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So ein Pech: Mitten auf der Straße verlieren Peter und sein Bruder Hans das Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern - und ein Auto fährt es platt. Von ihrem letzten Geld kaufen sie auf dem Weihnachtsmarkt ein Los - und gewinnen tatsächlich eine Waschmaschine. Das ist natürlich ein Super-Geschenk. Ein Weihnachtsmann verspricht, Ihnen die Maschine nach Hause zu bringen. Aber der Weihnachtsmann entpuppt sich als Gelegenheitsdieb, und mit ihm verschwindet auch das zweite Weihnachtsgeschenk für die Eltern erst einmal.
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Zum Trost geht’s auf den benachbarten Rummelplatz zum ausgiebigen Karussellfahren. Beim eloquenten Losbudenbesitzer erwerben sie für ihre letzten Penunsen ein Los – und das Glück ist den beiden Jungs im letzten Augenblick hold. Über den Hauptgewinn, eine nagelneue Waschmaschine samt Garantieschein, werden sich die Eltern bestimmt freuen. Doch wie den Transport bewerkstelligen? Ein junger Mann verspricht Abhilfe und holt mit Hans eine Sackkarre, derweil soll Peter auf das gute Stück aufpassen. Der Kleine wird jedoch bald vom Weihnachtsmann persönlich abgelenkt. Der heißt Willi und nimmt erst 'mal einen kräftigen Schluck aus dem Flachmann, was Peter aber nicht weiter beeindruckt: Endlich ist er dem Mann begegnet, der ihm auch in diesem Jahr bald seine heißesten Wünsche erfüllen soll. Und der sich in ungeahnter Dreistigkeit selbst beschenkt, als er sich den Gewinn im Wert von immerhin einigen hundert Mark rasch unter den Nagel reißt. Der träumerische Peter kann den beiden, als sie mit der Sackkarre eintreffen, nur noch die ungefähre Richtung des weißbärtigen Diebes im roten Purpurmantel angeben.
Peter ist einmal mehr völlig außer sich – und wie bei Erich Kästners „Emil und die Detektive“ vergrößert sich der Kreis derjenigen, die den Jungs beistehen wollen, ständig. Weil Willi etwas vom Zirkus gesagt hat als seinem nächsten Termin, machen sich alle dorthin auf – und finden den Gesuchten in der Tat im Kreis der Artisten – und des Clowns Ferdinand (spielt sich selbst und das auf wundervoll poetische, augenzwinkernd-komische Weise: Jiří Vrštála, Stammgast im Berliner Friedrichstadtpalast). Der sogleich mit weiteren Zirkusleuten die Verfolgung des halsbrecherisch über die Zirkuskuppel und dann auf den Rücken eines Schimmels entkommenen Willi aufnimmt. Die Verfolgungsjagd geht – im wahren Wortsinn im Galopp – durch die ganze Stadt und sogar über einen Bauzaun: Eine reife Leistung für ein Zirkuspferd, das ihm sein Besitzer gar nicht zugetraut hätte.
Bald findet der greinende Peter in der in etwa gleichaltrigen Tina und ihrem Collie Biene eine ausdauernde Trösterin. Denn die ganzen Erwachsenen um ihn herum reden aus seiner Sicht blanken Unsinn: Willi ist doch kein Dieb, sondern der Weihnachtsmann, der den Gewinn zur angegebenen Adresse Mohrenstraße 7 bringen wird. Am Bahnhof ist von Tamara, einer so schönen wie geheimnisvollen Wanderin durch die Nacht, die im atheistischen Sozialismus naturgemäß nicht „heilig“ genannt werden darf, beobachtet worden, wie Willi mit der Waschmaschine in einem Taxi verschwunden ist. Weil Klaus aufgrund einer technischen Störung die Durchsagen der Funkzentrale nicht hören kann, setzt er den Dieb vor einem Wohnblock ab. In dem gerade eine große Fete läuft und der Hausgemeinschaftsleiter Teo Lehmann nicht wenig erstaunt ist, den Weihnachtsmann am Eingang mit seiner Beute vorzufinden: Die Mieter benötigen keine individuellen Geräte, das Waschen übernimmt hier die entsprechend ausgerüstete Gemeinschaftseinrichtung.
„So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit“: Clown Ferdinand entdeckt den Dieb in einer Gaststätte und appelliert nicht ohne Erfolg an Willis Gewissen. Als die ganze Armada in Taxis an der Mohrenstraße scheinbar unverrichteter Dinge ankommt, können sich Mutti und Vati Müller über das gewaltige Weihnachtsgeschenk ihrer Kinder freuen – die Waschmaschine steht auf dem Bürgersteig, wohl bewacht von Clown Ferdinand. Und Peter, der nie seinen Glauben an das Gute verloren hat, freut sich am meisten...
Der Kinderfilm beruht er auf einem bereits 1965 der Defa vorgelegten Exposé des renommierten tschechischen Kinderfilmautors Ota Hofmann, der seinen Landsmann Vladimir Brebera als Regisseur vorschlug. Doch das Babelsberger Studio bestand auf einer hausinternen Lösung. Während Joachim Kunert von Hofmann ins Gespräch gebracht wurde, setzte die Defa zunächst auf Günter Reisch und dann auf Heiner Carow, mit dem sogar ein Drehbuchvertrag abgeschlossen wurde. Den der Mentor Ingrid Reschkes aber nicht erfüllte, welche erst zum Zuge kam, als auch der angefragte Winfried Junge aus zeitlichen Gründen abgelehnt hatte.
Da Oto Hofmann nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in Prag und dem gewaltsamen Sturz Alexander Dubceks nicht nach Babelsberg kommen konnte, schrieb Ingrid Reschke zusammen mit der Dramaturgin Inge Wüste selbst das Drehbuch. Im Dezember 1968 kam es zum Streit um die Frage, ob es in einem sozialistischen Kinderfilm akzeptabel ist, dass sich ein Weihnachtsmann als Dieb entpuppt. Dabei war es doch nur ein gewisser Willi im Kostüm des Geschenkeverteilers. So musste das Drehbuch umgeschrieben werden für den dann nur noch 65-minütigen Film.
Die Genossen waren endlich zufrieden. So heißt es in „Kino DDR“ (19/1969): „Die Geschichte ist konzipiert für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren. Ein moralisches Problem wird auf eine für die jüngeren Kinder begreifbare Weise vorgestellt und zu einer Lösung geführt, wie sie nur beim Zusammenwirken der einzelnen Mitglieder einer sozialistischen Gesellschaft denkbar ist. Die Künstlerische Arbeitsgruppe 'Kinder- und Jugendfilm' übergibt damit einen guten Film an ihre Zuschauer im zwanzigsten Jahr unserer Republik.“
Pitt Herrmann