Kaliber Deluxe

Österreich Deutschland 1999/2000 Spielfilm

Inhalt

Der alternde Ganove Novak beauftragt ein brutales Gaunertrio, ein Wettbüro zu überfallen – wobei sie jedoch nicht nur die Kasse des Ladens mitgehen lassen, sondern auch den prall gefüllten Geldkoffer des Gangsterbosses Honcek. Nun ist nicht nur die Polizei hinter ihnen her, sondern auch die Killer des rachsüchtigen Honcek. Auf ihrer Flucht verstecken die drei sich in einem abgelegenen Ferienhaus, wo sich der Lebenskünstler Dean gerade von einer Liebesnacht mit der schönen Romy erholt. In der angespannten Atmosphäre aus Misstrauen, Angst und Intrige versucht der clevere Dean, die Eindringlinge gegeneinander auszuspielen.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Thomas Roth („Der See“) ist mit seinem Leinwanddebüt „Kaliber Deluxe“ ein geradezu klassischer Genrefilm gelungen, was ihm sogleich Kritikerschelte eingebracht hat: zu glatt, zu perfekt. Was auf weite Passagen dieses hochspannenden, aufregenden, grausame Bilder der Gewaltausübung geradezu opulent einsetzenden Streifens keineswegs zutrifft, der überdies mit einer tollen Besetzung punkten kann, auch wenn für die Klischeerollen nur wieder die üblichen Verdächtigen gefunden wurden. „Kaliber Deluxe“ wird aus der Perspektive des jungen Dean Bender erzählt, der ungewollt, wenn auch nicht ohne eigenes Zutun, im Dunstkreis Wiens in einen Bandenkrieg verwickelt wird und die verschlungene, aber stringente Handlung als Material zu seinem Erstlingsroman verwendet.

Dieser Dean Bender ist ein rechter Sunnyboy. Er verdingt sich als „Verwalter“ einer wunderschön gelegenen Ferienhaus-Siedlung am Semmering, um Zeit für seine schriftstellerischen Ambitionen zu haben. Naturgemäß sehr zum Verdruss seines Chefs (spießiger Kleinbürger mit Pepita-Hut: Peter Matic), Inhaber von Ballards Ferienparadies. Denn für körperliche Tätigkeit scheint Dean nur in einem speziellen Sinn geeignet zu sein – für One-Night-Stands mit attraktiven jungen Frauen in gerade freien Ferienwohnungen. Als er 'mal wieder nach einer solchen Nachtschicht – mit der hübschen französischen Philosophiestudentin Romy, die noch eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen wird – völlig verschlafen und ebenso verspätet seinen Dienst antreten will, findet er seine Lagerstatt von Gangstern umgeben, deren Boss Ed Novak am Vortag die Wohnung gemietet hatte – als Ruhequartier nach einem Wettbüro-Überfall.

So exakt Ed, ein an den Rollstuhl gefesselter Trafikant in Wien, den Coup mit seiner vierköpfigen Gang Alex, Rochus, Toby und Chris auch geplant hat – der Überfall geht in die Hose. Weil er dem „Paten“ der Donaumetropole in die Quere kommt, dem Autohändler Paul Honcek. Der ist dick drin im Wettgeschäft auf der Galopprennbahn Freudenau, weil er die Favoriten auszuschalten weiß mit kleinen Attacken auf die Pferde oder ihre Pfleger. So kann er ruhigen Gewissens eine Millionensumme auf einen klaren Außenseiter setzen. Doch als er gerade mit besagtem Einsatz im Wettbüro anlangt, wird dieses durch Eds Gang gestürmt. Die ballert sich, unter den Augen amerikanischer Touristen, die sich im Wiener Stadtrundfahrtbus wie in Chicago fühlen, den Weg frei – bis auf Rochus, der mit Honceks Koffer allein das Weite suchen muss.

Ed Novak gegen Honcek – das kann nicht gut gehen. Ist es schon in der Vergangenheit nicht: Ed sitzt im Rollstuhl, weil er einst Honceks Geld unterschlagen hatte und von dessen Leuten, zu denen auch das damalige Bochumer Schauspielhaus-Ensemblemitglied Marquard Bohm gehört, von einer Brücke gestürzt wurde. So muss sich Dean, der über den Balkon und das Dach entkommen ist, ein neues Quartier suchen und findet es in einem Verschlag im Obergeschoss des gleichen Ferienhauses. Wo er alles mitbekommt, was zu ebener Erde abläuft. Dean notiert sich Namen, Anschriften und Rufnummern und beginnt mit einem mörderischen Spiel: Übers Handy sät er Unfrieden in den Gangs, nutzt die Rivalität der Gangster untereinander und sorgt schließlich für einen blutigen finalen Showdown der Bosse Honcek und Nowak...

„Kaliber Deluxe“ ist abgefahrenes Austria-Genrekino im besten Sinne, also in der Tradition von „Indien“ und „Hinterholz Nummer 8“, mit tollen Landschaftsaufnahmen, ungewöhnlichen Perspektiven, Ganz-Nah-Einstellungen und explosiv-suggestiver, subjektiver Kamera. Dazu ein spezieller österreichischer Humor, der den brutal-realistischen Szenen die Spitze nimmt. Die TV-Erstausstrahlung war am 3. Oktober 2002 im ORF, ein deutscher Sendetermin ist mir nicht bekannt.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 01.01.1999 - 31.03.1999: Wien
Länge:
104 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby
Aufführung:

Kinostart (DE): 02.03.2000

Titel

  • Originaltitel (AT DE) Kaliber Deluxe
  • Weiterer Titel (ENG) Bloody Weekend

Fassungen

Original

Länge:
104 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby
Aufführung:

Kinostart (DE): 02.03.2000