Braut in Schwarz

Deutschland 2001/2002 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Dorfidyll im Brandenburgischen. Eine junge Frau sammelt Wildblumen. Schnitt. Ein junger Mann, der ein Schwarzweiß-Foto dieser Frau in den Händen hält, blickt durch die Gitterstäbe seiner Gefängniszelle auf den blauen Himmel. Arndt Weinert, der Sohn der Bürgermeisterin, sitzt nach Raubüberfällen auf Tankstellen noch zu DDR-Zeit ein. Jedoch konnte weder der zweite Täter ermittelt noch die Beute gefunden werden. Schnitt. Die junge Frau heißt Maja Pufahl und zieht ihr Hochzeitskleid an. Sie wird gleich in der kleinen Liebower Kirche René Grabow das Ja-Wort geben, obwohl sie Arndt geschworen hatte, auf ihn zu warten.

Schon läuten die Kirchenglocken, sodass sich Horst Krause sputet – und dennoch erst zum Tausch der Ringe eintrifft. Der Polizeihauptmeister, der später im Gasthaus „Zur Linde“ des Brautvaters Pufahl die Mitternachts-Rede halten soll, ist auf der das ganze Dorf vereinenden Feier als Schlichter gefragt, nachdem der gerade aus der Haft entlassene Arndt die am Tresen zapfende Schwester der Braut, Nele Pufahl, fragt: „Wo ist Maja?“ Und sogleich auf den Bräutigam losgeht, mit dem ihn offenbar mehr verbindet als nur die Liebe zur Braut. Maja ist plötzlich verschwunden, als Krause sie als Glücksfee für die Tombola benötigt.

Eine Explosion in einem leerstehenden Gebäude, dem ehemaligen Kindergarten, erschüttert den Ort. Am anderen Morgen macht das Team um die Kriminaltechnikerin Tamara einen grausigen Fund: Eine verkohlte Leiche. Der aufgefundene Ehering lässt keinen Zweifel: Der Tote ist René Grabow. Was die wieder aufgetauchte Maja mit geringerer Bestürzung aufnimmt als ihr Vater, der sogleich den „Gangster“ Arndt als Täter verdächtigt, und ihr Schwiegervater Kurt Grabow. „Mein Sohn ist kein Brandstifter“: Nur die Bürgermeisterin Thea Weinert und Nele Pufahl halten dagegen.

Mit der neuen Kriminalhauptkommissarin Johanna Herz, die von Krause partout nicht „Chefin“ genannt werden will, ist eine hier aufgewachsene Ermittlerin zurückgekehrt, die sich über die Dimension des auf 150 Hektar am Seeufer geplanten Freizeitparks „Happiness“ des aus dem Westen gekommenen Investors Heiner Lesch wundert. Und darüber, dass dieser mit der Bürgermeisterin liiert ist, welche ihrem Sohn verschwiegen hat, dass seine große Liebe Maja nun den Sohn des Ko-Investors Grabow heiratet, der sich mit viel Geld eine Surfschule als Teil des geplanten Großprojektes aufgebaut hat.

Als Leonie Herz, die Tochter der Kommissarin, nach einem offenbar rechtsradikalen Anschlag auf eine Gärtnerei ihren Praktikumsplatz verliert, besorgt ihr der Lebensgefährte ihrer Mutter, Robert Beck, einen neuen in derselben Branche. Johanna Herz aber ist hellhörig geworden: Galt der Brandanschlag vielleicht der Immobilie, die auf einer Liste der Potsdamer Landesregierung für künftige Asylbewerber-Unterkünfte steht? Andererseits grenzt das Grundstück des früheren Kinderheims unmittelbar an das Freizeitpark-Areal.

Der Kommissarin, die von Anfang an nicht an ein Eifersuchtsdrama glaubte, sticht ins Auge, dass weder die Beute noch der zweite Täter der Tankstellen-Überfälle ermittelt werden konnte. Sie vermutet, dass René der Gesuchte ist und mit der in Euro umgetauschten Beute, die noch aus Mark der DDR bestand, seine Surfschule finanziert hat. Und liegt damit völlig richtig, zumal ihr Nele Pufahl die leere Blechdose präsentiert, in der einst die Beute versteckt war – im nun abgebrannten Kindergarten-Gebäude. Arndt, der sich in einer abgelegenen Fischerhütte versteckt, bestreitet jedoch seiner Mutter gegenüber, die Brandstiftung begangen zu haben. Er wird von Grabow und Pufall, die ihn für den Mörder halten, in eine aufgelassene Fahrzeughalle entführt mit dem Ziel, ihn zu ertränken. In allerletzter Minute bekennt sich die Bürgermeisterin zur Tat: „Ausländer in Liebow sind unser Ruin.“

Der so späte wie wendungsreiche Nachwende-Krimi ist vor allem in Wildenbruch, einem Ortsteil der Gemeinde Michendorf südlich von Potsdam, gedreht und am 21. Juli 2002 in der ARD erstausgestrahlt worden. Genau drei Wochen vorher, am 30. Juni 2002, war in der ARD die vierte und leider letzte „Polizeiruf 110“-Folge mit der vergleichsweise grazilen Jutta Hoffmann als so unspektakulär-selbstverständlich agierende Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum an der Seite des bulligen Urgesteins Horst Krause ausgestrahlt worden: „Wandas letzter Gang“ von Stefan Kolditz (Buch) und Bernd Böhlich (Regie) war ein spektakulärer Abgang für eine der profiliertesten Schauspielerinnen der Defa und der Ost-Berliner Bühnen (Gorki-Theater und Berliner Ensemble).

Der West-Berliner „Schaubühnen“-Star Imogen Kogge hat nun die Nachfolge übernommen an der Seite Horst Krauses – in einem sehr realistischen und, aus heutiger Sicht, gar prophetischen politischen Fall des Genre-Spezialisten Bodo Fürneisen. In dem Fassbinder-Star Eva Mattes, die in der „Tatort“-Krimireihe der ARD die Konstanzer Kommissarin Eva Blum verkörpert, eine Brandstifterin spielt, die so unwissentlich auch zur Mörderin geworden ist.

Der 1950 in Ost-Berlin geborene Bodo Fürneisen absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Lehre als Schriftsetzer, bevor er von 1973 bis 1977 Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg studierte. Nach zwei Jahren als Regieassistent in Adlershof wurde er bis 1991 Regisseur beim Fernsehen der DDR, vor allem für Kinderfilme, aber auch Literaturverfilmungen und Krimis u.a. für die TV-Serie „Der Staatsanwalt hat das Wort“. Nach der Wende hat er hauptsächlich Serien-Krimis („Polizeiruf 110“, „Tatort“, „Die Kommissarin“, „Wolffs Revier“) inszeniert.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Drehbuch

Szenenbild

Kostüme

Darsteller

Produzent

Aufnahmeleitung

Länge:
87 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 21.07.2002, ARD

Titel

  • Originaltitel (DE) Braut in Schwarz
  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110

Fassungen

Original

Länge:
87 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 21.07.2002, ARD