Dead Man Working

Deutschland 2015/2016 TV-Spielfilm

Inhalt

Zwischen den Hochhäusern der Bankenwelt von "Mainhattan" steht er und lächelt. Er hat ihn geschafft, den Deal seines Lebens, in dem es um ungezählte Millionen ging. Wovon alle BWL-Studenten träumen, das ist hier Realität geworden: als Top-Investmentbanker ist Jochen Walther der Held des Tages. Alle feiern ihn. Sein Assistent bemerkt nur, dass sein Idol so wenig mitfeiern will. Und dann springt er vom Dach der Bankzentrale in die Schluchten zwischen den Hochhäusern von Frankfurt am Main. Warum das? Warum hat dieser Jochen Walther (Wolfram Koch) sich das Leben genommen, das doch so außerordentlich erfolgreich verlief? Der Selbstmord wird zum Skandal, die "Bank der Deutschen" steht im Zwielicht, denn die Witwe denkt gar nicht daran, den Mund zu halten, im Gegenteil, die Bank sei der Mörder, sagt sie in die Fernsehkameras. Assistent Tom (Benjamin Lillie) versucht, die Wahrheit zu ergründen.

Ein spannender Thriller entwickelt sich daraus, von dem man schwer sagen kann, ob er ein Psycho- oder ein Politthriller ist. Der Regisseur Marc Bauder hat sozusagen die Spielfilmvariante seines Dokumentarfilms "Master of the Universe" vorgelegt. Hier wie dort geht es um das, was das moderne Bankensystem mit den Menschen anrichtet, die es buchstäblich in seinen Büroräumen verheizt. Wer ist also krank?, fragt Marc Bauder. Ist es der Mensch, der sich umbringt oder ist es das System, das ihn zerstört? Während Assistent und Witwe noch nach der Wahrheit suchen und der Vorstand sie mit jedem Mittel vermeiden will – haben wir schon verstanden, was ihn ermordet hat.

Quelle: 12. Festival des deutschen Films 2016

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Frankfurt, Bankfurt, Krankfurt: Ein junger Mann, offenbar ganz mit sich im Reinen, wird im Herzen der mächtigsten Privatbank der Republik verhaftet und vor laufenden Kameras abgeführt. Das Medieninteresse ist enorm, galt der nun mit Handschellen Gefesselte doch als so eine Art Kronprinz des Hauses. Schnitt. In der VIP-Lounge des Rhein-Main-Flughafens begegnen wir dem jungen Mann wieder. Der an der Seite eines Älteren leicht nervös wirkt, denn offenbar sind beide Passagiere bereits mehrfach zum Boarding aufgerufen worden. Es steht ein wichtiger, vielleicht gar entscheidender Geschäftstermin an, den Flug dürfen beide keinesfalls verpassen. Und dennoch reizt der Ältere seinen Promi-Bonus bis fünf nach Zwölf aus – in der Gewissheit, als Premium-Stammkunde jede Extrawurst gebraten zu bekommen...

Zwischen den Wolkenkratzern des Bankenviertels von „Mainhattan“ steht ein Mann und lächelt: Jochen Walther hat den Deal seines Lebens geschafft. Und ist dafür zum „Investment Banker of the Year“ gewählt worden. Wovon alle Betriebswirtschafts-Studenten – wie der junge Mann an seiner Seite in der Eingangsszene - träumen, ist für ihn Realität geworden: das Geschäft um ungezählte Millionen. Als Top-Investmentbanker ist Jochen Walther der Held des Tages. Alle feiern ihn. Und keiner bemerkt, dass er eigentlich gar nicht mitfeiert.

Dabei ist der hochrangige Finanzjongleur auf dem Höhepunkt seiner Karriere bei der „Bank der Deutschen“ angekommen. Mehr geht nicht, nachdem der abgezockte Taktierer zusammen mit seinem jungen Assistenten Tom Slezak gerade in London einen Vertrag mit dem arabischen Emirat Qatar unter Dach und Fach gebracht und damit der Konkurrenz weltweit weggeschnappt hat.

Der Vorstandsvorsitzende Wilfried von Bensen hatte, unterstützt von der psychologisch geschulten Direktrice Sonnebach, dem Pokerface Jochen Walther, der für diesen Mega-Deal sogar die Diplom-Verleihung seines Sohnes Sascha verpasst hat, alle Vollmachten erteilt, jetzt knallen in der Bankzentrale die Champagnerkorken. Nur einer zieht sich früh von der rauschenden Siegesfeier zurück: ein träumerisch in sich versunkener, wie abwesend wirkender Held. Der über Skype seinem Sohn gratuliert und dann mit dem Fahrstuhl ins oberste Stockwerk fährt, um von dort aufs Dach des Hochhauses zu steigen.

