Inhalt
1943 auf dem Transport nach Auschwitz gibt es für griechische Juden einen Aufenthalt in einer von deutschen Truppen besetzten bulgarischen Stadt. Ruth, eine der Gefangenen, bittet einen deutschen Unteroffizier, einen früheren Kunststudenten, um Hilfe für eine niederkommende Mitgefangene. Er hilft so gut er kann und verliebt sich in Ruth. In dieser veränderten Situation beginnt er über seine Funktion, über militärische Pflichterfüllung und eigenverantwortliches Handeln nachzudenken und gerät in Konflikt mit seinem Vorgesetzten. Er kann sich auch nicht dazu durchringen, bulgarischen Widerstandskämpfern zu helfen, will nur Ruth vor dem Transport nach Auschwitz retten, was ihm nicht gelingt. Erst da ist er bereit, wirklich Widerstand zu leisten.
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„Jetzt ist das Zeitalter des allgemeinen Idiotismus hereingebrochen“: Nicht, dass dieser durch den Krieg zum Nihilisten gewordene Intellektuelle sonderliche Sympathie für Partisanen hegte, die aus dem Hinterhalt agieren und der Wehrmacht so manche Probleme bereiten. Doch Walter sieht schon längst keinen Sinn mehr im Weltenbrand und hilft, etwa mit Medikamenten, wo es ihm möglich erscheint. Auch jetzt, als viele hundert Juden aus Griechenland nach einem langen Fußmarsch hier einen dreitägigen Zwischenaufenthalt haben, bevor sie auf dem Schienenweg weiter gen Osten fahren: „Der Mensch muss manchmal etwas tun, um sich zu beweisen, dass er kein Schwein ist.“
Von Stacheldrahtzaun umgeben sind sie in einem für ihre Anzahl viel zu kleinen Schulgebäude eingepfercht. Eine alte Jüdin versucht eine junge Frau zu beruhigen, die unmittelbar vor der Geburt ihres Kindes steht. Walter wird von Ruth, die sich unermüdlich um Kinder wie um Greise kümmert, um Hilfe für die Mitgefangene, bei der bereits die Wehen eingesetzt haben, gebeten. Obwohl er zunächst brüsk ablehnt auch im Bewusstsein des weiteren Schicksals dieser Menschen, besorgt er – mit Erlaubnis seines Vorgesetzten Kurt – einen Arzt.
Walter, in seiner Einheit als „Rembrandt“ belächelt, seit ihn der ihm alles andere als wohl gesonnene Hauptmann abschätzend so genannt hat, erkennt in der einstigen Lehrerin Ruth eine Seelenverwandte, mit der er sich austauschen kann. Beide verlieben sich ineinander und in dem Deutschen reift der Plan, die griechische Jüdin mit Hilfe der Bulgaren zu retten. Deren Anführer Bai Petko, der beinahe täglich mit Gleichgesinnten konspirativ beim Schmied zusammenhockt, bereits eine heimische jüdische Gastfamilie als vorübergehenden Unterschlupf gewinnen konnte.
Als der junge Blashe beim Medikamentenschmuggel im Hinterland gefasst und vom mit den Deutschen kooperierenden bulgarischen Polizeichef verhört wird, muss auch Walter auf dem Amt erscheinen. Doch der offenbar gefolterte Blashe hat ihn nicht verraten. Dafür entpuppt sich Kurt, der Gemüts- und Genussmensch, der schon 'mal Fünfe gerade sein und seinem Freund Walter nicht nur Spanferkelbraten zukommen lässt, als Zyniker. Der in Folge der Verhaftung Blashes das Lager auf Medikamente hin durchsucht und gefundene Chininröhrchen auf dem Appellplatz demonstrativ selbst zertritt.
Mehr noch: im Bewusstsein, dass Walter einiges aufs Spiel setzen wird, um Ruth zu retten, nennt er diesem eine falsche Abfahrtzeit des Transportzuges. Walter kann nur noch den Rücklichtern des letzten Waggons hinterherlaufen – und einen abgerissenen Judenstern aus dem Schlamm ziehen. „Hab dich belogen. So ist es besser“ hat Kurt ein Ruth-Porträt überpinselt und demonstrativ mitten ins Zimmer gestellt.
Im Vorfeld der Koproduktion hatte es einige Irritationen bei beiden Partnern gegeben. Während die Deutschen, die gerade noch Konrad Wolfs „Sonnensucher“ verboten hatten, einen antifaschistischen Film wollten und kein sentimentales Melodram noch dazu mit einer Jüdin als zweiter Hauptrolle, fürchteten die Bulgaren nichts so sehr wie das Rütteln am Tabu der Kollaboration mit den Besatzern. Alle Bedenken waren wie weggeblasen, als es noch 1959 drei internationale Auszeichnungen gab: den Sonderpreis der Jury des XII. Int. Filmfestival Cannes, eine Anerkennungsurkunde beim Int. Filmfestival Edinburgh sowie die Goldmedaille beim Filmfestival der VII. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Wien.
Pitt Herrmann