Inhalt
In der Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jan Weiler hat der Journalist und liebende Vater Hannes Wenger mit dem plötzlich aufkeimenden rebellischen Verhalten seiner fast 14-jährigen Tochter Carla zu kämpfen. Gerade noch lieb und wohlerzogen, scheint der Teenager auf einmal zum eigenwilligen und starrköpfigen Pubertier zu mutieren. Um ihr wieder auf den richtigen Pfad zurück zu verhelfen, sprich: kein Alkohol, keine Parties, keine Jungs oder sonstige Versuchungen, nimmt sich Hannes eine Auszeit von der Arbeit. Leider stellt sich der in seinen Augen anfangs noch gut klingende Plan schnell als mittlere Katastrophe heraus. Hannes ist schlichtweg überfordert und tritt bei seinen Erziehungsversuchen von einer peinlichen Panne in die nächste. Von seiner Frau Sara kann er da nicht viel Hilfe erwarten, denn diese genießt es, wieder arbeiten zu gehen. Nur sein bester Freund, der hart aber herzliche Kriegsreporter Holger, teilt das selbe Leid und flüchtet lieber in Kampfhandlungen im Nahen Osten, als zu Hause sein eigenes pubertierendes Kind auszuhalten.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Obwohl er mit seinem allzu pflegeleichten, in Leander Haußmanns Leinwand-Adaption völlig vernachlässigten Zweitgeborenen Nick keine Probleme hat. Was seine besten Freunde, der Kriegsreporter Holger und seine mit ihm in Dauerstreit liegende Gattin Miriam, von ihrem aufsässigen Sprössling Egon „Ewi“ Erwin nicht behaupten können: Der freilich auch um einiges Ältere ist ein schier nicht zu bändigendes Pubertier. Sodass sein Papa daran arbeitet, sich so schnell wie möglich wieder in Afghanistan oder einem anderen Krisengebiet der Welt die Kugeln um die Ohren schießen zu lassen.
Die Party zum 14. Geburtstag Carlas rückt in bedrohliche Nähe. Das Madel will es endlich wissen mit Moritz, auch wenn ihr nicht unbekannt geblieben ist, dass der Sohn des allseits beliebten Vertrauenslehrers Ulrich Dattelmann der Schwarm aller weiblicher Wesen der Schule ist – unabhängig von der Jahrgangsstufe. Papa Hannes, sein Augenstern wird ja nun strafmündig, genehmigt eine Flasche Bier pro Partygast – und klebt rasch falsche Etiketten auf die mit alkoholfreiem Gerstensaft gefüllten Pullen.
Sex, Drugs & Rock'n Roll: Klar, dass Hannes sich Sorgen macht, was im Zimmer seiner Tochter im ersten Geschoss, aus dem kein Laut nach außen dringt, vor sich geht. Und dass er sich über Verstärkung durch Holger und Miriam freut – wie in alten Zeiten bei Wein, Hochprozentigem und kreisendem Joint. Auf dem Dach hat er dann freilich eine gänzlich unerwartete Begegnung mit raubeinigen Waschbären – und später auf dem Revier mit einer toughen Polizistin: Weil die Alten nach dem Leninschen Motto, Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser, am Rad gedreht haben, landet die ganze Gesellschaft, der die Feierlaune längst vergangen ist, bei der Polizei...
„Wenn es in meiner Kindheit Handy, Computer und Playstation gegeben hätte, wäre ich heute auf dem kognitiven Stand eines Dackels“: Der gebürtige Düsseldorfer und langjährige Münchner SZ-Magazin-Redakteur Jan Weiler schrieb 2014 das perfekte Buch für die ganze Familie: „Das Pubertier“. Die 22 hochamüsanten Geschichten über muffelige, maulfaule Pubertierende und ihre nicht minder peinlichen Eltern, ursprünglich für die „Welt am Sonntag“ geschrieben, stürmten die „Spiegel“-Bestsellerliste und belegten wochenlang den ersten Platz. Die Kinder des Autors, speziell die pubertierende Tochter, trugen reichlich zum ganz normalen Familienwahnsinn bei. Dieser wurde zunächst in der Zeitschriftenkolumne „Mein Leben als Mensch“ analysiert und hinterfragt.
Das Drehbuch und der Film tragen deutlich Leander Haußmanns Handschrift: „In der Hauptfigur Hannes Wenger steckt viel von mir“, sagt der Regisseur. „Wenn Hannes seine Tochter mit riesigen Drei-Wege-Boxen aus dem Tiefschlaf reißen will, dann stammt das aus meiner eigenen Erlebniswelt. Ich habe mal solche Boxen in das relativ kleine Zimmer meines pubertierenden Sohnes getragen und ganz laut ,Morning has Broken‘ von Cat Stevens gespielt. Das hat er mir extrem übelgenommen. Er hat halt morgens keinen Humor. Morgens um 15 Uhr.“
Die Kontrast-Familie um Holger, Miriam und Sohn „Ewi“ samt dessen Rülps-Orgie nach Leerung einer Cola-Dose in einem Zug ist ebenso eine aus eigener Erfahrung im Freundeskreis resultierende Erfindung Leander Haußmanns wie die Aufwertung der Figur Ulrich Dattelmanns zu einem allseits geschätzten Über-Vater. Überhaupt hat der frühere Bochumer Schauspielhaus-Intendant die Nebenrollen kräftig aufgewertet und so seiner Film-Familie zu profilierten Kurzeinsätzen verholfen, zu nennen sind etwa Burgtheater-Star Michael Maertens als Handyverkäufer und selbst arg geplagter Familienvater und Waldemar Kobus als gewalttätiger Propeller-Vater Dr. Kohlbuch.
In der Titelrolle bezaubert die zierliche 13-jährige bayerische Schülerin Harriet Herbig-Matten durch Charme und Witz, während sich Heike Makatsch leider auf die Rolle einer jungen, attraktiven Intellektuellen beschränken muss, die immerhin – in einer Projektion – mit Elyas M'Barek im Bett liegt. Alexander Fischerkoesens Kamera stand übrigens an authentischem Ort – in Jan Weilers Einfamilienhaus im oberbayerischen Icking. In dem Film für die ganze Familie haben auch die Erwachsenen viel zu lachen, freilich an völlig anderen Stellen wie ihre Kinder oder Enkel. Sat 1 hat die Free-TV-Premiere am 13. April 2020 ausgestrahlt
Pitt Herrmann