Schnitt. Börres Weiffenbachs Kamera zeigt aus der Vogelperspektive besagten Daches, wie die Überreste Jochen Walthers eingesargt werden. Für Tom wie für alle anderen ist es völlig überraschend gekommen, dass ihr Held – und sein geradezu väterlicher Mentor - in die Schlucht zwischen die Bankentürme gesprungen ist. War es Selbstmord oder sogar Mord?

Nach acht gleichgelagerten Fällen allein in den beiden letzten Monaten muss man schon so abgebrüht sein wie der PR-Chef Gerold Thattinger, um Vergleiche zwischen Bankern und Lemmingen zu ziehen. Die Börse jedenfalls reagiert nervös, der Aktienkurs beginnt zu fallen. Bei Wilfried von Bensen läuten die Alarmglocken. Der Vorstand weist nicht nur alle Schuld von sich, sondern lässt auf einer Pressekonferenz durchblicken, es könnten private, familiäre Gründe sein, die Walther zu diesem Schritt veranlasst haben.

Was seine Witwe Nora die volle Kaffeetasse auf den weißen Flokati fallen lässt, als sie das Statement des Vorstandsvorsitzenden in den Nachrichten verfolgt. Tags darauf geht sie zum Gegenangriff über und erhebt in einem Fernsehinterview schwere Vorwürfe: Die Bank soll ihren Mann in den Tod getrieben haben. Wer ist hier krank? Das Individuum oder die Organisation? Und wie zerrüttet war die Ehe wirklich? Ein erbitterter Kampf zwischen der Bank und der Witwe entbrennt. Und mitten drin: Assistent Tom. Scheinbar auf der Suche nach der Wahrheit. In Wirklichkeit auf der Suche nach einem neuen Mentor. Der schnell gefunden ist: Wilfried von Bensen überlässt Tom nicht nur Walthers Büroetage, sondern, damit er auf andere Gedanken kommt, auch seine attraktive Assistentin Liljana.

Doch statt sich mit der heißen Braut im noblen „Frankfurter Hof“ einen netten Abend zu machen und diesen mit der Kreditkarte des Chefs zu bezahlen, begibt sich Tom auf die Spuren seines verstorbenen Lehrmeisters – und entdeckt auf dem Dach einen verwaisten Mast: die Überwachungskamera ist entfernt worden. Was hat die Bank zu verbergen? Und warum funktioniert der Keycode von Raimund Falthauser plötzlich nicht mehr, sodass dem Vorstand der Rechtsabteilung der Zutritt zu seinem Büro verwehrt wird?

Tom bekommt heraus, dass sein Arbeitgeber eine über die Summe von 35 Millionen Euro auf Walther abgeschlossene Lebensversicherung kassiert. Was ihn noch stärker auf die Seite Noras schlagen lässt. Nach einem beinahe klassischen Showdown, bei dem er Wilfried von Bensen sogar mit Walthers Gewehr bedroht, setzt sich der Vorstandsvorsitzende mit Tom bei den besten Rippchen der Stadt in einer Studentenkneipe ins Benehmen. Und Letzterer beweist, dass er bei Walther viel gelernt hat: Jetzt ist es an Tom, den Deal seines noch jungen Lebens zu machen. Und dafür die publicityträchtige Szene mit den Handschellen kalt lächelnd in Kauf zu nehmen...

Regie des am 2. November 2016 in der ARD erstausgestrahlten Thrillers führte Marc Bauder, der sich bereits mit seiner mehrfach ausgezeichneten Dokumentation „Der Banker – Master of the Universe“ einen Namen als Finanz-Insider gemacht hat. In beiden vom Hessischen Rundfunk koproduzierten Filmen geht es um das, was das moderne Bankensystem mit den Menschen anrichtet, die es buchstäblich in seinen Büroräumen verheizt. Wer also ist krank? fragt Marc Bauder. Ist es der Mensch, der sich umbringt oder ist es das System, das ihn zerstört?

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Schnitt

Darsteller

Produktionsfirma

Alle Credits

Regie

Schnitt

Darsteller

Produktionsfirma

Dreharbeiten

    • 10.11.2015 - 20.01.2016: Frankfurt am Main
Länge:
90 min
Format:
DCP, 1:2,39
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

Aufführung (DE): 24.06.2016, München, Filmfest

Titel

  • Originaltitel (DE) Dead Man Working

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Format:
DCP, 1:2,39
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

Aufführung (DE): 24.06.2016, München, Filmfest

Auszeichnungen

Deutscher Kamerapreis 2017
  • Deutscher Kamerapreis, Beste Kamera Fernsehfilm
Grimme-Preis 2017
  • Grimme-Preis