Nackt unter Wölfen

Deutschland Tschechien 2014/2015 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Emil soll der noch ungeborene Sohn heißen, beschließt der Zimmermann Hans Pippig – und ist bei der Namensfindung mit seiner hochschwangeren Gattin durchaus nicht einig. Die sommerliche Idylle mit Plattenspieler im Kriegsjahr 1943 ist schlagartig beendet, als Pippig zusammen mit seinem Vater Hans Gottfried beim Flugblattverteilen erwischt und wegen „bolschewistischer Propaganda“ ins KZ Buchenwald verfrachtet wird, wo Letzter eines schnellen Todes stirbt, weil er es wagte, einem SS-Bewacher in die Augen zu blicken. Auch das Konzentrationslager kennt idyllische Momente – außerhalb des elektrisch geladenen Stacheldrahtzaunes, wo Frauen mit Kindern am Bärenzwinger verweilen zu Ufa-Schlagermusik aus den Lautsprechern.

Zwei Jahre später, Frühjahr 1945. Die US-Army überquert bei Koblenz den Rhein, was Philipp Kadelbach in historischem Dokfilm-Material in seinen Spielfilm montiert wie die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau. Zwei Wochen vor der Auflösung Buchenwalds trifft Zacharias Jankowski mit einem Häftlingstransport aus dem Osten ein. In seinem Koffer befindet sich ein vielleicht dreijähriger Junge (Vojta Vomácka), den Hans Pippig und Helmut Krämer in der Effektenkammer der „Kleines Lager“ genannten Quarantänestation verstecken. Was Hauptscharführer Gotthold Zweiling nicht verborgen geblieben ist, der aber so kurz vor Toresschluss – amerikanische B 17 bombardieren gerade Erfurt – vor allem darauf bedacht ist, seine eigene Haut zu retten. Anders der militärische Kopf des Widerstandes, André Höfel, der nicht für das Kind „in den Schornstein“ will. Auch der politische Führer des illegalen Lagerkomitees, Hans Bochow, stellt die Interessen der 50.000 Lagerinsassen über das eines Einzelnen und veranlasst, dass Jankowski zum nächsten Transport nach Bergen-Belsen samt Koffer mit lebendem Inhalt eingeteilt wird. „Was sind wir, dass wir noch nicht ‘mal ein Kind schützen können“: Krämer und Pippig verweigern sich, der Pole bemerkt den Schwindel, bleibt zurück und wird von der Wachmannschaft erschossen.

Ende März 1945. Während die US-Army auf Fulda rückt und nur noch 200 km entfernt ist, bläst SS-Untersturmführer Hermann Reineboth zum Lager-Appell und teilt die Häftlinge u.a. für die Schwerstarbeit im Steinbruch ein. Das Kind, in der Effektenkammer nicht mehr sicher, wird nun unmittelbar in der Seuchenbaracke versteckt. Das war knapp: Zweiling hat kalte Füße bekommen und Meldung gemacht, Reineboths Leute durchkämmen die Kleiderkammer vergeblich. Marian Kropinski, der für den polnischen Knaben übersetzt hat, und Höfel werden in den „Bunker“ gesteckt, wo sie der sadistische Hauptscharführer Mandrill zum Reden foltern soll. Während bereits die Buchenwald-Außenstelle Ohrdruf von der US-Army befreit worden ist, muss August Rose den Mithäftling Kropinski im Folterkeller töten. Hans Pippig versteckt sich mit dem Kind in einen tiefen Brunnenschacht – bis zum Beginn der Evakuierung des Lagers vor den heranrückenden Amerikanern. Tagelang ohne Nahrung erleidet Pippig einen lebensgefährlichen Schwächeanfall, kann den Jungen nicht mehr in der Kloake halten. Beim Ausstieg wird er niedergeschossen, überlebt aber wie der schwersten Folterungen ausgesetzte Höfel: Angesichts der kurz bevorstehenden Befreiung Buchenwalds widersetzt sich Lagerkommandant Alois Schwahl, der seit geraumer Zeit nur noch Feindsender hört, den Anweisungen des SS-Befehlshabers Robert Kluttig („Ich lasse hier keinen lebend zurück“) und lässt die Wachmannschaft abrücken. Am 1. April 1945 kann Helmut Krämer über die Lautsprecher verkünden: „Das Lager ist in unserer Hand“. Und: „Keine Lynchmorde!“ Hermann Reineboth gelingt es, in Häftlingskleidung zu entkommen…

„Nackt unter Wölfen“ ist nach Frank Beyers Defa-Film von 1963 eine weitere – und vor allem ungleich spektakulärere - filmische Neuinterpretation des gleichnamigen Romans von Bruno Apitz aus dem Jahr 1958. Opulent ausgestattet und in Farbe auf Breitbildformat gedreht punktet das um preisgekrönte Spezialeffekte angereicherte einhundertminütige Melodram mit einer stimmigen Besetzung und einer auf Authentizität setzenden Collage aus historischem Dokfilm-Material und melodramatischen Spielfilm-Szenen. Dass im unmittelbaren Vergleich letztlich Frank Beyers Version nachhaltiger wirkt, ist ein rein subjektiver Eindruck.

Drehbuchautor Stefan Kolditz im ARD-Pressetext: „Apitz' Roman fußte auf seinen persönlichen Erlebnissen im KZ Buchenwald, das ein Narrativ der SS war: die Inszenierung des KZs als Verkörperung ihrer absoluten Macht und rassischen Überlegenheit. Dem entgegen stellte Apitz nach seiner Befreiung sein Narrativ: den Roman von der Standfestigkeit und moralischen Überlegenheit der Kommunisten bei der Rettung eines einzelnen Kindes, der zur Mythenbildung der DDR als dem besseren, weil zutiefst antifaschistischen deutschen Staat unter Führung der SED beitrug. Dafür nahm er in seinem Narrativ erhebliche Änderungen an den Umständen und Ereignissen im KZ Buchenwald vor. Mein Narrativ nach Motiven der Neuauflage des Romans ist eine Neuinterpretation, die den Kern des Romans verteidigt und gleichzeitig, 57 Jahre nach seinem ersten Erscheinen, durch eine Vielzahl von Quellen und neuesten Forschungen korrigiert und differenziert. In unserem Film treffen also drei Narrative aufeinander, die eine Grundkonstellation des 20. Jahrhunderts bilden. Damit wird ‚Nackt unter Wölfen‘ (2015) zu einer hochaktuellen unerzählten universellen Geschichte.“

Pitt Herrmann

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Casting

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in co-production with

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Post-production

Shoot

    • 15.04.2014 - 07.06.2014: Tschechien, Thüringen, Berlin
Duration:
105 min
Format:
DCP, 16:9
Video/Audio:
Farbe, Stereo
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 01.04.2015, ARD

Titles

  • Originaltitel (DE) Nackt unter Wölfen
  • Weiterer Titel Naked Among Wolves

Versions

Original

Duration:
105 min
Format:
DCP, 16:9
Video/Audio:
Farbe, Stereo
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 01.04.2015, ARD

Awards

Deutscher Fernsehpreis 2016
  • Bester Fernsehfilm
Deutsche Fernsehakademie 2015
  • Beste Kamera
  • Beste Spezialeffekte
Bayerischer Fernsehpreis 2015
  • Blauer Panther, Fernsehfilme, Beste Regie