Biografie
Wolfgang Richter wurde am 1. Februar 1947 in Kronberg im Taunus geboren. Während seines Architekturstudiums entdeckte er seine Leidenschaft für den Film und engagierte sich ab Ende der 1960er Jahre im Studentischen Filmkreis der TU Darmstadt – gemeinsam mit seinem Kommilitonen Hannes Karnick, woraus sich eine jahrzehntelange Zusammenarbeit entwickelte.
Ab 1968 drehte das Duo eigene Kurz-Dokumentarfilme. Für den 14-minütigen "Frank Mills" (1969) wurden sie mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Formale Innovationsfreude zeigten sie bei "Nur gemeinsam sind wir stark" (1971), für den sie Standfotos von spontanen Streiks in einem Darmstädter Chemiewerk mit Zeitungsausschnitten und Tonbandinterviews montierten, mittels Tricktechnik verfremdeten und mit Arbeitskampf-Parolen anreicherten. Mit diesem Film erhielten sie 1971 ihr erste Einladung zum Internationalen Leipziger Festival für Dokumentarfilm in der DDR.
1972 gründeten Richter und Karnick in Darmstadt die Produktionsfirma docfilm. Zu dieser Zeit wurde auch das ZDF auf die beiden jungen Dokumentarfilmer aufmerksam und konnte sie trotz anfänglicher Skepsis für das Team der neuen, innovativen und politisch ambitionierten Jugendsendung "direkt!" gewinnen. Bis 1978 realisierten Karnick und Richter dort rund 50 Beiträge.
Vor allem aber drehte das Duo zahlreiche Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen, die häufig auch auf internationalen Festivals liefen. In vielen Filmen befassten sie sich weiterhin mit arbeits- und gesellschaftspolitischen Themen, so etwa bei "Lehrlinge zusammenhalten" (1974) oder "Ich bin Jugendvertreter" (1979). Für den 54-minütigen "Grüße aus Neckarsulm" (1975), über gewerkschaftlichen Arbeitskampf, wurden sie bei den Oberhausener Kurzfilmtagen mit dem Hauptpreis der Jury ausgezeichnet; der 35-minütige "Du sollst dich nie vor einem lebenden Menschen bücken! - Willi Bleicher" (1978), ein Portrait des Gewerkschaftsführers und ehemaligen KZ-Häftlings Willi Bleicher, erhielt den Preis der deutschen Filmkritik für den Besten Kurzfilm.
Zusammen mit Gerhard Büttenbender drehte Richter "Die heile Welt und ihre Märchenhelden" (1973) über Harald Reinl, den Regisseur zahlreicher Edgar Wallace- und Karl May-Verfilmungen. In "...sonst würde das Kino sterben - Drei junge deutsche Filmproduzenten" (1979) porträtierten Richter und Karnick die damals noch wenig bekannten Bernd Eichinger, Regina Ziegler und Eberhard Junkersdorf.
Die größten Publikumserfolge von Richter und Karnick waren "Martin Niemöller: 'Was würde Jesus dazu sagen?'" (1985), über das widersprüchliche Leben des ehemaligen Evangelischen Kirchenpräsidenten von Hessen-Nassau, und "Radio Star" (1994), über die kulturpolitische Geschichte des amerikanischen Soldatensenders AFN.
Bereits 2005 griffen Richter und Karnick ein Thema auf, das später weltweite Relevanz erhielt, in dem Film "Klimawandel oder Klimakatastrophe?". In ihrem letzten gemeinsamen Film "Wenn Ärzte töten - Über Wahn und Ethik in der Medizin" (2009) beschrieb der Psychiater Robert Jay Lifton, wie Ärzte – zum Beispiel in der NS-Zeit – unter entsprechenden Rahmenbedingungen zu Mördern werden können. Danach brachte Müller als Produzent noch Stefan Ruzowitzkys Dokumentarfilm "Das radikal Böse" (2013) auf den Weg, der auf formal innovative Weise der Frage nachgeht, wie während der NS-Zeit aus gewöhnlichen jungen Männern Massenmörder werden konnten.
Neben seiner Arbeit als Filmemacher gehörte Wolfgang Richter zu den Gründungsmitgliedern der AG DOK, des Film- und Kinobüros Hessen und des Freundeskreises des Deutschen Filmmuseums Frankfurt (heute: DFF - Deutsches Filminstitut und Filmmuseum).
Wolfgang Richter starb am 4. September 2025 im Alter von 78 Jahren.