Karl Grune

Karl Grune

Weitere Namen: Bertold Grünwald (Geburtsname)
Regie, Drehbuch, Bauten, Produzent
*22.01.1890 Wien, Österreich; †02.10.1962 Bournemouth, England, Großbritannien

Biografie

Karl Grune, 1890 in Wien geboren, besuchte das dortige Konservatorium für Schauspielkunst und begann seine Karriere wie viele seiner späteren Kollegen beim Theater. Er arbeitete als Schauspieler und Regisseur an österreichischen und bayerischen Provinzbühnen, an der Wiener Volksbühne und schließlich am Deutschen Theater Berlin. Im Ersten Weltkrieg verlor er 1918 durch eine Verletzung vorübergehend sein Sprachvermögen. 1919 drehte er seinen ersten Stummfilm. Sein im Zuhältermilieu angesiedeltes Regiedebüt "Der Mädchenhirt" ist eine Adaption des Romandebüts von Egon Erwin Kisch, mit dem er eng befreundet war. Grunes frühe Filme sind nur zum Teil erhalten.

Als wichtigste Werke gelten "Schlagende Wetter" und "Die Straße", beide aus dem Jahr 1923. "Schlagende Wetter" spielt im Ruhrgebiet und zeigt in naturalistischer Eindringlichkeit die Welt der Bergmänner. Auch "Die Straße", in dem ein abenteuerlustiger Kleinbürger sich ins nächtliche Großstadttreiben stürzt, dabei jedoch irrtümlich des Mordes verdächtigt und verhaftet wird, zeichnet sich durch genaue Milieuschilderung aus und inspirierte ein ganzes Genre. Unter seinen folgenden Filmen befanden sich neben der Kellermann-Adaption "Die Brüder Schellenberg" auch luxuriös ausgestattete Historiendramen wie "Königin Luise" oder "Waterloo". Höhepunkt und Abschluss seines Stummfilmschaffens bildete das pazifistische Plädoyer "Am Rande der Welt", mit dem er sich gegen jegliche Form der Kriegführung wandte.

Der Anschluss an den Tonfilm gelang Grune nur mühsam. "Katharina Knie" (1929), ein Zirkusfilm nach Zuckmayer, wurde nachsynchronisiert, geriet aber zum kommerziellen Misserfolg. Nach der Machtübernahme 1933 emigrierte Grune nach London, wo auch andere deutsche Regisseure und Schauspieler Fuß zu fassen versuchten. Er wurde dort als Regisseur für die Capitol Film Production von Max Schach tätig, mit dem er schon in Berlin zusammengearbeitet hatte. Unter anderem drehte er "Abdul, der Verdammte" mit Fritz Kortner, der deutliche Anspielungen auf Hitler und Mussolini enthielt. Seine letzte Regiearbeit wurde 1936 die Opernadaption "Der Bajazzo" mit dem Startenor Richard Tauber. In späteren Jahren wurde Grune als Produzent tätig, u.a. "The Silver Darlings" (1947). Er blieb in Großbritannien und starb am 2. Oktober 1962 in Bournemouth.

Filmografie

1947 Silver Darlings
Produzent
 
1936 Pagliacci
Regie
 
1936 The Marriage of Corbal
Regie
 
1935 Abdul the Damned
Regie
 
1931/1932 Peter Voß, der Millionendieb
Produzent
 
1931/1932 Heimkehr
Regie
 
1931 Menschen unter der Lupe
Regie
 
1931 La maison jaune de Rio
Regie
 
1930/1931 Das gelbe Haus des King-Fu
Regie
 
1929 Katharina Knie
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1928/1929 Waterloo
Regie
 
1928 Marquis d'Eon, der Spion der Pompadour
Regie
 
1927/1928 Königin Luise. 2. Teil
Regie
 
1927 Königin Luise. 1. Teil: Die Jugend der Königin Luise
Regie
 
1927 Am Rande der Welt
Regie, Drehbuch
 
1925/1926 Die Brüder Schellenberg
Regie, Drehbuch
 
1925 Eifersucht
Regie
 
1924/1925 Komödianten
Regie
 
1924 Arabella. Der Roman eines Pferdes
Regie, Bauten
 
1923 Die Straße
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1922/1923 Schlagende Wetter
Regie, Produzent
 
1922 Der Graf von Charolais
Regie
 
1921/1922 Frauenopfer
Regie
 
1921 Die Jagd nach Wahrheit
Regie
 
1921 Die Nacht ohne Morgen
Regie
 
1921 Nachtbesuch in der Northernbank
Regie
 
1921 Mann über Bord
Regie, Drehbuch
 
1919 Der Mädchenhirt
Regie, Drehbuch, Bauten
 
1919 Manon. Das hohe Lied der Liebe
Drehbuch
 
1919 Aus eines Mannes Mädchenjahren
Drehbuch
 
1919 Menschen in Ketten
Regie
 
1919 Hölle der Jungfrauen
Drehbuch
 
1919 Wer unter Euch ohne Sünde ist
Drehbuch
 

Übersicht

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Literatur

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