Bundesarchiv

Quelle: Bundesarchiv
Logo des Bundesarchivs
 

Die Abteilung Audiovisuelle Medien im Bundesarchiv dokumentiert mehr als 130 Jahre deutsche Filmgeschichte. Dazu zählen über 250.000 Filmwerke, etwa 46.000 Tonträger, mehr als 20 Millionen Bilder, Luftaufnahmen, Plakate und Karten sowie etwa 50.000 Mappen mit Filmbegleitmaterialien.

Das Bundesarchiv hat den gesetzlichen Auftrag, das Archivgut des Bundes dauerhaft zu bewahren, zugänglich zu machen sowie Archivalien zu übernehmen, zu bewerten und zu erschließen.
 

 

 

   
Geschichte

Die Geschichte der staatlichen Filmarchivierung in Deutschland reicht zurück bis 1935. Am 04.02.1935 wurde das Reichsfilmarchiv feierlich eröffnet. Die Sammlung von etwa 1600 Filmen bildete sich zunächst aus den Beständen des Reichsarchivs zu Potsdam, der Berliner Polizeizensurbehörde (seit 1920) und Ufa-Wochenschauen. Sie umfasste Spielfilme, Kulturfilme, Lehr- und Werbefilme sowie dokumentarische Filme. In den folgenden Jahren erweiterte sich die Sammlung durch den Ankauf und Tausch von Filmen, die Einführung eines Ablieferungszwangs sowie die Beschlagnahmung von Filmen aus den besetzten Gebieten. Das Reichsfilmarchiv war 1938 gemeinsam mit dem Museum of Modern Art, dem British Film Institute und der Cinémathèque française Gründungsmitglied der FIAF (Fédération International des Archives du Film). Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Staatliche Filmarchiv der DDR die filmische Sammlung des Reichsfilmarchivs, soweit sie erhalten geblieben war. Nach 1990 ging sie schließlich in den Bestand des Bundesarchivs über.

Am 24. März 1952 beschloss die Bundesregierung die Errichtung des Bundesarchivs in Koblenz, das die Aufgabe erhielt, das zivile und militärische Schriftgut der zentralen deutschen Regierungen und Verwaltungen zu erfassen und zu bewahren. Nichtstaatliche und nichtschriftliche Überlieferungen wurden zunächst nicht berücksichtigt, ebenso wie Filme. Das 1954 gegründete Filmarchiv innerhalb des Bundesarchivs übernahm zunächst nur Wochenschauen und Dokumentarfilme aus den Beständen des ehemaligen reichseigenen Filmvermögens sowie aus Eigen- und Auftragsproduktionen der Bundesorgane, Behörden und anderer Dienststellen des Bundes und seiner Vorgänger. Dazu kamen Filme ungeachtet ihrer Herkunft, wenn sie Vorgänge, Zustände, Persönlichkeiten oder Orte der Zeitgeschichte als Quelle dokumentierten. In den folgenden Jahren erweiterten sich aber die Bestände und Aufgaben kontinuierlich. Filme, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Alliierten in die USA gelangten, wurden ab Mitte der 1960er-Jahre wieder ins Bundesarchiv rückgeführt, das Filmfördergesetz beschloss die Abgabe von mit Fördermitteln des Bundes geförderten Filmen ins Bundesarchiv, und durch die Gründung des Kinematheksverbunds 1978 wurden die Aufgaben – auch in Abgrenzung und Zusammenarbeit mit weiteren Filmerbeeinrichtungen wie der Deutschen Kinemathek – festgelegt. 1984 folgte der Beitritt zur FIAF.

Mit der Gründung des Deutschen Zentralarchivs in Potsdam 1955 schuf die DDR die Grundlage zur Aufnahme der geretteten Bestände des ehemaligen Reichsarchivs. Daraufhin entstand das Staatliche Filmarchiv der DDR (SFD), das sich zu einem der größten Filmarchive weltweit entwickelte. 1959 trat es der FIAF bei und pflegte weitreichende internationale Beziehungen. Mit dem Ende der DDR wurden auch die Bestände des SFD in das Bundesarchiv integriert. Heute ist die Abteilung Audiovisuelle Medien des Bundesarchivs für die Sicherung, Erschließung und Bereitstellung dieser historischen Überlieferungen sowie aller laufenden Übernahmen verantwortlich. 


