Inhalt
Ein Mann fährt von Paris nach Berlin. Er sucht dort seine Frau. In einer Psychiatrie in Spandau findet er sie und nimmt sie wieder mit, zurück nach Paris. Jedes Jahr fährt die Frau nach Berlin und sucht ihre Tochter, die dort 1989 im Alter von drei Jahren entführt wurde und verschwunden geblieben ist.
Jetzt entdeckt die Frau ein Mädchen. Nina ist eine Streunerin und zieht umher mit Toni, einer Diebin. Die Frau glaubt, in Nina ihre Tochter wiedergefunden zu haben.
"Gespenster, das sind Gestalten, die nicht einsehen wollen, dass sie tot sind. Die herumspuken, in den Zwischenreichen, zwischen den Lebenden und den Toten. Die hoffen, dass die Liebe sie wieder lebendig machen kann. Um solche Gestalten geht es hier." (Christian Petzold)
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Nina folgt Toni aus einer Mischung aus Neugier und schlechtem Gewissen. Beide Unbehausten, die sich so nach Normalität sehnen, kommen sich näher und Nina beschließt, abzuhauen. Das nötige Geld soll ein Casting bringen, indem sie sich als „Freundinnen“ darstellen sollen, doch das geht gründlich schief, weil es halt auch mit ihrer Freundschaft nicht weit her ist – und der schmierige und naturgemäß verheiratete Produzent Oliver nur an einem privaten Date mit Toni Interesse zeigt.
Gleichzeitig ist die Französin Françoise in Berlin unterwegs. Immer wieder sucht sie einen bestimmten Supermarkt auf, vor dem viele Jahre zuvor ihre dreijährige Tochter Marie entführt wurde. Françoise hofft, „ihr“ Mädchen in einem der unzähligen Gesichter junger Frauen wiederzuerkennen, was ihren Gatten Pierre schier in die Verzweiflung treibt, der die Pariserin gerade wieder aus einer psychiatrischen Ambulanz abgeholt hat. Tatsächlich keimt Hoffnung auf, als sich rein zufällig die Wege Ninas und Françoises gleich mehrmals kreuzen. Nina hat genau die Narbe am Fuß und das herzförmige Muttermal an der Schulter wie Marie...
„Gespenster“ ist auch ein Berlin-Film, der die „Rückseite“ des Potsdamer Platzes zum Schauplatz des düsteren Geschehens macht, das vom Märchen „Das Totenhemdchen“ der Brüder Grimm inspiriert worden ist. Das erzählt von einem toten Kind, das immer wieder und so lange seiner todtraurigen Mutter erscheint, bis diese psychisch in der Lage ist, das Geschehen zu akzeptieren und loszulassen. Davon sind die Protagonisten in Christian Petzolds deutsch-französischer Koproduktion allerdings weit entfernt.
Christian Petzold im Piffl-Presseheft: „Diese Frauen, Nina Toni und Françoise, sind nicht anpassungsfähig. Sie haben keine Vorgeschichte, die eine Ordnung stiften würde. Sie können auch den Mythos, der sie in diesem fremden Stadtraum umtreibt, nicht dekonstruieren und so Ruhe finden. Es gibt hier keine Er- oder Auflösung. Die Bach-Kantate im Film dient insofern nicht nur der Charakterisierung der kultivierten Francoise, sondern steht auch für die endlosen Mühen der Trost- und Trauerarbeit der Figuren. Die Idee zum Film kam mir ja, als ich in Frankreich Aushänge mit Fotosimulationen lange vermisster Kinder sah: Der Computer errechnete ihr gegenwärtiges Aussehen, verlieh den Gesichtern aber keinen Ausdruck. Das machte sie zu Gespenstern. Es sind nicht zu Ende gestorbene Menschen. Denn es gibt kein Ende für sie; ihre Körper wurden nie gefunden; vermutlich wurden sie ermordet und verscharrt. Aber sie leben in der mathematischen Berechnung weiter.“
Pitt Herrmann