Wir sind jung. Wir sind stark.

Deutschland 2013/2014 Spielfilm

Inhalt

Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992, drei Jahre nach der Wende. Die Tristesse in den verödeten Wohnsiedlungen verstärkt die Frustration der Jugendlichen, die wie die Clique um Stefan, Sohn eines Lokalpolitikers, keine Perspektive haben und hauptsächlich herumhängen. Sie streifen durch die Nacht, grundlose Randale gegen Polizei und Ausländer ist zum Normalzustand geworden. Liebe und Freundschaft sind in diesem System austauschbar. Auch die Vietnamesin Lien lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in der Siedlung, im "Sonnenblumenhaus", wo noch zahlreiche weitere Familien ehemaliger Vertragsarbeiter aus Vietnam wohnen.

Am 24. August 1992 finden die beiden parallelen Erzählstränge des Films zusammen: Es kommt zu Krawallen vor dem Sonnenblumenhaus, das mit Molotov-Cocktails in Brand gesetzt wird, während eine Menschenmenge tatenlos dabei zusieht, wie Lien mit ihrer Familie um ihr Leben kämpft.

 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
In einer verödeten Wohnsiedlung hängen Jugendliche ab inmitten von Müll, einem ausgebrannten Trabi und den Überresten der Proteste in der Nacht zuvor. Sie wissen nichts mit sich anzufangen, also steht „Bullen klatschen“ auf der Agenda. Neben dem Zoff gegen die nur „Schlitzis“ genannten Vietnamesen, Überbleibsel der mit der DDR untergegangenen Solidarität mit dem einst gegen die Amerikaner kämpfenden Brudervolk, und die jetzt neu hinzugekommenen Sinti und Roma.

Auch Stefan (Jonas Nay), der Sohn eines SPD-Lokalpolitikers (Devid Striesow), der wie seine Genossen aus Angst vor der CDU-Opposition kuscht anstatt beherzt einzugreifen gegen die von Rechtsradikalen aufgestachelten Randalierer oder wenigstens gegen diesen Mob Partei zu ergreifen, streift mit seiner Clique ziellos durch die Gegend. Stefan ist kein Neonazi, sieht in seinem Vater und den regierenden Genossen, darunter dem Ober-Strippenzieher Jürgen (Axel Pape), die sich lieber zur Grillfete mit den Spitzen der Landespartei treffen als vor Ort in Lichtenhagen Flagge zu zeigen, aber auch kein Vorbild: Demokratie ist für ihn nur ein Schlagwort - wie vor der Wende Sozialismus…

Ohne alle Schwarzweißmalerei, sondern mit Feingefühl und Sensibilität folgt Burhan Qurbani in „Wir sind jung. Wir sind stark.“ dem schmalen Grat zwischen Verlust von Identität und der daraus resultierenden Flucht in eine Ideologie, die vermeintlich eine Perspektive verspricht. Mutig zeichnet der Regisseur das Bild einer verlorenen Generation und das moralische Versagen der Gesellschaft, sich um die Menschen zu kümmern.

Und vor allem: Qurbani erzählt diese sehr authentische, zunächst in Schwarz-Weiß gedrehte Geschichte aus der Sicht der Jugendlichen. Bei denen es nur ein kleiner Schritt vom „Oi“-Gebrüll der Neonazis zum vertrauten „Kleinen Trompeter“ der Jungen Pioniere oder gar der „Internationale“ ist: Sie sind auf der Suche, flüchten sich in Gemeinschaftsrituale, nähern sich in zarter erster Liebe an – wie Stefan und Jennie („Ich brauche keinen Traum, ich brauche Sicherheit“): „Total frei sein heißt total allein sein.“

Regisseur und Ko-Autor Qurbani hat für den gut zweistündigen Film ein starkes, geschlossenes Schauspielerteam vor der Kamera Yoshi Heimraths versammelt, was sicherlich auch zu den Preisen bei den 48. Internationalen Hofer Filmtagen 2014 (Bestes Kostüm- und Szenenbild), beim 9. Festival Internationale del Film di Roma 2014 (Bester Schnitt und Bester ausländischer Film) sowie beim 28. Braunschweig International Filmfestival 2014 (deutsch-französischer Jugendpreis „Kinema“) beigetragen hat.

Nach „Shahada“, seinem Diplomfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg, der im Wettbewerb der Berlinale 2010 lief und beim Chicago International Film Festival mit einem Golden Hugo ausgezeichnet wurde, ist „Wir sind jung. Wir sind stark“ der zweite Spielfilm von Burhan Qurbani, der 1980 in Erkelenz als Sohn afghanischer Eltern geboren wurde. Seine Kurz-Dokumentation „Krieger ohne Feind“ wurde 2011 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie 2. Stab

Regie-Assistenz

Continuity

Kamera-Assistenz

Steadicam

Visuelle Effekte

Standfotos

Licht

Szenenbild

Ausstattung

Außenrequisite

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Ton-Design

Ton-Assistenz

Mischung

Casting

Darsteller

Produktionsfirma

Producer

Produktionsleitung

Produktions-Koordination

Post-Production

Dreharbeiten

    • 23.04.2013 - 07.06.2013: Halle, Berlin, Graal-Müritz
Länge:
128 min
Format:
DCP, 1:2,39
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 27.08.2014, 146739, ab 12 Jahre/feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (IT): Oktober 2014, Rom, Film Festival;
Erstaufführung (DE): 21.10.2014, Hof, Internationale Filmtage;
Kinostart (DE): 22.01.2015

Titel

  • Originaltitel (DE) Wir sind jung. Wir sind stark.
  • Weiterer Titel We Are Young. We Are Strong.

Fassungen

Original

Länge:
128 min
Format:
DCP, 1:2,39
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 27.08.2014, 146739, ab 12 Jahre/feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (IT): Oktober 2014, Rom, Film Festival;
Erstaufführung (DE): 21.10.2014, Hof, Internationale Filmtage;
Kinostart (DE): 22.01.2015

Auszeichnungen

Bayerischer Filmpreis 2016
  • Pierrot, Bestes Drehbuch
Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke 2015
  • Nachwuchspreis
Deutscher Filmpreis 2015
  • Lola, Beste männliche Nebenrolle
Deutscher Schauspielerpreis 2015
  • Bester Schauspieler, Hauptrolle
Filmfestival Braunschweig 2014
  • KINEMA, Deutsch-Französischer Jugendpreis
Filmtage Hof 2014
  • Bild-Kunst Förderpreis, Bestes Szenenbild
  • Bild-Kunst Förderpreis, Bestes Kostümbild
FBW 2014
  • Prädikat: besonders wertvoll
IFF Rom 2014
  • Sorriso diverso Roma, Bester ausländischen Film
  • Bester Schnitt
  • The Signis Award, Ente dello Spettacolo