Die Könige der Nutzholzgewinnung

Deutschland 2005/2006 Spielfilm

Inhalt

Der sympathische Verlierertyp Krischan kehrt in sein kleines Heimatdorf Tanne im Ostharz zurück, um die Einwohner mit einer außergewöhnlichen Aktion aus ihrer Lethargie und Hoffnungslosigkeit zu befreien: In Tanne soll ein großer Holzfällerwettbewerb stattfinden. Zunächst stößt Krischan mit dieser Idee auf wenig Interesse. Doch mit Witz und Charme gelingt es ihm schließlich, seine alten Arbeiterfreunde für die Sache zu gewinnen – und plötzlich scheint der ganze Ort zu neuem Leben zu erwachen...

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Und? Was läuft hier so im Wald?“ Nach zwölf Jahren kehrt der ehemalige Waldarbeiter Krischan in sein altes Waldarbeiterdorf Tanne im Ostharz zurück. Als sei nichts gewesen, damals, mit unschuldigem Blick und nach wie vor bezwingendem Charme will er ausgerechnet dort einen Holzfällerwettbewerb auf die Beine stellen. Kurz nach der Wende war Krischan geradezu aus Tanne geflohen – in den Westen, um in Kanada Karriere zu machen. Geflohen vor dem Berg Schulden, den er durch seine verrückten Geschäftsideen („Tiefkühlbroiler“) aufgehäuft und mit denen er dann seine beiden besten Freunde zurückgelassen hatte. Ronnie und Bert sind immer noch dabei, ihre Raten abzustottern.

Geflohen aber auch vor der Liebe zu Ellen, der das Großmaul damals nicht gewachsen war. Kein Wunder also, dass Ronnie, Bert und die anderen nicht gerade in Freudentränen ausbrechen, als Krischan beim Eberwirt auftaucht und sogleich seine „Ex“, die nunmehrige Verlobte des Forstmeisters, in sein Wohnmobil einlädt – naturgemäß ohne deren pummeligen Sohn.

Das Dorf Tanne hat wie die benachbarten Ortschaften mit so sprechenden Namen wie „Elend“ und „Sorge“ von der Fortwirtschaft gelebt, mit der nach der Wiedervereinigung allerdings kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist: Arbeitslosigkeit gebiert Hoffnungslosigkeit. Auch bei Ronnie, der mächtig zugelegt hat – an Bauchweite und Kinderfülle. Seine patente Gattin Jeanette drängt den zunehmend psychisch und physisch verlotternden Hausmann unablässig, Arbeiten auch unterhalb seiner Würde als Holzfäller anzunehmen. Vergeblich – was ihn schließlich auch den Respekt seiner fünf Kinder kostet.

Auch Bert, der noch bei seiner krebskranken Mutter, die er pflegt, wohnt, ist arbeitslos und hofft auf den gleitenden Übergang in die Frühverrentung. Seit er beim Zapfenpflücken vom Baum gefallen ist, hat er Höhenangst. Doch seine Forderung, deshalb berufsunfähig geschrieben zu werden, stößt beim Arbeitsamt auf taube Ohren. Freilich kann ihm der „Berater“ ohnehin kein Jobangebot unterbreiten und wäre daher mit Berts „Lösung“ durchaus einverstanden: „Ein Rentner mehr ist ein Arbeitsloser weniger in der Statistik“. Wie Ronnie und Bert hängen die meisten Männer in Tanne resigniert ab, allein die Frauen packen das Leben unverdrossen-lebensmutig an, wenn auch nicht ohne eine gehörige Portion Sarkasmus. Selbst der Bürgermeister hat alle Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, ja überhaupt auf irgendeine Zukunft, aufgegeben und beginnt, das Dorfinventar zu verscherbeln.

