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Viktor ist Mitte 40, sportlich, höflich, unscheinbar – auf den ersten Blick ein ganz und gar durchschnittlicher Typ. Tatsächlich aber ist Viktor ein eiskalter Profikiller, einer der Besten seines Fachs. Dann aber unterläuft ihm ein unerwarteter Fehler: Er verliebt sich, in Nina, die schlafend im Bett seines letzten Opfers liegt. Er verfolgt sie, lernt sie kennen und durchbricht damit zum ersten Mal die Einsamkeit seiner Existenz. Doch das Liebesglück hat auch seine Kehrseite – denn plötzlich beginnt der alte Profi Viktor, in seinem Job Fehler zu machen. Schon bald hat ein Profiler der Polizei seine Fährte aufgenommen.
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Seit den späten 1980er Jahren, seit Dominik Graf („Die Katze“, „Die Sieger“) das Genre des „film noir“ fast im Alleingang bestritt, gab es nur wenige Versuche etwa eines Romuald Karmakar, den Genrefilm in deutschen Landen heimisch zu machen. Ausgerechnet der deutsch-türkische Regisseur Mennan Yapo (eigentlich Mennan Yapicioglu, 1966 in München geboren) hat mit „Lautlos“ wieder einen Thriller in die Kinos gebracht, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient.
Ein Mann lehnt mit einem Glas Whiskey am Geländer eines Balkons und blickt über eine nicht näher kenntlich gemachte Großstadt. Da löst sich eine Gestalt aus dem Dunkel, richtet eine Waffe auf ihn und drückt ab. Das Glas fällt, landet sanft im Blumenkasten, der Mann sackt nach hinten, die Gestalt tritt heran, fängt den Körper rechtzeitig auf und lässt ihn zu Boden gleiten – ohne jedes Geräusch.
Viktor (er kann auch anders: Joachim Król), ein Auftragskiller Mitte 40, hat es wieder einmal geschafft, einen Mann zu töten, der von der Polizei streng bewacht wurde. Doch im Bett des Opfers liegt eine Frau, die nicht zu Viktors Auftrag gehört: Nina, Mitte 30. Als er die Waffe auf sie richtet, wendet sie sich ihm im Schlaf zu und summt ein Kinderlied. Die Melodie durchbricht seine innere Stille. Am nächsten Morgen findet Nina die Leiche auf dem Balkon. Sie wird einem harten polizeilichen Verhör unterzogen, bei dem sie wie paralysiert wirkt. Der „Profiler“ Lang (herausragend: Christian Berkel), der die Ermittlungen leitet, glaubt nicht, dass sie etwas mit dem Mord zu tun hat – und lässt sie gehen.
Viktor folgt ihr heimlich und rettet ihr das Leben, als sich Nina durch den Sprung von einer Brücke das Leben nehmen will. Nun ist diese Frau in sein Leben getreten, und Viktors väterlicher, todkranker Auftraggeber Hinrich fürchtet zu recht, dass er seine eiskalte Besonnenheit verlieren könnte. Und das unmittelbar vor einem letzten Auftrag: Viktor soll einen russischen Politiker umbringen, der sich nur für drei Tage in der Stadt aufhält...
Mit „Lautlos“ wagt der Sympathieträger des deutschen Films, Joachim Król, einen Imagewechsel und erweitert sein Repertoire um die Rolle eines Serienmörders, der bereit ist, für seine Liebe alles aufs Spiel zu setzen: Viktor möchte das Land verlassen und mit Nina ein neues Leben anfangen. „Ich wollte, dass Joachim Król ein völlig neues Körperbewusstsein entwickelt“, so Regisseur Yapo, „und dadurch ein ganz anderer Mensch wird. Er sollte sich seine Rolle über den Körper erarbeiten, nicht über das übliche Spielen und Verstellen. Darum habe ich ihn schon bei unserem ersten Treffen im Mai 2.000 darauf eingestimmt, dass er hart trainiert und abspeckt, dass er seine gesamte Haltung und seine Sprache verändert. Und Joachim Król fand das eine großartige Herausforderung.“
So präsentierten sich bei der NRW-Premiere am 29. April 2004 in der Essener „Lichtburg“ vor großer Revierprominenz neben dem Regisseur Mennan Yapo und seinem Hauptdarsteller auch die Trainerin und die Physiotherapeutin des Herners. Joachim Król: „Der Killer verlangte von mir eine ganz andere Physis, eine völlig neue körperliche Präsenz. Ich finde es reizvoll, neue Aufgaben zu suchen. Darum bin ich nach vier Kommissar-Auftritten in Venedig aus der Brunetti-Serie ausgestiegen, um Zeit für ‚Lautlos’ zu haben. Es war eine Entscheidung für ein Wagnis und gegen eine Form von Routine, in der ich mich sicher noch weitere fünf bis sechs Jahre hätte treiben lassen können. Aber danach hätte ich wohl auch ausgesehen wie ein gelangweilter Kommissar.“
„Lautlos“, ist am 22. April 2004 im Berlin uraufgeführt worden, startete am 29. April 2004 in den Kinos und kam zunächst am 4. November 2005 bei Premiere auf den Bildschirm, bis das ZDF am 15. Januar 2007 für die Free-TV-Premiere sorgte. Für Regisseur Mennan Yapo gabs 2005 zwei Festival-Auszeichnungen: den Sonderpreis der Jury des Festival du Film Policier im französischen Cognac und den Platin Award des World Film Fest in Houston/Texas in der Kategorie „Bester Independentfilm – Spannung/Thriller“.
Pitt Herrmann