Siberia

Italien Deutschland Mexiko Großbritannien Griechenland 2019/2020 Spielfilm

Inhalt

Ein Mann flieht vor der Welt in eine andere, fremde, kalte. Es braucht Felle und Feuer zum Wärmen, eine Höhle als Behausung. Er ist ein gebrochener Mensch, will allein sein. Doch auch die Isolation bringt keinen inneren Frieden. Wieder geht er auf Reisen, diesmal ins Ich. Er erforscht seine Träume, konfrontiert sich mit Erinnerungen, (be)sucht seine Visionen. Die wenigen Begegnungen mit anderen Menschen finden in Sprachen statt, die er nicht spricht, und bringen ihn in Kontakt mit Körpern, die ihn faszinieren, und mit Liebesarten, die er ausprobiert und verliert. Seine Reise wird zum Tanz mit Dämonen, aber immer wieder blitzt es auf: Licht. In der Kinogeschichte gab es viele Versuche, das Mythische als Intimes, das Radikale als Persönliches zu erzählen. So wild-anarchistisch, metaphysisch-geheimnisvoll, gottbesessen und wahrheitsfanatisch ist aber nur einer: Abel Ferrara, hier in Zusammenarbeit mit seinem schauspielerischen Alter Ego Willem Dafoe. War sein letzter Film "Tommaso" dem Arrangement des Begehrens innerhalb familiärer Strukturen gewidmet, so entledigt sich im Montage-Furor von "Siberia" das Ich (ja, Mann) allen Alltags. Um sich zu entblößen und zu finden.

Quelle: 70. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

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Heinz17herne
Heinz17herne
Dunkle Waldeinsamkeit und grelles Wüstenlicht, heulender Wind und ohrenbetäubende Explosionen, düster-dräuendes Donnergrollen und bukolisches Licht über dem in einer Höhle gelegenen See begleiten die horriblen Alpträume und apokalyptischen Obsessionen des Protagonisten, der am Ende zu seiner Hütte zurückkehrt und vor dem Nichts steht. Die Metapher eines im Kochtopf sprechenden, aber unverständlich bleibenden Fisches steht nach 92 nicht durchgängig spannenden Minuten für die unbeantwortet gebliebene Frage: Wer bin ich?

„Siberia“ ist nach „Tommaso und der Tanz der Geister“ (2019) bereits der zweite Film des preisgekrönten US-Regisseurs Abel Ferrara mit Willem Dafoe. In beiden Filmen, die sich aufeinander beziehen, ist der 65-jährige US-Schauspieler als Alter Ego seines vier Jahre älteren Landsmannes besetzt: Zunächst als alternder, von seinen Dämonen verfolgter Regisseur, der mit seinem neuen, offenbar autobiographischen Film, nicht vorankommt. Und nun als Clint, Protagonist dieses Films. Dafoe übernimmt zugleich auch die Rollen des Bruders und des Vaters von Clint, was neben überraschenden Schauplatzwechseln und rasanten Schnitten zu einer erheblichen Irritation der Zuschauer führt.

Beide Streifen sollten ursprünglich binnen kurzer Zeit in unsere Kinos kommen. Während „Tommaso“ es noch zu Jahresbeginn 2020 schaffte, konnte die bildmächtige, vor allem in Südtirol gedrehte Odyssee coronabedingt erst am 2. Juli 2020 bundesweit starten. Abel Ferrara im Presseheft über „Siberia“: „Verrückte, fremdartige Bilder, weder urban noch modern. Ich habe dem einfach freien Lauf gelassen. Dieser Ort, diese Art Jack-London-Welt, mit Hunden, mit gewissen Begegnungen, die sich ergeben, mit gewissen Stationen auf einer Reise, die durch diese total unterschiedlichen Orte und Zeiten geprägt sind. Nicht um ein perfektes Drehbuch zu schreiben, sondern um Bilder zu sammeln und die Erinnerung anzuzapfen, um Möglichkeiten zu schaffen, um unser Denken herauszufordern, um eine Erfahrung zu erschaffen und aufzuzeichnen, die hoffentlich wichtig genug ist, um beim Publikum Widerhall zu finden.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Script

Kameraführung

Farbkorrektur

Art Director

Szenenbild

Maske

Ton-Design

Musik

Darsteller

Produktionsfirma

Line Producer

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Dreharbeiten

    • 01.03.2019 - 13.04.2019
Länge:
91 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 12.03.2020, 198310, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 24.02.2020, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 02.07.2020

Titel

  • Originaltitel (DE) Siberia

Fassungen

Original

Länge:
91 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 12.03.2020, 198310, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 24.02.2020, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 02.07.2020