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Frau Winkler ist 80 Jahre alt, schwer krank und lebt allein, da ihre Tochter Emi kaum Zeit für sie hat. Als Emi ein Theaterengagement annimmt und sich dadurch nicht mehr um ihre Mutter kümmern kann, fehlt das Geld für ein Pflegeheim oder häusliche Betreuung. Stattdessen wird ein Pflegeroboter namens Pawlowitsch angeschafft. Zunächst begegnet Frau Winkler dem Roboter mit Skepsis, doch nach und nach entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Pawlowitsch unterstützt sie im Alltag, leistet Gesellschaft und weckt mit seinem Wissen über klassische Theaterstücke neues Interesse und Lebenswillen.
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Wir schreiben das Jahr 2030 und Jutta Winkler (nun Angela Winkler) ist alt und gebrechlich geworden. „Wer bin ich, wenn mir keiner zuschaut? Was soll das alles noch?“ fragt die Achtzigjährige resigniert ihr Spiegelbild. Sie ist seit längerem alkoholabhängig und bekommt vom Service-Roboter im Café, der routinemäßig bei der Bestellung ihre Krankenversicherungskarte scannt, nichts Hochprozentiges, sodass der hilfsbereite Gast am Nebentisch einspringen muss. Jutta Winkler hat sich bisher ganz auf ihre Tochter Emi, die als Schauspielerin in ihre Fußstapfen getreten ist, und Enkelin Billie verlassen können.
Doch Emi, die bisher vor allem angehende Mediziner im Hörsaal „bespielt“ hat, tritt nun ein Engagement am Theater Lübeck an – als Olga in „Drei Schwestern“ unter der Regie der technikfeindlichen Anne Apfel. Da ihre Mutter nicht mehr ohne fremde Hilfe in ihrer geräumigen Hamburger Villa leben kann, wird ein humanoider Pflegeroboter engagiert. Der allerdings, wie die Pflegeassistentin Selma offen bekundet, Frau Winklers sich stetig verschlechternden Vitalwerte an ein auf Effizienz bedachtes Gesundheitssystem übermitteln wird und auf EOL, den End-of-Life-Modus, programmiert ist: Selbstbestimmtes Sterben sei schließlich auch volkswirtschaftlich vorteilhaft.
Jutta Winkler fühlt sich gedemütigt und wehrt sich zunächst vehement gegen die maschinelle Zuwendung. Doch dann offenbart der Roboter ungeahntes literarisches Wissen, kann sogar „Drei Schwestern“ rezitieren und Frau Winkler blüht geradezu auf: Sie legt dem nun, nach Anton Tschechows zweitem Vornamen, Pawlowitsch genannten Roboter den Bademantel ihres Gatten Bruno um die Schultern und Selma verspricht: „Ihr Leben wird endlich wieder so, wie es ‘mal war.“ Was eher untertrieben ist, denn Pawlowitsch kennt Jutta Winkler besser als sie selbst und jeder andere Mensch.
Dafür muss er erst noch lernen, zum Frühstück ein Spiegelei zu braten – eine der ungemein witzigen Szenen eines Films, der ganz nebenbei auch Theater als Therapie anpreist. Die depressive Selma blüht in Jutta Winklers Gegenwart geradezu auf und soll nun in einer Privataufführung – und später auf der Terrasse der Nachbarin Siebrecht, deren Sohn in Mexiko lebt und die sich bisher nicht aus dem Haus traute – die Irina, die Jüngste der „Drei Schwestern“, spielen: „Ich fühle mich, als hätt‘ ich gar nicht so recht gelebt.“ Das ist einfach großartig gemacht – und grandios gespielt. EOL ist kein Thema mehr – und nun verlassen die benachbarten plötzlich wieder jung gewordenen alten Schachteln ihre Häuser…
Der österreichische Schauspieler, Tänzer und Musical-Allrounder Josef Ellers übernimmt mit dem bisweilen an Urban Street Dance erinnernden kantigen Roboter und dem im Bayern-Urlaub an einem Aneurysma verstorbenen Bruno gleich zwei höchst unterschiedliche Rollen und unterstreicht damit eine Vielseitigkeit, die auch der überragenden Laura Tonke eigen ist, die nicht nur die permanent geforderte Emi Winkler verkörpert, sondern auch die junge Jutta Winkler, welche allerdings mit der Stimme der schier alterslosen 82-jährigen Angela Winkler spricht.
Die 108-minütige bittersüße, zutiefst berührende Tragikomödie über Fürsorge, Verlust, und menschliche Widerstandskraft in einer zunehmend technisierten Welt ist eine beglückende Verbeugung vor der Schauspielkunst der Titelheldin: „Angela Winkler ist für mich ein echtes Wunder. Es war einfach umwerfend, mit ihr zu arbeiten. Wir hatten bei den Dreharbeiten eine wunderbare Zeit. Über die Rolle haben wir gar nicht so viel geredet: Sie hat genau verstanden, was ich erzählen wollte. Wir hatten vollkommenes Vertrauen ineinander. Für sie war alles vollkommen selbstverständlich. Ich musste sie nur hin und wieder daran erinnern, dass Frau Winkler im Film nicht mehr so einfach durch die Gegend springen kann, wie sie selbst es im wirklichen Leben zum Glück immer noch tut“, so Doris Dörrie im Wild Bunch-Presseheft.
Pitt Herrmann