Petersburger Nächte. Walzer an der Newa

Deutschland 1934 Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Ungeduldig erwartet der Wiener Walzerkönig Johann Strauß seine bevorstehende Ernennung zum Hofballmusikdirektor. Aus diesem Grund lehnt er auch ein Gastspiel in Russland ab. Da erhält er die Nachricht, dass die österreichische Regierung im Moment keine Zeit hat, sich mit derlei "Nebensächlichkeiten" zu beschäftigen - die Ernennung bleibt aus. Voller Zorn und Enttäuschung nimmt Strauß nun doch das russische Engagement an.

 


Auf seiner Reise lernt er in einem Gasthaus die bezaubernde Olga kennen. Die beiden verbringen eine Liebesnacht miteinander, Strauß schenkt ihr eine Karte für sein Konzert, doch am nächsten Morgen ist Olga verschwunden. Wie soll Strauß sie nun wiederfinden, da sie doch keine Adresse hinterlassen hat? Der Dirigent Ptytschkin hat eine Idee: Die 1500 Mitglieder seiner Petersburger Musikvereinigung sollen sämtliche Eintrittskarten des Konzertes kaufen, dann aber nicht erscheinen. Wenn Olga zu dem Konzert kommt, wäre sie die einzige Besucherin ... Der Plan gelingt, doch kurz darauf muss Strauß erfahren, dass Olga die Verlobte des russischen Kriegsministers ist. Nun bleibt die Frage, für wen sich Olga entscheiden wird ...

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Falk Schwarz
Desaster im Dreivierteltakt
Was läuft unter dem Vorspann? Natürlich "An der schönen blauen Donau". Noch sind wir in Wien (obwohl in Berlin gedreht wurde), der Urwiener Paul Hörbiger mimt den Walzerkönig. Unter seinem Fenster spielen Straßenmusikanten, da lehnt er sich aus dem Fenster und ruft: "Was ihr spielt, klingt wie ein Schuhplattler, nicht wie ein Walzer", und wirft ihnen zwei Gulden herunter: "Kauft euch einen Rausch!" Wer dem Walzerkönig nicht huldigt, hat es vergeigt. Auch hier gilt das Herrscherprinzip. Regisseur Emo war ein strammer Freund der neuen Zeiten. Dann geht Strauß auf die lange Reise nach Petersburg. Jetzt zeigt der Kameramann Ehrgeiz. Zum zweiten und leider zum letzten Mal arbeitet Emo mit Friedel Behn-Grund, damals 28 Jahre alt, der die Kutschfahrt filmisch dramatisiert: Die Kamera sieht nur, was die Personen in der Kutsche sehen, die Bäume fliegen in Unterperspektive vorbei, die Kamera geht längsseits und begleitet die rasch dahinfahrende Kutsche, Himmel und Wolken, Schatten und Licht lassen diese Fahrt hautnah erleben. Als Olga zusteigt, weiß Strauß: die oder keine. Abends spielt er in seinem Zimmer Geige und um die Peinlichkeit zu vertuschen, dass Hörbiger das Instrument nicht beherrscht, lässt der Kameramann ihn als Silhouette auf der Wand weiterspielen. Olga kommt herein, er legt Geige und Bogen beiseite, Auftakt zur Liebesnacht. - Das erste Konzert in Petersburg. Es ist gähnend leer im Zuschauerraum, weil der dortige Kapellmeister Ptytschkin (hinterhältig: Aribert Wäscher) Strauß für einen Konkurrenten hält und deshalb alle Karten aufkaufen lässt. Damit dem Strauß eine Lektion erteilt wird. Doch die Zuschauer drängen so lange, bis sie hineindürfen - unter ihnen auch Olga - und von nun an ist die ganze Stadt im Walzerfieber: Selbst die Soldaten imitieren den Walzerschritt. Doch seine Olga (blass: Eliza Illiard) versteckt sich. Und als wir sie sehen, singt sie ohne Übergang (für Emo untypisch) mit klirrend hohen Tönen einen unverständlichen Text. Schließlich legt sich die leichte Elegie einer nicht erfüllten Liebe über den Rest des Films, Strauß fährt wieder zurück nach Wien - ohne die Geliebte, aber getröstet durch seine Musik. Kein Lustspiel, kein Drama, eher eine Fußnote zu Strauß' Karriere - gekonnt umgesetzt im Zusammenspiel von Regisseur, Hauptdarsteller und Kameramann.

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Musik

Darsteller

Produktionsfirma

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Drehbuch

Dialoge

Kamera-Assistenz

Standfotos

Schnitt

Musik

Musikalische Leitung

Darsteller

Produktionsfirma

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Dreharbeiten

    • 22.10.1934 - November 1934
Länge:
2369 m, 86 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 29.12.1934, B.38196, Jugendverbot

Aufführung:

Uraufführung (DE): 04.01.1935, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Titel

  • Originaltitel (DE) Petersburger Nächte. Walzer an der Newa
  • Verleihtitel (AT) Walzer aus Wien

Fassungen

Original

Länge:
2369 m, 86 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 29.12.1934, B.38196, Jugendverbot

Aufführung:

Uraufführung (DE): 04.01.1935, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Prüffassung

Länge:
5 Akte, 2315 m, 85 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 12.09.1952, 04744, Jugendfrei + jugendgeeignet / nicht feiertagsfrei;
FSK-Prüfung (DE): 13.01.1984, 04744, ab 12 Jahre / nicht feiertagsfrei