Fritzi - Eine Wendewundergeschichte

Deutschland Belgien Luxemburg Tschechien 2017-2019 Animationsfilm

Inhalt

Fritzi ist zwölf und lebt in Leipzig. Im September 1989 kommen ihre beste Freundin Sophie und deren Mutter nicht wie erwartet aus den Sommerferien zurück – sie sind über Ungarn in den Westen geflüchtet. Fritzi bleibt mit gebrochenem Herzen und Sophies kleinem Hund Sputnik, auf den sie während der Abwesenheit ihrer Freundin aufpassen sollte, zurück. Um Fritzi herum sind die Reaktionen auf die Ereignisse sehr unterschiedlich: Während ihre Eltern verschiedener Meinung über die massenhafte Flucht vieler DDR-Bürger und -Bürgerinnen sind, ignoriert ihre Lehrerin die Vorgänge gänzlich. Weil aber auch Sputnik Sophie nachtrauert, beschließt Fritzi sich auf den Weg zu machen, um den Vierbeiner und sein Frauchen wiederzuvereinen. Dies ist alles andere als ein einfaches Unterfangen, denn um in den Westen zu gelangen, müssen die beiden über die immer noch streng bewachte Grenze. Und nicht erst dort beginnt für Fritzi und Sputnik ein Abenteuer, im Laufe dessen sich ein ganzes Land verändert.

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Heinz17herne
Heinz17herne
Leipzig, 1989. Liebevoll kümmert sich die zwölfjährige Fritzi, die gerade in die sechste Klasse gekommen ist, um den kleinen Sputnik. Er ist der Hund ihrer besten Freundin Sophie, mit der sie ihre Freizeit am liebsten hoch oben im Baumhaus verbringt, das in schwindelerregender Höhe durch ein Brett mit Sophies Balkon verbunden ist. In den Sommerferien ist sie mit ihrer Mutter Julia nach Ungarn gefahren und Fritzi hat versprochen, auf den vorwitzigen braun-weißen Terrier aufzupassen. Doch zum Schulanfang, der traditionell am 1. September mit einem Fahnenappell auf dem Schulhof beginnt, ist Sophie nicht in die Klasse der strengen, regimetreuen Lehrerin Liesegang zurückgekehrt.

Was Fritzi nicht verstehen kann. Es ging ihnen doch gut in der DDR. Und jetzt soll Sophie wie viele andere DDR-Bürger in den Westen „rübergemacht“ haben? Wahrscheinlich aus rein privaten Gründen zu ihrer Oma. Und die wohnt ganz in der Nähe des thüringischen Ortes, in dem Fritzi nun mit den Jungen Pionieren einige Tage in einem Schullandheim verbringt. Mutig macht sich Fritzi an der Seite ihres neuen Klassenkameraden Bela, der als einziger nicht zu den Jungen Pionieren gehört und sich wie sein Vater in der kirchlichen Friedensbewegung engagiert, auf die Suche nach ihrer Freundin. Fritzi, die sich immer stärker für Politik interessiert, gerät in ein geradezu lebensgefährliches Abenteuer, das die Zukunft des ganzen Landes verändert...

Detailgetreu, zuspitzend-authentisch und mit sicherem Gespür für die nicht nur bei Regen düstere Atmosphäre kaputter Fassaden ganzer Straßenschluchten schildert „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ die Friedliche Revolution im Herbst 1989 aus dem Blickwinkel einer zunächst völlig unpolitischen Heranwachsenden. Drehbuchautorin Beate Völcker hat die Vorlage, den Tatsachenroman „Fritzi war dabei“ von Hanna Schott (Text) und Gerda Raidt (Illustrationen) aus dem Jahr 2009, der auf Interviews mit drei Frauen basiert, die zum Zeitpunkt der Wende zehn Jahre alt waren, um weitere Elemente wie Verfolgung, Flucht und Gefängnis erweitert. Die Film-Fritzi ist nicht nur zwei Jahre älter als ihre Buch-Schwester, sondern erlebt zusammen mit ihrem Klassenkameraden Bela eine hinzuerfundene Coming-of-Age-Geschichte, welche den politisch-zeithistorischen Hintergrund mit der privaten Ebene unterfüttert.

