Inhalt
Dokumentarfilm, der verschiedene Tierarten aus allen Teilen der Erde bei ihrem alltäglichen "Kampf ums Überleben" begleitet: Auf der Antarktischen Halbinsel versucht eine Eisbärenfamilie, ihre Neugeborenen zu ernähren; eine Elefantenmutter führt ihr Junges durch die Kalahari-Wüste, auf der Suche nach einer Wasserstelle; eine Buckelwalmutter begibt sich mit ihrem Kalb auf die längste Wanderung aller Meeressäugetiere, die sie von den Tropen bis zu den eisigen Gewässern der Arktis führt – womit sich der Kreis des Films schließt.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Am anderen Ende der Welt, im Herzen der Kalahari-Wüste, versucht eine Elefantenherde nach einer so entbehrungsreichen wie gefahrvollen Wanderung von der namibischen Skelettküste aus über Hunderte von Kilometern das wasserreiche Kalahari-Becken in Südafrika zu erreichen. Zwischendurch müssen sich die Elefanten ein Wasserloch mit Büffeln teilen – und mit Löwen. Es ist eine trügerische Ruhe, die einem vorläufigen Waffenstillstand gleichkommt. Denn die gewaltigen Elefanten beherrschen ihr Revier nur tagsüber, die Nacht gehört den Großkatzen.
Die größte Distanz überwinden muss jedoch eine Buckelwalmutter mit ihrem Kalb: Über sechstausend Kilometer liegen zwischen der Kinderstube am Äquator und den Kryll-reichen Gründen der Arktis. Erst dort kann die Mutter, deren Jungtier täglich mehrere hundert Liter Milch benötigt, Nahrung aufnehmen und wieder Kraft tanken.
„Unsere Erde“ erzählt in berückenden Bildern die Geschichte dreier Muttertiere, die exemplarisch für die Lebewesen unserer Erde insgesamt stehen. Die im übrigen vor fünf Milliarden Jahren entstand, als ein gigantischer Asteroid aus dem Weltall auf die Erdoberfläche hinabstürzte. Dieser Aufprall war so gewaltig, dass sich der Neigungswinkel der Erde um 23,5 Grad verschob. Was die Voraussetzung für die Entstehung von Leben auf unserem Planeten bildete: Nun erst konnte die Sonne ihre Kraft entfalten, konnte der Wechsel der Jahreszeiten erfolgen und mit ihm die Gegensätze von Hitze und Kälte.
„Unsere Erde“ erzählt viele ganz erstaunliche Geschichten mit nahezu unglaublichen Bildern. Etwa von koreanischen Baikalenten, die ihr Nest in erheblicher Höhe in einem Baumstamm bauen und im Frühling dann zum großen Sprung auf den laubbedeckten Waldboden ansetzen müssen, um zu ihrem eigentlichen Lebensraum, dem Wasser, zu gelangen. Und von wasserscheuen Anubispavianen, die in einer geradezu slapstickhaften Sequenz im botswanischen Okawangobecken im hohen Grade indigniert und nur mit allergrößter Vorsicht das feuchte Element betreten.
Der an absoluten Highlights reiche Film, für den 40 Kameraleute an 200 Drehorten insgesamt 4.000 auf fünf Jahre verteilte Drehtage absolvierten, zeigt etwa auch, wie tibetanische Jungfernkraniche den Himalaya und damit die höchsten Berggipfel der Welt überwinden müssen. Die hochspannende Kompilation der elfteiligen BBC-Serie „Planet Earth“ erzählt vom sich 365 Tage im Jahr ständig wiederholenden Kreislauf der Natur und damit auch vom Fressen und gefressen werden. Allerdings ist dieser so grandiose Film, den man unbedingt auf der großen Kinoleinwand genießen muss, bewusst familientauglich geschnitten: Gezeigt wird nur eine einzige erfolgreiche Jagd, die eines Geparden auf ein Streifengnu im tansanischen Serengeti-Nationalpark. Und das in phantastischen Zeitlupen-Aufnahmen und ohne blutiges Schlachtengemälde.
Alistair Fothergill, Jahrgang 1960 und studierter Zoologe, kam 1983 zur BBC, wo er zahlreiche Naturdokumentationen drehte. Weltweit bekannt wurde er durch die (Kino-) Filme „Unser blauer Planet“ und „Deep Blue“, für die der Brite neue, bahnbrechende Kameratechniken entwickelte. Und jetzt noch toppte mit der computerunterstützten „motion-control-rig“ für so noch nie gesehene Zeitraffer-Aufnahmen. Die einzigartige Naturdokumentation ist zugleich eine Eloge auf die Schönheit unseres Planeten. In ihr erscheint nicht ein einziger Mensch auf der Leinwand. Weil Alistair Fothergill den Appellcharakter seines Films ohne jeden auch nur angedeuteten pädagogischen Zeigefinger auf die Person des sich klug zurückhaltenden Off-Kommentators begrenzt.
In der deutschen Fassung übernimmt der Hamburger Schauspieler Ulrich Tukur diesen Part: Sehr ruhig und unaufdringlich klärt er in wenigen, einfachen Worten über den Zusammenhang auf zwischen Klimawandel, Erd-Erwärmung, Abschmelzung des „ewigen“ Eises an den Polen und den Konsequenzen für die Natur und damit für uns alle. Weil etwa Eisbären zunehmend ihres Lebensraumes beraubt werden, haben sie immer größere Probleme, sich ausreichend mit Nahrung zu versorgen. In einem ergreifenden Schlussbild zeigt Fothergill, dass es eben nicht ausreicht, den Berliner Knuddel-Knut lieb zu haben. Free-TV-Premiere war am 26. März 2010 auf Pro Sieben.
Pitt Herrmann