Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Musik
Darsteller
- Hebamme Emma
- Sesha
- Peter
- Doris
- Richterin
- Ursel
- Dr. Scherer
- Dr. Will
- Staatsanwalt Dr. Bauer
- Kurt
Produktionsfirma
Produzent
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Ton
Musik
Darsteller
- Hebamme Emma
- Sesha
- Peter
- Doris
- Richterin
- Ursel
- Dr. Scherer
- Dr. Will
- Staatsanwalt Dr. Bauer
- Kurt
Produktionsfirma
in Co-Produktion mit
Produzent
Redaktion
Produktionsleitung
Dreharbeiten
- 09.04.2015 - 11.05.2015: Berlin
Länge:
89 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:
Aufführung (DE): 05.11.2015, Biberach, Filmfest;
TV-Erstsendung (DE): 30.11.2015, ZDF
Titel
- Originaltitel (DE) Nacht der Angst
- Arbeitstitel Nachtfrauen
Fassungen
Original
Länge:
89 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:
Aufführung (DE): 05.11.2015, Biberach, Filmfest;
TV-Erstsendung (DE): 30.11.2015, ZDF
Auszeichnungen
Bayerischer Fernsehpreis 2016
- Blauer Panther, Fernsehfilme / Serien und Reihen, Beste Schauspielerin
Filmfest Biberach 2015
- Publikumsbiber
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Aber Sesha schweigt. Aus Angst vor der Zukunft. Denn nach schlimmen Erfahrungen bei der Klinikgeburt ihres ersten Kindes ist sie zur Entbindung des zweiten bewusst in das von Emma vor 17 Jahren gegründete Geburtshaus gegangen. Seitdem verbindet die beiden Frauen eine starke Zuneigung, die von Seshas gutsituiertem Ehemann Peter und dessen Mutter Doris mit Skepsis beobachtet wird. Als Sesha Zwillinge erwartet, ist für die beiden klar, dass nur eine Klinik in Frage kommt. Doch nachdem der Professor allein mit Peter über ihren Kopf hinweg den Termin zur Einleitung einer vorzeitigen Geburt vereinbart hat, steht für Sesha fest, dass auch diese Kinder im privaten Geburtshaus das Licht der Welt erblicken sollen.
Da Emma aufgrund der hohen Risiken einer Zwillingsgeburt dieses Ansinnen immer wieder vehement ablehnt, stellt Sesha sie vor vollendete Tatsachen und erscheint unvermittelt mit starken Wehen im Geburtshaus. Emma, die ihre erfahrene Assistentin Ursel aus dem Bett klingelt statt gleich den Notarztwagen anzufordern, bekommt die Komplikationen der Querlage nach der raschen Geburt des ersten Zwillings nicht in den Griff. Nach einem Not-Kaiserschnitt in der Klinik steht fest, dass das zweite Neugeborene durch den Sauerstoffmangel geschädigt ist – ein Leben lang.
Ein halbes Jahr später muss sich Emma vor Gericht mit der Anklage auseinandersetzen, sie habe sich bewusst und aus rein finanziellen Gründen über das Verbot von außerklinischen Zwillingsgeburten hinweggesetzt. Negative Entwicklungen wie die Erhöhung der Haftpflicht-Versicherung um satte 23 Prozent auf nunmehr 6.200 Euro jährlich, die bei einem Stundenlohn von 8,50 Euro nicht aufzufangen ist, weshalb zahlreiche freiberufliche Hebammen bereits ihren Job an den Nagel gehängt und in die Altenpflege gewechselt sind, stützen die Argumentation der Anklage. Die Sesha mit einem beherzten Wort zu Fall bringen könnte. Doch sie verweigert bis zu den Schlussplädoyers der Anklage und Emmas Verbandsanwältin Dr. Will die Aussage: Ihr viertes Kind wird ein Pflegefall bleiben, sie ist auf das Wohlwollen von Gatte und Schwiegermutter angewiesen. Ein Freispruch durch die Richterin (Adriana Altaras) ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten, vielmehr Berufsverbot und Schadenersatz in Millionenhöhe...
„Überzeugt haben mich die Themen wie: Warum haben Frauen Angst vor der Entbindung? Wie traumatisierend kann ein ungeplanter ärztlicher Eingriff bei einer Geburt sein? Und wieso zweifeln so viele Frauen an ihrer Fähigkeit zu gebären?“, so das damalige Bochumer Schauspielhaus-Ensemblemitglied Friederike Becht im ZDF-Presseheft. „Außerdem finde ich den Beruf der Hebamme mehr als schützenswert und die prekäre Lage dieses Berufsstandes sollte nicht nur in diesem Film besprochen werden.“
Gabriela Zerhau ist mit „Nacht der Angst“ ein bewegender Film geglückt, der als nachgerade klassisches Gerichtsdrama daherkommt. Zwischen die Verhandlungen vor den Schranken der Justitia, verkörpert von der Berliner Bühnen-Doyenne Adriana Altaras als verständnisvolle, aber auch äußerst konsequente Richterin, wird in Rückblicken die Entwicklung bis hin zur Katastrophe gezeigt. Und dabei auch nicht das durchaus problematische Umfeld Emmas ausgespart, weder das familiäre (Kai Scheve als Ehemann Kurt Hartl) noch das berufliche (Karolina Lodyga als junge, kritische Mitarbeiterin im Geburtshaus).
Dass kein Melodram in Hollywood-Manier daraus geworden ist, liegt vor allem an einer einmal mehr überragenden Nina Kunzendorf. Ihre Emma ist bei aller persönlichen Betroffenheit und der ihrer Empathie geschuldeten Risikobereitschaft keine Fanatikerin wie zahlreiche junge Unterstützer im Gerichtssaal, die von „Hexenprozess“ sprechen. Sondern eine nüchterne, auch in prekären Situationen sachlich abwägende, bisweilen allzu herbe Frau, die ihren Beruf als Berufung empfindet, ohne die Augen vor den Risiken zu verschließen.
Pitt Herrmann