Regisseur Ralf Kukula, Zeitzeuge am 9. Oktober 1989 auf dem Dresdener Altmarkt: „Was ich erleben durfte, waren erhabene Momente, eine Leichtigkeit, eine offene Gesellschaft für einen Moment, der Zukunft mit Zuversicht und Optimismus zugewandt. Ein Hauch von Utopie und das Glück, einmal für wenige Wochen die Freundlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Zugewandtheit fremder Menschen erleben zu dürfen. Darum darf unser Film auch mit Pathos enden. Die Sonne ging damals im Osten auf. Sie liefert das passende Morgenlicht, wenn sich Fritzi und Sophie, unsere Heldinnen, am Ende unseres Films vor den jubelnden Massen in die Arme fallen. Wer damals dabei war weiß, es ist die schiere Untertreibung.“

„Wir sind das Volk“: Dieser so spannende wie unterhaltsame Animationsfilm über den Mut, die Geschichte zu verändern, ist zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. Oktober 2019 in die Kinos gekommen. Zumindest im Westen hat er jungen Zuschauern vielfach erstmals offenbart, dass es durchaus Bestrebungen der Friedensaktivisten gab, eine andere DDR zu gestalten statt einer Kapitulation gleich dem kapitalistischen Westdeutschland beizutreten. Mit den Folgen dieses radikalen Wandels haben wir speziell in den ostdeutschen Bundesländern auch Jahrzehnte später noch zu kämpfen. Den erwachsenen Begleitern der jungen Kinobesucher wird mittels O-Tönen aus parallelen Nachrichtensendungen des West- und des DDR-Fernsehens noch einmal drastisch in Erinnerung gerufen, wie das perfide Stasi-System seine Bürger mit Fake News hinters Licht zu führen versuchte. Menschen sind verführbare Wesen. Sie sind aufgerufen, wachsam zu sein – und das in jedem Alter.

Ralf Kukula im Weltkino-Presseheft: „‘Fritzi – Eine Wendewundergeschichte‘ ist vielleicht der persönlichste Film, den ich in meinen über 30 Berufsjahren mit auf den Weg gebracht habe. Dieser Film behandelt jenes Jahr, das auch mein Leben völlig veränderte und eine DDR-typisch auf Jahrzehnte vorgezeichnete berufliche Laufbahn aufbrach. Mein Trickfilm-Diplom von der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg hatte ich gerade zwei Jahre in der Tasche. Im Defa-Studio für Trickfilme konnte ich animieren. Eigentlich mein Traum von Kindesbeinen an. Doch die Regisseure, für die meine ehemaligen Kommilitonen und ich zeichneten, waren im Alter unserer Eltern und Großeltern. Ich wollte aber meine Geschichten erzählen. Meine eigene Handschrift finden. Nachdem die Mauer im November 89 fiel, fiel auch die Defa. Zusammen mit 250 Kollegen wurde ich entlassen und hatte schneller und ganz anders als gedacht die von mir ersehnte Freiheit.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Co-Autor

Drehbuch

Art Director

Set Design

Schnitt

Mischung

Produktionsleitung

Länge:
86 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 30.07.2019, 191760, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 09.10.2019

Titel

  • Originaltitel (DE) Fritzi - Eine Wendewundergeschichte

Fassungen

Original

Länge:
86 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 30.07.2019, 191760, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Kinostart (DE): 09.10.2019

Auszeichnungen

Verband der deutschen Filmkritik 2020
  • Preis der deutschen Filmkritik, Bester Kinderfilm
Kinolino Kinderfilmfest Dresden 2019
  • Goldener Hecht, Held*innen
FBW 2019
  • Prädikat: besonders wertvoll