Ulli Lommel gestorben

04.12.2017 | 13:04 Uhr

Ulli Lommel gestorben

Der legendäre Fassbinder-Schauspieler und Filmemacher Ulli Lommel ist im Alter von 72 Jahren gestorben.

Ullrich Lommel, Jahrgang 1944, gehörte zu den schillerndsten Figuren des deutschen Kinos der späten sechziger und frühen siebziger Jahre. Bereits als Kind stand der Sohn einer Schauspielerfamilie auf der Bühne, mit 17 kam er zum Film. Er drehte mit Russ Meyer ("Fanny Hill", DE/US 1964), Alfred Weidenmann ("Maigret und sein größter Fall", AT/IT/FR 1966), Rudolf Thome ("Detektive", 1968) und vor allem mit Rainer Werner Fassbinder. Zu den zahlreichen gemeinsamen Filmen der beiden gehören "Whity" (1971), "Welt am Draht" (1973) und "Satansbraten" (1976). "Er spielte die coolen, bleichen Typen, die eine fragile, grausame Schönheit à la Baudelaire auszeichnet", schrieb der Filmkritiker Hans Schifferle mit Blick auf Lommels Fassbinder-Rollen in der Zeitschrift "epd Film" (4/2010).

Aber auch Lommels eigene Regiearbeiten zeichneten sich durch eine Mischung aus Morbidität, Sensibilität und Schaulust aus. Dies gilt nicht zuletzt für den von Fassbinder produzierten "Die Zärtlichkeit der Wölfe" (1973), eine Verfilmung des berühmten Falls um den Massenmörder Fritz Haarmann, den er vom Berlin der zwanziger Jahre ins Bochum der Nachkriegszeit verlegte.

Trotzdem konnte Lommel im deutschen Filmgeschäft nicht nachhaltig Fuß fassen. Nach der Komödie "Adolf und Marlene" (1976), über eine Obsession Adolf Hitlers (Kurt Raab) für Marlene Dietrich (Margit Carstensen), verlagerte er seinen Arbeits- und Lebensschwerpunkt in die USA. Dort drehte er eine Vielzahl an Genre- und Exploitation-Filmen, häufig über reale Serienkiller wie den Zodiac-Killer oder den "Son of Sam". Die Filme waren meist billig und ohne namhafte Schauspieler produziert, aber stets exzentrisch-eigenwillig im Stil. Bei einigen wirkte er auch als Darsteller mit. Insgesamt umfasst Lommels Regie-Filmographie rund 60 Titel.

In Deutschland arbeite Lommel nur noch sehr vereinzelt, etwa bei dem Spielfilm "Daniel, der Zauberer" (2004) und bei dem Dokumentarfilm "Der Goldene Pokal - Die Reise vom 4. Stern", über die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der WM 2014.

Bis zuletzt hatte der unermüdliche Filmemacher mehrere Projekte in Produktion, deren Fertigstellung er leider nicht mehr erleben wird: Am 2. Dezember 2017 starb Ulli Lommel an den Folgen eines Herzinfarkts.

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