Inhalt
Drei Jahre lang saß Karl Escher im Gefängnis. Unschuldig. Um seinen Vater, einen einflussreichen Bankier, zu schützen, hatte er die Vorwürfe der Urkundenfälschung und Veruntreuung von Geldern auf sich genommen. Doch Karl ist sich sicher, dass sein Bruder Franz hinter den illegalen Machenschaften steckt. Von seiner Schwester Amalia erfährt er, dass die Escher-Bank kurz vor seiner Freilassung mit der Field-Bank fusioniert hat. Karl befürchtet daher, dass künftig die Geldwäsche in einem noch größeren Stil betrieben werden soll.
Um seinen Verdacht zu belegen, schließt sich Karl einer Gruppe von Räubern an, die den Bankier Field kidnappen. Während die Gangster hinter dem Schwarzgeld her sind, will Karl lediglich die geheimen Dokumente, die seine Unschuld beweisen. Doch als sein Bruder Franz von der Sache Wind bekommt und ihn an die Polizei verrät, ist plötzlich die ganze Familie in Gefahr.
Quelle: Filmfestival Max Ophüls Preis 2015
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Bei einer Abendgesellschaft in der Villa des reichen Bankierssohns Henry Field, der Karls Schwester Amalia, die offensichtlich wie bei Schiller lieber die Geliebte wäre, den Hof macht, verspricht er ihr, eine Lösung für Karl zu finden. Die beiden von ihren Vätern gegründeten Banken müssen fusionieren, sagt er ihr, das sei die einzige Chance zu überleben. Ein Vorhaben, das Henry zusammen mit Karls und Amalias Bruder Franz, einem Schurken wie aus dem Bilderbuch, lange vorbereitet hat. Der alte Escher hofft, dass es neben der geschäftlichen bald auch eine private Verbindung zwischen den Häusern gibt.
Widerwillig unterschreibt auch Amalia die Verträge, ihre Gedanken sind nur bei Karl, der kurz vor seiner Entlassung steht. Schließlich saß er für sie alle im Gefängnis, alle wussten von den Manipulationen und alle haben davon profitiert. Als es soweit ist, steht niemand am Gefängnistor, um ihn abzuholen. Karl bemerkt zwar das Auto seines Vaters, der aber traut sich nicht, seinem einstigen Lieblingssohn in die Augen zu blicken. Der sich ein Taxi nimmt und im konzerneigenen Hotel absteigt, wo er bald Besuch von Amalia erhält.
Seine Schwester bittet ihn, wieder nach Hause zu kommen, Vater mache sich Vorwürfe, doch Karl, der sich von seiner Familie verraten und im Stich gelassen fühlt, kann ihr nicht glauben. Und tut gut daran, denn Escher leugnet wenig später gegenüber Amalia, von der Manipulation gewusst zu haben. Karl habe vielmehr allein gehandelt, erst später habe er durch Franz davon erfahren. Was Amalia so nicht hinnimmt, ihren Bruder einen Lügner nennt und von ihrem Vater verlangt, Karl wieder zurückzuholen. Der winkt ab: sein neuer Geschäftspartner Field sei dagegen.
Karl zieht sich in das Chalet seines verstorbenen Großvaters zurück, wo er auf eine Räuberbande trifft, die sich in dem seit langem leeren Gebäude versteckt hält. Deren Boss, den alle nur den Alten nennen (großartig: Hollywood-Star Tcheky Karyo), hat Karl in der Haft geholfen und Karl hat ihm viel zu verdanken, er vertraut ihm. Mit Hilfe seiner Bande will er die Machenschaften der beiden mächtigen Bankerfamilien aufdecken. Gemeinsam entführen sie Monsieur Field bei seiner morgendlichen Jogging-Runde und zwingen ihn, Geld aus seiner Bank zu holen. Eine zweite Gruppe dringt in die Field-Villa ein, fesselt Madame und Tochter. Die Geiseln sollen den Banker zwingen, den Code für den Tresor preiszugeben. In den Unterlagen findet Karl Beweise für die verbrecherischen Machenschaften der Fields: Sie haben sich nur an der Bank seiner Familie beteiligt, um Geld zu waschen. Im Gegenzug behält Escher einen Teil des Erlöses. Karl übergibt seiner Schwester die Papiere, die von den Transaktionen keine Ahnung hat. Wohl aber um den Traum ihres Bruders Franz von einer großen internationalen Bank weiß. Amalia konfrontiert ihn mit den Vorwürfen, doch der streitet ab: Karl hasse ihn, weil er seinen Platz im väterlichen Unternehmen eingenommen habe.
