ein Einzelgänger. Der 15-jährige Sohn der Apothekerin Anita Bartsch wächst ohne Vater in einer idyllischen Kleinstadt in der Eifel auf, durch deren enge Fachwerkhaus-Gassen japanische Touristen geführt werden bis hinauf zum Gasthaus, von dem nicht nur der Wirt (Waldemar Kobus) einen herrlichen Blick über den Ort genießt. Rico hat weder Erfolg bei den Mädchen noch im Sport. Ersteres schmerzt zwar auch, weil er in das schönste Mädchen des Franz-Kafka-Gymnasiums, die Bäckerstochter Regine verliebt ist. Doch das blonde Gift mit unzweideutigem Hang zum Sadismus ist bei Robert, dem gutaussehen Sportlertyp und Mädchenschwarm, in festen Händen.

Schwerer wiegt, dass seine liebeshungrige Mutter nach einigen vergeblichen Anläufen, ihr Witwerdasein abzulegen, nun fündig geworden zu sein scheint - und das ausgerechnet beim Sportlehrer Richard Sammer. Der schon am Frühstückstisch die aktuellen Bestmarken auf der Leichtathletikbahn oder in der Schwimmhalle postuliert. Apropos Schwimmhalle. Rico hat vor zehn Jahren miterlebt, wie sein Vater, ein Eisenbahner, ertrunken ist. Und seither Angst vor dem Wasser – und besonders vor den Tauchübungen des Sportlehrers. Viel lieber zieht er sich in seine eigene Welt zurück: Als „Hanullmann“ hat er sich die Kleinstadt daheim maßstabgerecht als Modelleisenbahnanlage nachgebaut („Ein gutes Modell ist wie das richtige Leben“), unter der er sich zurückziehen kann wie in eine Höhle. Und wenn ihm die Umwelt auf die Nerven geht, schaltet er sein Hörgerät einfach aus.

So wird ein teilnahmsloser Rico Zeuge, als die Sportskanone Robert an vergifteten Liebesknochen stirbt. Doch die Ermittlungen der resoluten Pfarrerin Karin Durst und des Dorfsheriffs Rost ergeben, dass ihm, dem Schulchronisten, der für das bevorstehende Schulfest alle Ereignisse mit der Videokamera festhält, der Anschlag in Wirklichkeit gegolten hat. Wer hatte ein Motiv, Rico umzubringen? Trotz zahlreicher Befragungen der Mitschüler gibt es keine Spur.

Obwohl sich Rico im wahren Wortsinn freischwimmen will, indem er nachts im Hallenbad für den DLRG-Rettungspass immer weitere Strecken tauchend bewältigt, sucht er immer mehr Halt, Geborgenheit und Zuwendung bei seinem Deutsch- und Kunstlehrer Martin Wegner. Der unterstützt ihn nicht nur bei den Filmaufnahmen, sondern lässt den Jungen in sein Allerheiligstes blicken, das er auch vor seiner Freundin, der Musiklehrerin Michaela Rammelow, sorgfältig verborgen hat. Mit Wegner („Das Modell ist das Abbild des Lebens“) verbindet Rico eine Art Seelenverwandtschaft: Beide fühlen sich von den Mitschülern wie vom Lehrerkollegen tyrannisiert. So haben sich zwei Außenseiter über die gemeinsame Liebe zum Modellbau gesucht und gefunden. Zum Leidwesen der Musiklehrerin – und bald nicht nur von ihr.

Als Wegner vorschlägt, in einem Schuppen seines vereinzelt im Wald gelegenen Hauses die Klasse mittels lebensgroßer Puppen nachzubauen, ist Rico gleich Feuer und Flamme. Kann er doch endlich Hand anlegen an Regine, wenn auch vorerst nur als Modell. Schöpft Rico doch nach Roberts Tod neue Hoffnung, zumal die klammheimlich Schwangere anerkennend mitbekommen hat, wie eifrig er das Tauchen trainiert. Und dann kommt tatsächlich der Moment, wo die schöne Regine um Ricos Liebe bettelt...

Andreas Kleinerts so metaphernreiches wie böses Märchen über Verführer und Gerechte, über neue Lehrmethoden mitten im deutschen Wald und die Abgründe einer idyllischen Kleinstadt an dessen Rand ist eine abgefahren-surreale Melange aus Psycho-Thriller, Coming-of-Age-Story, Heimatfilm und blutigem Horrorszenarium. In dem der Schuldirektor Hubert Quitter, Hausherr einer horriblen Gesamtschularchitektur, in der Sparkassenfiliale auf die Pirsch geht oder drei Mädchen den armen Rico, warum auch immer, fesseln und mit Liebesknochen vollstopfen nach Art des mittelalterlichen Teerens und Federns, wobei die archaische Steinigungs-Szene sozusagen auf dem Fuße folgt. Damit auch wirklich nichts ausgelassen wird in einem Film, der sich alle Mühe gibt, aber dennoch der TV-Ästhetik verhaftet bleibt.

Es ist der erst 18-jährige Autodidakt Frederick Lau in seiner ersten großen Kinorolle, der „Freischwimmer“ zum Ereignis macht. Und zwar gerade durch das Unspektakuläre seines Spiels, die Normalität des psychisch schwer geschädigten „Hanullmanns“. Was freilich nicht als Sensation vermeldet werden kann, denn der 1989 in Berlin geborene Darsteller ohne jede Schauspielerausbildung konnte schon auf eine bemerkenswerte Biographie zurückblicken: Auf dem Bildschirm war er u.a. in Urs Eggers „An die Grenze“ und in Hendrik Handloegtens „Ein spätes Mädchen“ zu sehen, auf der Kinoleinwand in Robert Glinskis „Unkenrufe“ und Joseph Vilsmaiers „Bergkristall“. Und für die atemberaubende Verkörperung des Tim Stoltefuß in Dennis Gansels „Die Welle“ ist Frederick Lau 2008 mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden.

Pitt Herrmann

Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Editing

Music

Cast

Production company

All Credits

Director

Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Director of photography

Assistant camera

Still photography

Lighting design

Key grip

Storyboard

Prop master

Costume design

Editing

Sound design

Sound assistant

Audio mixing

Stunts

Music

Cast

Production company

in co-production with

Line producer

Unit production manager

Original distributor

Shoot

    • 09.08.2006 - 14.09.2006: Köln, Monschau
Duration:
3152 m, 115 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby SR
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 13.12.2007, 112398, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (IT): 05.09.2007, Venedig, IFF - Venice Days;
Erstaufführung (DE): 27.10.2007, Hof, Internationale Filmtage;
Kinostart (DE): 08.05.2008;
TV-Erstsendung (DE): 19.09.2010, ARD

Titles

  • Originaltitel (DE) Freischwimmer

Versions

Original

Duration:
3152 m, 115 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby SR
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 13.12.2007, 112398, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (IT): 05.09.2007, Venedig, IFF - Venice Days;
Erstaufführung (DE): 27.10.2007, Hof, Internationale Filmtage;
Kinostart (DE): 08.05.2008;
TV-Erstsendung (DE): 19.09.2010, ARD