Ludwig Berger

Ludwig Berger

Weitere Namen: Ludwig Gottfried Heinrich Bamberger (Geburtsname)
Darsteller, Regie, Drehbuch, Produzent
*06.01.1892 Mainz; †18.05.1969 Schlangenbad

Biografie

Der Bankierssohn wächst in einem musikalischen Elternhaus aus, erhält Cello-Unterricht. 1910 Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in München und Heidelberg, 1914 Promotion. Bei Kriegsausbruch freiwillig zum Militär, wo er sich mit Carl Zuckmayer anfreundet; untauglich entlassen, arbeitet er am Kunstgewerbemuseum Stuttgart.

1916 Regie-Debüt am Stadttheater Mainz mit der Mozart-Oper "Gärtnerin aus Liebe", die er gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf Bamberger eingerichtet hat. Ab 1917 u.a. in Hamburg, Darmstadt, Berlin, wo er sich vor allem mit Shakespeare-Iszenierungen einen Namen macht, bei denen oft sein Bruder Szenenbild und Kostüme entwirft. Daneben veröffentlicht Berger Märchenbücher, Gedichte und Dramen.

1920 Film-Debüt mit der Calderon-Adaption "Der Richter von Zalamea". Für die von Erich Pommer geleitete Decla-Bioscop realisiert er bis 1923 drei weitere, hochrangig besetzte Filme nach eigenen Drehbüchern, z.T. mit Rudolf Bamberger als Filmarchitekt. In "Ein Glas Wasser – Das Spiel der Königin", nach Scribes Komödie, ist Mady Christians erstmals seine Hauptdarstellerin. Aus Anlass seines Films "Der verlorene Schuh", nach "Aschenputtel", veröffentlicht Berger theoretische Überlegungen zum Verhältnis von Märchen und Film.

1925 entsteht bei der Ufa die mehrfach ironisch gebrochene Operetten-Verfilmung "Ein Walzertraum" nach Oscar Straus. Dies ist seine erste Zusammenarbeit mit dem Autor Robert Liebmann, der bis 1933 an fast allen seinen deutschen Filmen beteiligt ist. Bergers von Musikalität und zarter Märchenhaftigkeit durchdrungene Inszenierungen werden von den Zeitgenossen als "Triumph deutschen Filmschaffens"(Willy Haas) gefeiert.

Mit der Fertigstellung des von Mauritz Stiller begonnenen Films "The Street of Sin" beginnt Bergers Arbeit für Paramount in Hollywood. 1928 dreht er dort zwei weitere Stummfilme und bis 1930 zwei Tonfilme, darunter als Farbtonfilm "The Vagabond King", einen das Leben François Villons romantisierenden Operettenstoff.

1932 inszeniert Berger für die Pommer-Produktion der Ufa in drei Sprachversionen den Musikfilm "Ich bei Tag und Du bei Nacht" mit Käthe von Nagy und Willy Fritsch, der mit ironischem Changemant zwischen armseliger Realität und glänzender Traumwelt ein Beispiel für Bergers typische Herangehensweise ist. 1933 folgt – in zwei Sprachversionen – "Der Walzerkrieg" mit Renate Müller und Fritsch.

Nach mehrjährigem Rückzug ins Private dreht Berger 1936/37 im niederländischen Exil die erfolgreiche Shaw-Verfilmung "Pygmalion". 1938 lässt er sich in Amsterdam nieder. Bei "Trois valses", in Frankreich entstanden, zieht er Oscar Straus als Komponisten heran. Die britische Alexander Korda-Produktion "The Thief of Bagdad" (1939/40) wird für ihn zum persönlichen Fiasko, da Korda massiv in seine Regiearbeit eingreift. "Ergens in Nederland" läuft kurz vor dem deutschen Überfall auf die Niederlande an. Berger überlebt die Besetzung mit falschen Papieren.

1947 Rückkehr nach Deutschland. Der Ballett-Film "Ballerina", eine französische Produktion, ist seine letzte Arbeit für das Kino. Danach Arbeit als Bühnen- und Hörspielregisseur. Ab 1954 gehört er zu den Pionieren des deutschen Fernsehspiels, vor allem durch eine 1957-58 live im Studio produzierte Serie von sechs Shakespeare-Komödien beim Sender Freies Berlin.

1956-68 Leitung der Abteilung Darstellende Kunst der Akademie der Künste Berlin/West. Autor zahlreicher Prosawerke und Dramen. Zu seinen Auszeichnungen zählen u.a. 1964 das Filmband in Gold für langjähriges und erfolgreiches Wirken im deutschen Film und 1966 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

© hmbock

Filmografie

1969 Star unter Sternen. 4. Begegnung mit Willy Fritsch
Mitwirkung
 
1968 Odysseus auf Ogygia
Regie
 
1967 Samen von Kraut und Unkraut. Drei Szenen aus der Geschichte Hessens
Regie, Drehbuch
 
1967 "Herr, laß mich musizieren". Aus Carl Zuckmayers Werken
Regie
 
1964 Ottiliens Tollheiten
Regie, Drehbuch
 
1961/1962 Alpenkönig und Menschenfeind
Regie
 
1961 Hermann und Dorothea
Regie, Drehbuch
 
1960 Die Nacht in Zaandam
Regie, Drehbuch
 
1959 Das Paradies und die Peri. Dichtung aus »Lalla Rookh« von Thomas Moore
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1958/1959 So weit die Füße tragen
Darsteller
 
1958 Maß für Maß
Regie, Drehbuch
 
1958 Wie es euch gefällt
Regie, Drehbuch
 
1957/1958 Viel Lärm um Nichts
Regie, Drehbuch
 
1957/1958 Was Ihr wollt
Regie, Drehbuch, Übersetzung
 
1957 Der Widerspenstigen Zähmung
Regie, Drehbuch
 
1957 Der Tod des Sokrates
Regie, Drehbuch
 
1956 Stresemann
Drehbuch
 
1955 Undine
Regie, Drehbuch
 
1954 Frau Mozart
Regie, Drehbuch
 
1954 Die Spieler
Regie
 
1940 The Thief of Bagdad
Regie
 
1938 Les trois valses
Regie
 
1933 La guerre des valses
Regie
 
1933 Walzerkrieg
Regie
 
1932 Ich bei Tag und Du bei Nacht
Regie
 
1932 A moi le jour, à toi la nuit
Regie
 
1932 Early to Bed
Regie
 
1930 Galas de la Paramount
Darsteller
 
1929/1930 Paramount on Parade
Darsteller
 
1929/1930 The Vagabond King
Regie
 
1928/1929 Das brennende Herz
Regie
 
1928 The Woman from Moscow
Regie, Produzent
 
1927/1928 Königin Luise. 2. Teil
Drehbuch
 
1927 Königin Luise. 1. Teil: Die Jugend der Königin Luise
Drehbuch
 
1926/1927 Der Meister von Nürnberg
Regie, Drehbuch
 
1925/1926 Faust
Vorlage
 
1925 Ein Walzertraum
Regie
 
1923 Der verlorene Schuh
Regie, Drehbuch
 
1922/1923 Ein Glas Wasser
Regie, Drehbuch
 
1921 Der Roman der Christine von Herre
Regie, Drehbuch
 
1920 Der Richter von Zalamea
Regie, Drehbuch
 

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