Spelunke

Deutschland 1928 Spielfilm

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Falk Schwarz
Das weiße Kätzchen
Er wäre es gerne los, das alte Leben, das ihm wie ein Klotz am Bein hängt: der Sträfling (Igo Sym), der nun aus dem Zuchthaus ausbricht, wo er für eine Tat saß, die er nicht begangen hatte. Jetzt will er nur noch eins: arbeiten, bürgerlich werden - und lieben. Denn er lernt die "schwarze Else" kennen (Cory Bell, bürgerlich: Margarethe Bauer), die ihn mit großen Augen schmachtend und zugleich furchtsam anschaut. Ein ehemaliger Zuchthäusler? Wird er ihr Gewalt antun? Er ist auf der Flucht in eine Rumpelkammer geraten, die neben der Wohnung von Else liegt. Als sie sich auszieht, bemerkt sie, wie eine Hand durch die brüchige Tapete fährt und nach einer Dose Milch angelt. Vorsichtig geht sie nach nebenan und was sieht sie? Der Ex-Zuchthäusler hat die Milch in eine Ziegelscherbe gegossen, aus der eine junge weiße Katze sie aufschleckt. Da weiß Else: der Mann ist sanft und gut (so sieht Igo Sym auch sowieso aus). - Emos dritter Film, gedreht in Berlin, konsequent expressionistisch. Der ungarische Kameramann Lázló Schäffer versteht sich auf Details: es kommen Schuhe die Treppe herauf, die Spannung steigt und erst in der Totale sehen wir, wer es ist. Schon in der ersten dunklen Szene vor dem Zuchthaus wird mit scharfen Kontrasten ausgeleuchtet. Wenn das Leben in der "Spelunke", dieser düsteren Kneipe, tobt und eine züchtig bekleidete Frau auf dem Tisch tanzt, werden in feinem Chiaruscuro Gesichter abgebildet: der böse dumme Schlosserfranz (Paul Samson-Körner), sein bärtiger Kumpel Paul (Paul Rehkopf), der schicke und wendige Emil (Siegfried Arno). Auch hier beweist Emo schon, was er kann: der Mord an Garreis wird nur angedeutet, nicht gezeigt. Die Schauspieler agieren mit großer Freiheit; es lässt sich ahnen, dass der Regisseur zuerst auf ihre Talente schaute, bevor er korrigierend eingriff. Geschickt auch die Übergänge: schaut der Schlosserfranz auf seine Taschenuhr, ist es dann der Garreis, der seine Taschenuhr herauszieht. Zum Schluß stehen sich Igo und Cory gegenüber, nur getrennt durch die Gitterstäbe der Zelle. Und liebevoll legen sich ihre Finger aufeinander und umschlingen das Gitter. Das ist das Besondere am Stummfilm: es wird filmisch mit großer Symbolkraft in Bildern erzählt, denn keine Sprache lenkt ab. So hat dieser 30jährige Regisseur mit der "Spelunke" eine bemerkenswerte Talentprobe abgeliefert. Dem Bundesarchiv sei Dank, diesen Film bewahrt zu haben.

Credits

Regie

Darsteller

Alle Credits

Regie

Bauten

Darsteller

Produktionsleitung

Prüfung/Zensur:

Prüfung: 21.12.1928

Aufführung:

Uraufführung: 02.01.1928

Titel

  • Originaltitel (DE) Spelunke

Fassungen

Original

Prüfung/Zensur:

Prüfung: 21.12.1928

Aufführung:

Uraufführung: 02.01.1928