Inhalt
Winckelmann, ein biederer Vertreter für Haarshampoo, tingelt erfolg- und leidenschaftslos über die schleswig-holsteinischen Dörfer. Zwar hat er eine Freundin, Aline, doch er trauert noch immer um seine seit sieben Jahren geschiedene Ehe. Als eines Tages Rosa vor der Tür steht, die fünfjährige Tochter seiner Ex-Frau, scheinen die Dinge in Bewegung zu geraten: Winckelmann soll einen Tag lang auf die Kleine aufpassen, und deren Neugier und Lebendigkeit hat eine ansteckende Wirkung auf ihn. Doch ganz so einfach lässt sich ein festgefahrenes Leben nicht umkrempeln.
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Sieben Jahre nach seiner Ehescheidung hat sich Winckelmann noch nicht mit der Trennung von seiner Gattin Hilde abgefunden, sodass er noch nicht bereit ist, eine neue Beziehung einzugehen. Dabei wäre die junge Aline bereit dazu. Sie führt zusammen mit ihrem Vater (Traugott Buhre in einer eindrucksvollen Studie) und einem gewissen Rüdiger eine Eckkneipe und träumt davon, ein neues Leben anzufangen – mit Ernst Winckelmann. Doch als der seine Entscheidung immer wieder hinauszögert, nimmt Aline ein Angebot nach Ostende an.
Eine Wendung in Winckelmanns Leben bewirkt die kleine Tochter seiner Gattin, Rosa, die er für wenige Tage betreuen soll. Er nimmt die Fünfjährige mit auf eine seiner Touren als Handlungsreisender und sie sorgt für eine Belebung des auf eingefahrenen Gleisen fahrenden Klinkenputzers. Und dann ist da noch das Jahresmeeting des eidgenössischen Konzerns, zu dem Fabrikdirektor Mehlmann eingeladen hat: Winckelmann schleppt seine junge Freundin Aline dahin mit, lässt aber auch diese Chance ungenutzt verstreichen.
Diesem verschnarchten Mann, der sich auf gar nichts einlässt, ist eben nicht zu helfen. So bleibt nur noch der Abschied von Aline auf einem Hamburger Bahnhof und ein schnelles Bier mit ihrem Vater, der ganz in der Vergangenheit in Miami Beach lebt und sich, so steht es zu befürchten, als sein bester Kunde allmählich zu Tode säuft...
In seinem zweiten kleinen, poetischen und erneut von Sophie Mantigneux großartig fotografierten Film „Winckelmanns Reisen“, bis in kleinste Nebenrollen glänzend besetzt u.a. mit Axel Milberg und Fritz Lichtenhahn als Vertreter, Jan Biczycki als Friseur Niederzu, Matthias Gnädiger als Berner und Ulrich Wildgruber als Tankwart auf dem platten Lande, widmet sich Jan Schütte mit liebevoller Ironie und genauer Personenzeichnung Menschen, deren Hoffnungen und Sehnsüchte entweder auf die Zukunft oder die Vergangenheit fixiert sind.
Pitt Herrmann