Schwabenkinder

Deutschland Österreich 2002 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Tirol, Ende des 19. Jahrhunderts. Die Not zwingt viele Bergbauern, ihre Kinder den Sommer über nach Schwaben zu schicken, wo sie als billige Arbeitskräfte an Bauern vermittelt werden. Und das geschieht durchaus mit dem Segen der Kirche: Der Pfarrer rät immer wieder dazu, die Kinder wegzugeben, schließlich könnten sie in der Fremde etwas lernen. Auch Kaspar (als Achtjähriger: Thomas Unterkirchner), noch nicht einmal zehn Jahre alt, ist unter den „Schwabenkindern“. Nachdem seine Mutter Agnes durch eine Lawine ums Leben gekommen ist und seine Schwester Josefa (Naomi Krauss) nur schwer in die Rolle der Mutter schlüpfen kann, bleibt Vater Anton, der sich lange gegen diesen Schritt gesträubt hat, nichts anderes übrig, als seinen Sohn wegzugeben, so schwer ihm das auch fällt.

Zumal Agnes bisher die Familie durch Nähaufträge der „Gnädigen Frau“ über Wasser gehalten hat. Doch die bleiben nun aus, denn Josefa und ihr Vater haben nicht das Geschick, um die Aufträge der Schlossherrin zu deren Zufriedenheit ausführen zu können. Mit anderen Kindern aus dem Dorf macht Kaspar sich auf den Weg übers Gebirge, geführt von einem Kooperator, der die Gruppe auf dem Ravensburger Markt an Bauern vermitteln soll. Es ist ein harter, gefahrvoller Weg, den die Kinder bewältigen müssen. Magdalena (Eva Maria Fleissner) kümmert sich rührend um die Jüngeren, besonders um Kaspar.

Über tief verschneite Passhöhen, karg gekleidet und mit Schuhen, die kaum vor Schnee und Kälte schützen können, frierend, verängstigt und voller Sorge vor dem Unbekannten im fremden Schwabenland kommen die Kinder nur mühsam vorwärts. Als sie nach entbehrungsreichen Wochen endlich in Ravensburg ankommen, werden sie auf dem Markt wie kleine Sklaven feilgeboten. Der eher schmächtige Kaspar bleibt als letzter übrig und hofft vergebens, dass Magdalena, die bei einer besseren Herrschaft in Dienste treten kann, ihn mitnehmen kann. Kaspar trifft es besonders hart: Ihn wählt der Bauer Steinhauser aus, der sich als brutaler Tyrann entpuppt.

Für den Jungen beginnt eine harte, saure Zeit des Leidens. Er wird nach Strich und Faden ausgebeutet, mutiert darob zum Bettnässer und wird des Nachts aus der Dienstbotenkammer ins „Häusel“ ausgesperrt. Als Kaspar sich in einer dieser bitterkalten Nächte am Feuer wärmen will, brennt das Häusel ab und der ganze Steinhauser-Hof fängt Feuer. Er flüchtet zu Magdalena, die es wenig besser getroffen hat: Sie ist vom „Gnädigen Herrn“ schwanger und plant, in die USA auszuwandern. Der Plan gelingt und ein Foto zeigt Magdalena und Kaspar viele Jahre später als glückliches Paar vor der Skyline von Chicago. Erst als Dreißigjähriger kehrt Kaspar (nun Hary Prinz) in seine österreichische Heimat zurück – und findet den todkranken, zeitlebens unglücklichen Vater auf dem Sterbebett vor. Doch noch bleibt Zeit für eine Versöhnung...

Jo Baier, 1949 in München geboren, drehte bereits mehr als 70 Dokumentarfilme und Fernsehfeatures, bevor er sich Spielfilmen für die große Kinoleinwand und das kleine Bildschirm-Format zuwandte. In der Koproduktion der Alpenländer Deutschland, Österreich, Italien und Schweiz erzählt er die auf historischen Tatsachen beruhende Geschichte der „Schwabenkinder“, die bis in die 1940er Jahre hineinreicht, in Rückblenden als zu Herzen gehendes Melodram, das Kameramann Thomas Erhart mit eindrucksvollen Bildern illustrierte, während Enjott Schneider die realistischen Szenen leider mit einer ziemlich unerträglichen Musiksauce zugekleistert hat.

Der in Tirol, Südbayern und am Bodensee gedrehte Film nach dem Roman „Die Schwabenkinder – Die Geschichte des Kaspanaze“ von Elmar Bereuter erhielt 2003 den Fernsehpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, den Österreichischen Fernsehpreis, den 3-Sat-Publikumspreis sowie den Bayrischen Fernsehpreis für Tobias Moretti.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Titel

  • Originaltitel (DE AT) Schwabenkinder

Fassungen

Original

Länge:
110 min bei 25 b/s
Format:
DigiBeta
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE FR): 07.03.2003, Arte

Auszeichnungen

2003
  • Bester Fernsehfilm 2003 der Österreichischen Volksbildung
  • Österreichischer Fernsehpreis
  • Fernsehpreis der Deutschen Akademie der darstellenden Künste
  • 3-Sat-Zuschauerpreis
  • Großer Preis der Stadt Tegernsee
  • AZ-Stern