Extrawurst

Deutschland 2025 Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Abgehakt und Streusand drüber“: Eigentlich ist es reine Formsache am Ende einer überlangen Jahreshauptversammlung des TC Lengenheide, in der es bisher um die geplante und völlig unstrittige Grundsanierung des Vereinsheims gegangen ist. Dass Heribert Bräsemann (Paraderolle für Hape Kerkeling), der seit 25 Jahren stets einstimmig gewählte Vorsitzende des Tennisclubs vor den Toren Kölns, seinem Schwager Peter Lohr den Auftrag zugeschustert hat, führt bei den Clubmitgliedern noch nicht einmal zum Achselzucken.

„Im Frieden und im Krieg bringt Einigkeit den Sieg“: Sie sind es gewohnt, dem einerseits zwar jovialen, andererseits aber höchst selbstherrlich regierenden Patriarchen Bräsemann ohne Widerrede zu folgen – etwa bei der einheitlichen Tenniskleidung in Weiß. Seinem sich seit Jahr und Tag übergangenen fühlenden Stellvertreter Matthias Scholz, dem seine ehrgeizige Mutter Elisabeth Scholz im Nacken sitzt, bleibt da nur, nach der ermüdenden Powerpoint-Präsentation der geplanten Umbaumaßnahmen den Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ aufzurufen. Welcher in der Regel schnell abgehakt ist, weshalb der Koch des Vereinsheims bereits die Platten für den gemütlichen Teil der Versammlung auffahren lässt.

Zur Überraschung aller meldet sich Melanie Pfaff mit einem Vorschlag zu Wort, der allgemeines Stirnrunzeln erzeugt: Die vor noch nicht langer Zeit zusammen mit ihrem Gatten, dem hippen, stets den witzigen Intellektuellen herauskehrende Werbetexter Torsten Pfaff, von Berlin in die rheinische Provinz gekommene aktive Tennisspielerin schlägt vor, zum bereits beschlossenen neuen Super-Gasgrill mit vier Etagen samt Pizza-Stein bis zum nächsten Sommerfest einen zweiten, ruhig einfacheren Holzkohlen-Grill anzuschaffen.

Und zwar für ihren Doppelpartner Erol Oturan, dem einzigen muslimischen Mitglied des Vereins, und dessen Familie: Gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost legen, auf dem zuvor Schweinefleisch gebrutzelt hat. Melanies Wort hat Gewicht, ist sie doch innerhalb kurzer Zeit zu einem sportlichen Aushängeschild des Vereins geworden. Doch der von ihr angesprochene Erol, seit Teenagertagen voll integriertes Vereinsmitglied und überdies deutscher Staatsbürger, will für sich und die Seinen keine Extrawurst gebraten bekommen und daher auch künftig keine Extrawürste grillen.

Während der Platzwart Hans Günther Schnippering die Ballmaschine repariert mit durchaus schmerzhaften Folgen für das eine oder andere Vereinsmitglied, entspannt sich rasch ein turbulenter Schlagabtausch u.a. mit dem bisherigen „Mehrheitsbratwurst“-Lieferanten, Metzgermeister Heinz Gumberger, bei dem die Protokollführerin Anne Ackermeier bald nicht mehr mitkommt. Zumal sich die immer persönlicher geführte Debatte gefährlich zuspitzt und tiefgreifende gesellschaftliche Konflikte offenbart, die auch von Melanies grenzenloser Toleranz und Torstens trockenen verbalen Einwürfen nicht zugekleistert werden können.

Dabei waren die Pfaffs doch vor Hundekacke, Drogenexzessen, Spielplatz-Schlägereien und nerviger Parkplatz-Suche bewusst aus der Hauptstadt tief in den Westen geflüchtet! Bald spielt der zweite Grill für die „Türkenwurst“ gar keine Rolle mehr…

„Extrawurst“ von Dietmar Jacobi und Moritz Netenjakob entwickelte sich nach der Uraufführung am 6. Oktober 2019 am Hamburger Ohnsorg-Theater zum meistgespielten deutschen Stück der Spielzeit 2021/22 auf den Theaterbühnen. Das naturgemäß nur im Vereinslokal des TC Langenheide spielte, während Marcus H. Rosenmüller für seine Leinwand-Adaption mit erweitertem Figurenarsenal das gesamte Vereinsgelände des RTHC (Ruder-Tennis-Hockey-Club) Bayer Leverkusen einschließlich des Clubhaus-Restaurants Rococo zur Verfügung stand. Wobei das Eigenheim des Präsidenten Bräsemann, Ort eines makabren Treppenlift-Unfalls, in Köln gefunden wurde.

Es bleibt bei diesem einzigen Spoiler, um den Spaß an dieser ungemein hintergründig-witzigen, nichts und Niemanden schonenden Komödie nicht zu verderben, die nicht zuletzt der Klasse-Besetzung zu verdanken ist. Die Uraufführung war am 7. Januar 2026 in der Essener Lichtburg.

Pitt Herrmann

Credits

Director of photography

Music

Cast

All Credits

Assistant director

Director of photography

Camera operator

Assistant camera

Steadycam operator

Still photography

Lighting design

Production design

Art director

Set design

Assistant editor

Sound design

Audio mixing

Music

Cast

in co-production with

Unit production manager

Production assistant

Production coordinator

Original distributor

Shoot

    • 14.04.2025 - 28.05.2025: Nordrhein-Westfalen
Duration:
98 min
Format:
DCP
Video/Audio:
Farbe, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 03.12.2025, 275345, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Kinostart (DE): 15.01.2026

Titles

  • Originaltitel (DE) Extrawurst

Versions

Original

Duration:
98 min
Format:
DCP
Video/Audio:
Farbe, Ton
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 03.12.2025, 275345, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Kinostart (DE): 15.01.2026