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Vier junge Leute träumen vom einfachen Leben. Mitten in Berlin ziehen sie sich in eine idyllische Villa mit Garten zurück, in der sie sich selbst versorgen und einen alternativen Lebensstil führen wollen. Aber dann will eine skrupellose Großbauunternehmerin die Villa abreißen, um dort eine moderne Wohnanlage zu bauen. Der dynamische Ingenieur Conrad Kolberg, der einmal mit der Großbauunternehmerin liiert war, und wie er erst jetzt erfährt, der Vater eines der Mädchen aus der Villa ist, schlägt sich auf die Seite der jungen Leute und baut die Villa zu einem mit allem technischen Schnickschnack ausgestatteten Musterhaus um. Nun ist die Villa gerettet, aber die Idylle für die jungen Leute verloren. Sie ziehen aufs Land, wie sie erst verspätet feststellen in die Nähe eines Atomkraftwerks.
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g.paulig
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Auf dieses Idyll hat es der Kapitalismus abgesehen in Person der Architektin und Unternehmerin Sybille Schacht-Blessmann. Sie will mit rüden Methoden ihr Vorhaben durchsetzen, aus dem sanierten Areal ein ökologisches und dabei pflegeleichtes Vorzeigeobjekt zu machen für weitere von ihr geplante Bauherrenmodelle als Abschreibungsobjekte betuchter Steuersparer. Da juristische Mittel wie eine Räumungsklage zu viel Zeit – und damit sehr viel Geld – kosten, greift sie mit ihren Leuten zur Selbsthilfe: Sie stürmen die Villa, sperren Jakobine ein und zertrümmern alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Einschließlich der Anlagen im Keller zum Betrieb des einstigen Pools, sodass das Öko-Becken austrocknet.
Retter in der Not ist Conrad Kolberg, als Chefingenieur der neuen Betonhochburg ICC (Internationales Congress Centrum) frisch nach Berlin gezogen. Das alternative Quartett hat den 50-jährigen Vater Jakobines im Fernsehen entdeckt und hängt sich nun an ihn. Mit Erfolg, zu dem freilich auch besagte Ziege beigetragen hat – die vierbeinige. Conrad haut bei der zweibeinigen Ziege Sybille, seiner „Ex“, zwar mächtig auf den Putz, räumt in Villa und Garten aber ebenso heftig auf, sodass am Ende kein Stein mehr auf dem anderen steht. Nun sorgen Sonnenkollektoren auf dem Dach für Wärme im Haus, eine Erdheizung für solche im Keller und im Pool. Kein grüner Zweig ist mehr zu sehen, als Kolberg die Gäste der Eröffnungsparty empfängt.
Während Sybille nun begüterten Abschreibungsspezialisten wie Ärzten und anderen Selbständigen die Vorzeige-Villa anpreisen kann, ziehen die jungen Leute, die sich solchermaßen haben übertölpeln lassen, auf einen verfallenen Bauernhof nach Westdeutschland weiter. Hier können die Ziege und die Hühner wieder frei laufen, Esther kann sich ganz ihren Pflanzen widmen und Julius wird sich schon wieder einen Job suchen. Doch auch die neuerliche Idylle trügt: Unweit des Anwesens ragen die Schornsteine eines Kernkraftwerkes in den Himmel. Derweil nisten sich Conrad und Sybille, nicht nur ökonomisch wieder vereint, in der neuen Villa, einem Traum in Weiß, ein…
„Das Traumhaus“ ist ein Spielfilm mit Augenzwinkern, der (West-) Berliner Bauskandale ebenso aufs Korn nimmt wie die Gentrifizierung der noch geteilten Stadt, die erst nach dem Fall der Mauer so richtig in Gang gekommen ist. Insofern ist Ulrich Schamonis letzter Kinofilm, der einen Tag vor dem Kinostart am 4. September 1980 in Köln (Standort des Koproduzenten WDR) uraufgeführt und am 12. September 1982 in der ARD erstausgestrahlt worden ist, geradezu prophetisch.
Drehort war Schamonis eigene Grunewald-Villa, die der Regisseur zuvor über zwei Jahre entsprechend Wolfgang Menges Drehbuch verkommen ließ, was bei den Nachbarn für Sorgenfalten auf der Stirn sorgte. Die Leute, berichtete Schamoni anlässlich der TV-Erstausstrahlung, hatten Angst, ihr Garten könnte durch den Dschungel infiziert werden – ganz abgesehen von der befürchteten Wertminderung ihrer Grundstücke durch die Verschandelung der vornehmen Gegend. Nach dem Rückbau des Hauses beruhigten sich die Nachbarn schnell wieder und sollen vereinzelt sogar nach dem Verbleib des Hahns gefragt haben, der ihnen während der Dreharbeiten die Nachtruhe erheblich verkürzte.
Pitt Herrmann