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Bernhard Wickis berühmter Kriegsfilm wurde mehrfach ausgezeichnet und u.a. für den Oscar nominiert. Er erzählt von den letzten Kriegstagen 1945 in einer bayerischen Kleinstadt, in der sieben noch minderjährige Jungen den militärisch sinnlosen Befehl erhalten, eine Brücke vor den anrückenden US-Truppen zu verteidigen. Der einzige Erwachsene dieser Mission, Unteroffizier Heilmann, überlebt nicht lange. Allein mit ihrer Aufgabe werden die Schuljungen, einer nach dem anderen, ihr Leben lassen. Am Ende wird nur einer von ihnen die Brücke überleben.
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Was die Jungen aus der bayerischen Provinz allerdings nicht zu würdigen wissen. Im Gegenteil sind sie enttäuscht darüber, nicht für Führer, Volk und Vaterland mit Gewehren und Panzerfäusten gegen die hoffnungslos überlegenen Feinde antreten zu dürfen. Doch die Front rückt unerbittlich näher und bei einem Tiefflieger-Angriff kommt mit Sigi ausgerechnet der Jüngste unter ihnen als erster ums Leben. Als ihr Vorgesetzter, der gutmütige Unteroffizier Heilmann, aufgrund eines Missverständnisses auch noch als vermeintlicher Deserteur von Feldgendarmen erschossen wird, sind die mit der ideologischen Propaganda der Hitlerjugend geimpften Gymnasiasten ganz auf sich gestellt. Plötzlich nehmen sie das Geräusch herannahender Panzer wahr: Die Amerikaner sind weit hinter die deutschen Verteidigungslinien vorgerückt und erreichen den „Posten“ an der Brücke.
Das halbe Dutzend unausgebildeter Kinder ist fest entschlossen, Widerstand zu leisten. Blindlings wird das Feuer auf heranrollende US-Tanks eröffnet – und nur zwei von ihnen überleben das Gemetzel. Hans und Albert richten ihre Gewehre schließlich gegen ein Wehrmachts-Kommando, das „ihre“ mit so hohem Blutzoll verteidigte Brücke sprengen soll: Hans wird dabei tödlich getroffen und Albert, der einzige Überlebende, verlässt verstört die Brücke und geht zu seiner Mutter nach Hause…
Nach seinem Regiedebüt mit dem Unterrichtsfilm „Warum sind sie gegen uns?“ von 1958, einer mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichneten Auftragsarbeit des von den Bundesländern getragenen gemeinnützigen Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU), bedeutete der Antikriegsfilm „Die Brücke“ den internationalen Durchbruch für den in St. Pölten geborenen österreichischen Schauspieler Bernhard Wicki als Regisseur. Zwei Dutzend nationale und internationale Auszeichnungen wurden noch getoppt durch den Golden Globe Award 1960 und die Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film.
Entstanden nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Gregor Dorfmeister, den er 1958 unter dem Pseudonym Manfred Gregor veröffentlichte, da er darin nach eigener Aussage seine persönlichen Kriegserlebnisse verarbeitete und veröffentlichte, berührt „Die Brücke“ nicht nur das Publikum noch Jahrzehnte nach seiner Uraufführung, sondern auch die Darsteller der Jungen, von denen Frank Glaubrecht, Volker Lechtenbrink und Michael Hinz ihre erste Filmrolle überhaupt spielten.
Zusammen mit Fritz Wepper, Folker Bohnet, Karl Michael Balzer, Günther Hoffman und Cordula Trantow, der Darstellerin des einzigen Mädchens im Umfeld der Jungen, berichteten sie Jahrzehnte später in einer ARD-Talkshow bei Reinhold Beckmann, dass sie heute immer noch auf der Straße oder im Kaffeehaus auf ihre Filmrollen angesprochen werden. Was daran liegt, dass Bernhard Wicki die fanatische Begeisterung zumindest eines Großteils der Jungen für eine längst verlorene – und nebenbei: verbrecherische – Sache in nachhaltig beeindruckenden Bildern eingefangen hat. Er zeigt eindringlicher als viele aktuelle Streifen über die NS-Zeit und die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs die Wirksamkeit einer eingespielten Propagandamaschinerie und das Grauen des Krieges.
Der 103-minütige Film sollte binnen sechs Wochen im Mai und Juni 1959 im oberpfälzischen Cham (Florian-Geyer-Brücke über einen Nebenarm des Flusses Regen) und Umgebung gedreht werden. Daraus wurden, auch aus finanziellen Gründen, drei Monate. Da keine US-Panzer beschafft werden konnten, mussten Holzmodelle herhalten. Um beim Publikum einen dokumentarischen Charakter zu erzeugen, wurde beim minimalistischen Vorspann auf die namentliche Nennung der Schauspieler verzichtet. Erst im Jahr 1969 wurde ein Abspann mit den Namen von Cast und Crew angefügt.
Zwei Personalien am Rande: Der Schauspieler Til Kiwe, der die Rolle des Ritterkreuzträgers spielt, war als Wehrmachtsoffizier tatsächlich Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes. Und Vicco von Bülow alias Loriot ist als Stabsfeldwebel Queiser, der mehrfach das Codewort „Bienenkorb“ ins Funkgerät spricht, in einer seiner ersten Filmrollen zu sehen. Die Uraufführung fand parallel zum bundesdeutschen Kinostart am 22. Oktober 1959 in Mannheim statt, am 4. September 1964 kam „Die Brücke“ auch in die Lichtspielhäuser der DDR.
Pitt Herrmann