Inhalt
Schauplatz der Komödie ist das beschauliche Friedrichshagen, am Müggelsee gelegen. Hier wird beim Einweihungsfest der ortsansässigen Surfpaddelschule dem Bürgermeister während des Schwimmens die Hand abgebissen. Nach anfänglichem Ignorieren des ungewöhnlichen Vorfalls wird bald festgestellt, dass ein bisher unbekanntes Tier im See hausen muss, das für die Tat verantwortlich gemacht wird - also wird prompt ein "Haialarm" am Müggelsee ausgerufen. Was mit einem Badeverbot beginnt, entwickelt sich bald zu einer wahren Hexenjagd und Massenhysterie angesichts der unbekannten Gefahr im Wasser. Eine Studie über deutsches Beamtentum, Kleinkariertheit und Dorfidylle.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Aber da sind die aufgeregten Honoratioren vor, allen voran der Bürgermeister („Gefühle sind in der Kommunalpolitik keine feste Größe“) und seine Berater, darunter die Städtemarketing-Expertin Vera Baum (die Kasseler Theaterschauspielerin Anna-Maria Hirsch gibt ein zumeist leichtbekleidetes Filmdebüt), ein Fischexperte der Humboldt-Universität und der naturgemäß tumbe Dorfsheriff Müller. So kommt, alles Müller oder was, Snake vom Regen in die Traufe: Als Hai-Experte sind er und sein martialisches Rüstzeug gefragt.
Doch bevor der Mörderfisch gefangen oder, besser, getötet ist, gilt es, potentielle Schwimmer vom Wasser fern zu halten. Zumal die städtischen Taucher (Sven Regener und Leander Haußmann) immer mehr menschliche Extremitäten aus demselben bergen. Streichelzoo, Pantomime, Hütchenspielen und Freibier versüßen den verhinderten Badegästen den Aufenthalt am Strand, wenn sie sich nicht eh' dem mediterranen Lebensgefühl in der Griechischen Taverne hingeben (wie die beiden Berliner Theater-Intendanten Frank Castorf und Jürgen Flimm in skurrilen Cameo-Auftritten): „Der Friedrichshagener ist quasi der Italiener unter den Berlinern.“
Es dauert nicht lange, bis „Der reiche Mann von Friedrichshagen“, dem das Strandbad gehört, die Geduld verliert. Er will endlich Resultate sehen, zumal die Gerüchteküche brodelt und beim großen Müggelseeschwimmen – statt wie im Vorjahr 1234 – nur noch zehn mutige Teilnehmer gelistet sind. Was dem Bürgermeister, der um seine Wiederwahl fürchtet, gelegen kommt: bei Hai-Alarm kann er sich als Macher profilieren und möglichen Herausforderern erst gar keine Chance lassen. Denn: „Die Zahnpasta der Angst lässt sich nicht mehr in die Tube der Beschwichtigung zurückstopfen!“
In der von „Alarm-Bier“ beflügelten „Arbeitsgruppe Hai-Alarm“ trifft Snake überraschend auf seine „Ex“, die Historikerin Gabi Müller. War da nicht 'mal 'was mit einem Mini-Hai, schon Jahrzehnte her, zu DDR-Zeiten? Der einst, aus dem sozialistischen Bruderstaat Kuba importiert, versehentlich den Weg in ein Ost-Berliner Aquarium gefunden hat, dem er dann freilich rasch entwuchs und irgendwie entsorgt werden musste. Snake jedenfalls reaktiviert seinen Unterwasser-Beobachtungskäfig und versichert eidesstattlich, den Hai mit eigenen Augen gesehen zu haben.
Sogleich mutiert Friedrichshagen zur Partyhauptstadt, das traditionsreiche Bölschefest wird flugs um unbestimmte Zeit verlängert. Doch der ganze Medienrummel und die Sperrung des Müggelseedamms macht mit zunehmender Dauer aus friedfertigen Kleinbürgern zu Gewalt neigende Wutbürger, sodass der „Kessel der Friedrichshagener Zivilisation“ in einem Inferno des Wahnsinns zu explodieren droht. Ob 220 Hektorliter Bürgerbräu die Gemüter zu beruhigen vermögen?
Mit „Hai-Alarm am Müggelsee“ ist dem Duo infernale Leander Haußmann & Sven Regener binnen nur dreißig Drehtagen ein doller Comedy-Streifen geglückt, der mit überraschenden Antworten auf Fragen, die gar nicht gestellt worden sind, aufwartet. Zwischen grottigem Klamauk und erhellender Realsatire agiert und dilettiert die tolle Haußmann-Truppe, zu nennen etwa noch Katharina Thalbach und Horst Pinnow, so lustvoll wie in alten Bochumer Schauspielhaus-Zeiten. Und das angesichts des Low-Budgets von zwei Millionen Euro weitgehend ohne Honorar, Henry Hübchen, Michael Gwisdeck und Tom Schilling verzichteten sogar ganz. Es musste viel improvisiert werden, was man dem Nonsens-Trash auch ansieht. Na und? Die Uraufführung fand am 14. März 2013 parallel zum Kinostart im Kino der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg statt.
Pitt Herrmann