„Wenn wir wollen, können wir den Harz aus den Angeln heben“: Erst mit einer Notlüge Krischans beginnt sich alles zu ändern. Er behauptet, Tanne mit einem internationalen Holzfällerwettbewerb nach kanadischem Vorbild aus der Misere führen zu können. Bei der 1. Harzer Waldmeisterschaft soll es um Sägen, Hacken und Klettern gehen, also um so etwas wie eine Nutzholz-Olympiade. Was dann auch das Selbstwertgefühl aller Beteiligten stärken dürfte – und damit wäre dem Ort vielleicht am besten geholfen.

In Wirklichkeit will Krischan vor allem sich selbst sanieren. Und hat doch bald noch einen – weit besseren – Grund mehr, sich voll ins Zeug zu legen: Krischan erfährt, dass er der Vater von Ellens Sohn Peter ist, und dass sich der Zwölfjährige nach seinem Vater sehnt. So nimmt Krischan die Herausforderung an, nicht nur Ronnie und Bert, sondern das ganze Dorf für den Wettbewerb zu begeistern. Und so ganz nebenbei in die Vaterrolle zu schlüpfen. Das Stadion von Tanne wird, auch unter tatkräftiger Hilfe der zunächst mehr als skeptischen Frauen, renoviert, während Krischan und Peter bei den Arbeitsämtern der Region fleißig Kandidaten einwerben. Und dabei keine Mühe haben, denn erstens sind nur Arbeitslose zum Wettkampf zugelassen und zweitens winkt ein stattliches Preisgeld.

Aber das steht nur auf dem Papier, weshalb die drei wiedervereinten Freunde gemeinsam das Training im Baumfällen, Brettersägen und Zapfenernten aufnehmen, um als „Lumber Kings“ selbst am Wettkampf teilzunehmen – und diesen auch zu gewinnen, um das Phantom-Geld selbst einzustreichen. Und dann bricht eine Katastrophe aus, die alle Mühen zunichte macht: Kurz vor dem Großereignis, inzwischen auch ein überregional-mediales, brennt das beinahe fertiggestellte Stadion ab...

Mit „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ ist Matthias Keilich eine großartig-charmante, zu Herzen gehende Komödie gelungen, die, gerade in Bezug auf die exakte Milieuschilderung, die pointierten Dialoge und das flotte Erzähltempo, ganz in der Tradition der britischen „Social Comedies“ steht und dennoch, etwa gegenüber Mark Hermans „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten“, eigene Akzente setzt. Keilich, 1965 in Calw geboren, weiß, wovon in seinem Leinwanddebüt die Rede ist: Mit den Holzfällern im Schwarzwald ist er seit frühen Kindertagen vertraut.

Bereits Keilichs Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie dffb, „Nicht Fisch, nicht Fleisch“, sorgte für Anerkennung bei vielen internationalen Festivals und wurde für den „First Steps Award“ nominiert. Überzeugend auch ein zweiter Leinwand-Debütant, Bjarne Ingmar Mädel, bekannt als verhuschter Versicherungssachbearbeiter Ernie aus der TV-Comedyserie „Stromberg“: Ein durch und durch sympathischer Loser, der als Großmaul eine Bruchlandung hinlegte und als liebevoller Vater wieder auf die Beine kommt.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Optische Spezialeffekte

Außenrequisite

Innenrequisite

Schnitt

Ton-Design

Ton-Assistenz

Geräusche

Casting

Musik

Musik-Beratung

Darsteller

Produzent

Redaktion

Produktionsleitung

Produktions-Koordination

Dreharbeiten

    • 01.09.2005 - 12.10.2005: Tanne und Umgebung (Ostharz)
Länge:
94 min
Format:
Super16mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SR
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 24.08.2006, 107187, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 09.06.2006, Norderney, Filmfest Emden-Aurich-Norderney;
Kinostart (DE): 24.08.2006;
TV-Erstsendung (DE FR): 11.12.2007, Arte

Titel

  • Originaltitel (DE) Die Könige der Nutzholzgewinnung

Fassungen

Original

Länge:
94 min
Format:
Super16mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SR
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 24.08.2006, 107187, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 09.06.2006, Norderney, Filmfest Emden-Aurich-Norderney;
Kinostart (DE): 24.08.2006;
TV-Erstsendung (DE FR): 11.12.2007, Arte