Der Alte will Herman ausbooten und den bisher als Fahrer eingesetzten Karl, der die nächste Operation leiten soll, in die Führungsrolle bugsieren. Karl ist dazu bereit, endgültig die Seiten zu wechseln und mit seinem bisherigen Leben zu brechen. In einem Brief an seinen Vater kündigt er an, künftig gegen ihn und seine unsauberen Geschäfte zu kämpfen. Unterdessen stellt Amalia auch Henry Field zur Rede: Ihr ist bewusst geworden, dass der Bankierssohn sie nur benutzt hat, um die Fusion der beiden Geldhäuser voranzutreiben.
Herman, düpiert von Karls rasantem Aufstieg in der Bandenhierarchie, verrät dessen Bruder Franz nicht nur den erfolgreichen Überfall, welchen der alte Field wohlweislich verschwiegen hatte, sondern auch Karls weitere Pläne. Und schlägt ihm vor, für eine Million Euro den Ort zu verraten, wo sich Karl und die Bande verstecken. Franz, die Kanaille, fühlt sich auf der sicheren Seite, in dem er seinen Bruder nicht wirklich vor eine Wahl stellt: nur wenn Karl für immer verschwindet, werden seine Freunde verschont. Doch der hat die Polizei längst informiert. Und so wird die Räuberhöhle ausgeräuchert. Nur Karl und der schwer verwundete Alte, der bewusst seine Kumpane nicht von dem bevorstehenden Einsatz gewarnt hat, um mit ihnen die Beute nicht teilen zu müssen, können entkommen.
Als der Alte seiner Schusswunde erliegt, flüchtet sich Karl in ein gelbes Haus am Waldrand, das von einer Mutter und ihrem kleinen Sohn bewohnt wird. Sie bietet ihm Unterschlupf und bringt ihn anderntags zum Bus: Karl will sich von Amalia verabschieden, doch die ist dazu entschlossen, mit ihm zu gehen. Am lodernden Kamin kommt es zur Aussprache mit seinem Vater, der erkennt, wer sein wahrer Sohn ist. Doch für eine Versöhnung ist es ebenso zu spät wie für eine geschäftliche Umkehr: Escher hat keinen Einfluss mehr auf seine Bank, die Geschäfte werden nun von Franz und Henry gemeinsam geführt. Doch Karl will sich noch nicht geschlagen geben. Am Ende gibt es mehrere Tote – und lauter Verlierer. Denn niemand ist ohne Schuld...
„Die Räuber“, mit dessen Uraufführung das 36. Filmfestival um den Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken eröffnet wurde, hat mit dem über zweihundert Jahre alten Schauspiel Friedrich Schillers nur noch das ungefähre Handlungsgerüst und ein paar Dialoge, die bewusst ins Drehbuch übernommen wurden, gemein. Ins Hier und Jetzt übertragen bezieht sich das kammerspielartige Familiendrama, so Regisseur Frank Hoffmann, „auf zwei ganz bestimme Arten 'Räuber' unserer Zeit: die klassischen Diebe einerseits und die Politiker andererseits. Auch wenn die Zweiteren vielleicht oberflächlich als die Besseren aussehen, sind sie es keinesfalls. Politiker berauben genauso, tun Frauen Gewalt an und führen ein zutiefst amoralisches Dasein.“
Für den Luxemburger sind der „Alte“ und Franz ebenso Räuber wie Karl sowie die Patriarchen Escher und Field. Was so weit hergeholt ja nicht ist. „Die Räuber“ geht als unterhaltsamer und nicht allzu schwarzer Film Noir durch, inspiriert etwa von Joseph L. Mankiewicz' „Blutsfeindschaft“ um zwei Brüder im Bankenmilieu. Mit interessantem Soundtrack von Michael Rother über „The Cure“ bis hin zu „Siouxsie and the Bansheers“. Arte sorgte am 11. Januar 2018 für die TV-Erstausstrahlung.
Pitt Herrmann