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Gemeinsam mit 17 anderen Berliner Bauarbeitern drücken Norbert, Silvio und Micha die Schulbank, um Norwegisch zu lernen. Da ihnen der Arbeitsmarkt in Deutschland keine Perspektive bietet, wollen sie in dem skandinavischen Land einen Neuanfang wagen. Die letzten Tage in Deutschland sind geprägt durch turbulente Ereignisse, die die Protagonisten und die Menschen, denen sie begegnen, vor die Entscheidung stellen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist.
Quelle: Filmfestival Max Ophüls Preis 2007
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Mandy, die lebenslustige Freundin Silvios, findet den Entschluss des tatendurstigen Zimmermannes, für einen sicheren Arbeitsplatz wegzugehen, richtig. Womit sie im Kreis der Freundinnen oder gar Ehegatten ziemlich allein dasteht. Will sie ihn etwa loswerden? Als Mandy auch noch einen von ihm kurzfristig arrangierten Hochzeitstermin platzen lässt, ist seine Eifersucht herausgefordert. Er spioniert Mandy, die längst eigene (berufliche) Wege vorbereitet, nach und wird beinahe als Autodieb verhaftet.
Norbert, der Älteste im Kurs, ist ein verzweifelter Optimist, der lieber eine Zwangspfändung von Haus und Auto verschweigt, als zuzugeben, dass er als Meister – und früherer selbständiger Unternehmer – etwas nicht im Griff hat. „Immer nur Lachs und sechs Monate Polarnacht“: Dass seine Frau Karin lieber in Deutschland bleiben möchte, zumal ihr Sohn in zwei Jahren sein Abitur an der Spree und nicht an einem gottverlassenen Fjord bauen möchte, will er nicht wahrhaben.
Und da ist Micha, ein eher introvertiert wirkender Maurer, der ganz pragmatisch schon ab dem ersten Kurstag alles Notwendige fürs Auswandern erledigt. Etwa seinen Hausrat verkauft und sich auch emotional von allem loslöst. Was Micha allerdings nicht weiter schwer fällt: Er war schon einmal verheiratet und sieht das Norwegen-Abenteuer als Ausstiegs-Chance. Bis er auf Ella trifft, die neue Aushilfskraft des bärbeißigen Imbissbudenbesitzers (außen ganz hart und innen ganz weich: tolle Nebenrolle für Hendrik Arnst). Denn die nimmt ihm nicht nur seine alte klapprige Waschmaschine ab.
Was tun, wenn man den Abschiedsschmerz wegspülen will, aber pleite ist? Da machen sich alle gemeinsam mit dem Vorschlaghammer auf die Suche nach einer Flasche Korn, die Micha vor Jahren am Potsdamer Platz eingemauert hat. War es im 17. oder 19. Stock – oder gar im Bürohaus gegenüber? Eine von zahlreichen szenischen Petitessen in „Der Letzte macht das Licht aus!“, zu der auch der ehemalige Chefdramaturg der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Carl Hegemann, beiträgt in einer kleinen Episodenrolle als Hypnotiseur im Raucherentwöhnungskurs.
Die tragikomische Sache mit der neuen Wohnung, die sich Karin heimlich mit dem Geld ihrer Schwester besorgt hat – und die nun ausgerechnet und naturgemäß unwissentlich ihr Gatte Norbert renoviert, „schwarz“ versteht sich, gehört ebenso zu diesen herrlichen Kabinettstückchen wie das Abschiedsständchen für ihre Norwegisch-Lehrerin in deren winziger Wohnung oder die hochnäsige Art von Ella und ihrer ach so intellektuellen Journalisten-Freundin, sich über Micha und seine Proleten-Freunde auszulassen. Um dann doch heilfroh zu sein, endlich mit einem richtigen Kerl im Bett zu landen.
Diese herzerfrischend lustige, groteske und dabei aber auch immer wieder anrührende Komödie (Balkonszene Norbert/Karin) über Männer, die in ihrer Heimat nicht mehr gebraucht werden und Frauen, die damit fertig werden müssen, kommt glücklicherweise ohne Ossi-Befindlichkeiten aus.
Und sie hat einen wahren Kern, wie Clemens Schönborn im Presseheft verriet: „Das Gefühl, von allem die Schnauze voll zu haben, ist für einen Bauarbeiter ein guter Grund zum Auswandern, und für einen Regisseur der Beste, einen Film zu machen. Einen Norwegischkurs für Bauarbeiter gibt es bei mir in der Nachbarschaft. Die Männer, die ich vor zwei Jahren beim Brötchen holen kennen gelernt habe, sind längst in Tromsö, Sommerlatten oder sonst wo oben im Norden. Einiges von ihnen haben wir verewigt: ‚Michael Schumacher ist in Monaco, und ich soll hier Steuern zahlen! Ich bin doch nicht blöd!‘ Gerade heraus! Ich hoffe, der Film ist ebenso.“
Das „Kleine Fernsehspiel“ des ZDF kann auch auf der großen Kinoleinwand bestehen, was sich nicht nur beim Wettbewerb um den Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken zeigte sondern auch beim zunächst nur Berliner Kinostart wenige Wochen nach der Erstausstrahlung.
Pitt Herrmann