Weitere Namen
Maximilian Goldmann (Geburtsname)
Regie, Produzent
Baden bei Wien, Österreich New York City, New York, USA

Biografie

Max Reinhardt (Geburtsname: Maximilian Goldmann) wurde am 9. September 1873 in Baden bei Wien als ältestes von sieben Kindern einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Ungarn geboren. Nach dem Schulabschluss machte er eine Banklehre, zur gleichen Zeit nahm er aber auch Schauspielunterricht, unter anderen bei dem Konservatoriums-Professor Emil Bürde. 1890 debütierte er am "Fürstlich Sulkowsky Privat-Theater" in Wien und nahm den Künstlernamen Reinhardt an. Er erhielt in der Folgezeit Engagements am Rudolfsheimer Volkstheater und 1893 am Stadttheater Salzburg. Der Direktor des Deutschen Theaters, Otto Brahm, holte ihn 1894 nach Berlin.

Seit 1902 arbeitete Reinhardt auch als Theaterregisseur an verschiedenen Bühnen. Außerdem wurde er Theaterleiter und Unternehmer: Im Jahr 1902 erwarb er gemeinsam mit seinem Bruder Edmund das Kabarett "Schall und Rauch"; 1903 folgte das Neue Theater, 1905 das Deutsche Theater, 1906 die Kammerspiele, 1919 das Große Schauspielhaus. Bereits 1911 gründete er mit Edmund den Reinhardt-Bühnen Theaterkonzern. Zwischen 1915 und 1918 leitete er zudem die Volksbühne, 1920 begründete er mit seiner Inszenierung von Hofmannsthals "Jedermann" die Salzburger Festspiele. In Wien erwarb er 1932 das Theater in der Josefstadt und 1928 das Schlosstheater Schönbrunn. Auch für die Ausbildung des Theater-Nachwuchses setzte Reinhardt sich ein. So gründete er 1905 die Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin und 1928 das Max Reinhardt Seminar in Wien.

Max Reinhardts konsequente Abkehr vom naturalistischen Theater des 19. Jahrhunderts führte dazu, dass seine Inszenierungen als revolutionär wahrgenommen wurden. Mit zahlreichen Innovationen wie dem Einsatz von Drehbühnen und ausgefeilten Ausstattungs- und Beleuchtungseffekten mit expressivem Einsatz von Licht und Schatten schuf er eine experimentelle Ästhetik, die auf Opulenz und emotionale Intensität der Darstellung zielte, womit Reinhardt auch einen großen Einfluss auf den Film ausübte. Dieser verdankte ihm auch zahlreiche Darsteller und Regisseure, welche ursprünglich aus seiner Truppe stammten, zum Beispiel Ernst Lubitsch, F.W. Murnau, Wilhelm Dieterle und Emil Jannings.

1910 drehte Reinhardt seinen ersten eigenen Film "Sumurûn", die Adaption einer Theaterpantomime von Friedrich Freska, noch mit statischer Kamera gedreht und von Kritik wie Publikum als Fiasko betrachtet. Reinhardt gründete seine eigene Filmfirma und produzierte 1912 "Das Mirakel" nach einem Bühnenstück von Karl Gustav Vollmöller und seiner eigenen erfolgreichen Theaterinszenierung. Die mittelalterliche Marienlegende um eine wundertätige Statue der Jungfrau Maria (Maria Carmi) und die junge Nonne Mégildis (Florence Winston) wurde nicht wie üblich im Studio, sondern on location verfilmt, mit ungewöhnlichem Aufwand und Massen an Statisten. Die Regie gab Reinhardt zwar nach diversen Disputen an Michel Carré ab, doch mit der Welturaufführung des Films im Covent Garden Opera House, London, feierte der Film internationale Erfolge bei Kritik und Publikum.

1913 unterzeichnete Reinhardt einen Vertrag mit Paul Davidsons Projektions-AG "Union" (PAGU) in Berlin über vier Dramen, letztlich löste Reinhardt seinen Vertrag aber nach nur zwei Filmen, "Die Insel der Seligen" und "Eine venezianische Nacht". "Die Insel der Seligen" (1913) nach einem Drehbuch von Arthur Kahane und von Reinhardt unter Mitwirkung des Malers Paul von Schlippenbach inszeniert, wechselt zwischen Gegenwart und Antike. Die Präsenz mythologischer Wesen wie Nymphen und Faune erzeugt darin eine erotische Atmosphäre und motiviert mehrere Nacktszenen, die allerdings Probleme mit der Zensur provozierten. Das "heitere Flimmerspiel" "Eine Venezianische Nacht", ebenfalls 1913 in Italien und im Studio in Berlin gedreht, basiert auf einer Pantomime von Karl Gustav Vollmöller und zeigt neben Maria Carmi den jungen Alfred Abel in seinem Filmdebüt.

Nachdem der Produzent Adolph Zukor 1920 die PAGU übernommen hatte, arbeitete Max Reinhardt an der Entwicklung verschiedener Projekte, darunter eine Verfilmung des epischen Gedichts "Paradise Lost" von John Milton und ein Film mit Lillian Gish, doch keines wurde realisiert.

1931 mussten infolge der Weltwirtschaftskrise mehrere von Reinhardts Theatern schließen, 1932 gab er die Verwaltung seines Theaterkonzerns ab. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 verlagerte er seine Arbeit stärker nach Österreich und gab Theater-Gastspiele in Frankreich und den USA.

Als Filmregisseur arbeitete er erst 1935 wieder, als er in Hollywood seinen einzigen Tonfilm drehte: Nach einer sehr erfolgreichen Open-Air Darbietung von Shakespeares "A Midsummer Night's Dream" ("Ein Sommernachtstraum") in der Hollywood Bowl bot Warner Bros. ihm einen Vertrag über drei Filme an, der erste sollte eine Verfilmung des Stücks werden. Die Regie führte Reinhardt gemeinsam mit seinem Schüler Wilhelm (William) Dieterle, Erich Wolfgang Korngold arrangierte die Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Warner sorgte für eine Starbesetzung mit James Cagney, Olivia de Havilland, Mickey Rooney und Dick Powell. Trotz dieser Talente und einem nahezu unbegrenzten Budget wurden die Erwartungen nicht erfüllt, und "A Midsummer Night's Dream" blieb der erste und auch letzte Film von Max Reinhardt für Warner Bros sowie sein einziger Tonfilm.

1937 emigrierte Reinhardt mit seiner Frau, der Schauspielerin Helene Thimig, endgültig in die USA. In Hollywood eröffnete er die Schauspielschule "Max Reinhardt Workshop for Stage, Screen and Radio", an dem er und Helene Thimig bis 1941 und ihrem Umzug nach New York auch selbst unterrichteten. 1940 erhielt Reinhardt die amerikanische Staatsbürgerschaft. An seine europäischen Erfolge konnte er in den USA nicht anschließen.

Am 31. Oktober 1943 starb Max Reinhardt in New York City.

 

Autorin: Aida Suarez Trabanco

Dieser Text wurde im Rahmen des Masterstudiengangs "Filmkultur - Archivierung, Programmierung, Präsentation" erstellt, der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum gemeinsam angeboten wird.

 

FILMOGRAFIE

1958
  • Regie
1912/1913
  • Regie
  • Produzent
1910
  • Regie