Bestand

Über 250.000 Werke auf unterschiedlichen Trägermaterialien und in verschiedenen Datenformaten bilden den Filmbestand des Bundesarchivs. Damit ist das Bundesarchiv auch heute noch eines der weltweit größten Filmarchive. Die Überlieferung umfasst Filme aus allen Epochen und Genres: von Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilmen über Trailer bis zu Amateur- und Werbefilmen. Sowohl die ältesten öffentlich aufgeführten Filme aus dem Jahr 1895 als auch aktuelle Filmproduktionen sind vorhanden. Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt auf dem Zeitraum von 1930 bis 1945, den Kinowochenschauen nach 1945 sowie Filmen aus der DDR. Auch Auftragsproduktionen der Bundesbehörden sowie Filme, die mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland oder der Länder gefördert wurden, sind nahezu vollständig vorhanden. Jeder Film ist mit seinem Titel und den vorhandenen Exemplaren in einer Datenbank dokumentiert. Zu vielen Filmen gibt es ausführliche filmografische Informationen, Inhaltsbeschreibungen und Nachweise zu Orten, Personen oder Schlagworten.

Im Bundesarchiv sind zudem filmbegleitende Unterlagen überliefert, die die künstlerische und technische Entwicklung des Mediums Film oder die Entstehung und Wirkung einzelner Produktionen dokumentieren. Es finden sich darin Verleihkataloge, Programme, Fotos, Plakate, Drehbücher, Zeitungsausschnitte und andere Dokumente vor allem zu deutschen Filmen und Filmschaffenden bis 1945, zur Filmproduktion der DEFA und zu ausländischen Filmen aus sozialistischen Staaten. Die Sammlungen beziehen sich überwiegend auf Spielfilme und nur vereinzelt auf Dokumentarfilme. Einzigartig ist die Sammlung von Zensur- und Zulassungsunterlagen, die oft die letzten Zeugen verschollener Filme sind und wichtige Quellen darstellen.


Zugang

Digitaler Lesesaal: Das Bundesarchiv bildet seit Januar 2024 den Gesamtbestand an Filmwerken auf der Online-Plattform "Digitaler Lesesaal" ab. Hier stehen bereits mehrere Tausend Filme als Videostream zur Verfügung. Der "Digitale Lesesaal" befindet sich noch im Aufbau und wird zukünftig weitere Bestände des Bundesarchivs (Schriftgut, Fotos, Plakate) einbinden. 

Invenio: Filmbegleitmaterialien und alle weiteren Dokumente lassen sich über die Rechercheplattform invenio finden. 

Filmbenutzung vor Ort und Filmausleihe: Filme aus dem Bestand, die noch nicht digitalisiert vorliegen oder aus rechtlichen Gründen im "Digitalen Lesesaal" nicht abspielbar sind, können nach vorheriger Anmeldung an Arbeitsplätzen im Lesesaal oder im Rahmen von Einzelsichtungen in Berlin-Lichterfelde bereitgestellt werden. Darüber hinaus können sowohl analoge als auch digitale Filmkopien für Kinovorführungen sowie für Film- und Digitalisierungsprojekte entliehen werden. Für Informationen zu der Benutzung von Audiovisuellen Medien des Bundesarchivs kontaktieren Sie gerne das Serviceteam Filmbenutzung.

Im Digitalen Bildarchiv lassen sich die digitalisierten Bildbestände des Bundesarchivs durchsuchen. Es umfasst eine Vielzahl an Szenenfotos, Werkaufnahmen, Filmplakaten oder Starporträts aus allen Epochen der deutschen Filmgeschichte.

Der Online-Katalog ermöglicht die Recherche in den Bibliotheksbeständen am Standort Berlin-Lichterfelde, insbesondere in Publikationen zur Geschichte des Films.


Sicherung und Digitalisierung

Um Nutzenden Zugang zu den Filmbeständen des Bundesarchivs zu ermöglichen, ist nicht nur die Erschließung von Filmwerken in der Datenbank und die Onlinepräsentation auf der Rechercheplattform erforderlich, sondern vor allem die vorherige Sicherung, Restaurierung und Digitalisierung von analogem Filmmaterial.

Digitalisierung on demand: Auf Anfrage und nach einer Material- und Rechteprüfung können Filme im Bundesarchiv am Standort Berlin-Lichterfelde digitalisiert werden. Für eine zeitnahe Bereitstellung werden dort HD-Ansichtsfiles (mp4) von analogen Benutzungskopien erstellt.

Digitale Langzeitsicherung: Am Standort Hoppegarten werden die Ausgangsmaterialien im Rahmen einer analogen Restaurierung geprüft und für die Digitalisierung vorbereitet. Anschließend finden die digitale Nachbearbeitung und Mastering statt, sodass die Daten des Digitalen Sicherungspakets (Rohscan, Masterdatei und Ansichtsdatei) gespeichert und wiederum zur Nutzung bereitgestellt werden können.

Projektbasierte Digitalisierung: Nach kuratorischen und restauratorischen Kriterien wählt das Bundesarchiv Filme aus dem Bestand aus und bereitet sie durch analoge Restaurierung, digitale Bildbearbeitung und Mastering für einen Einsatz bei nationalen und internationalen Filmfestivals und Filmveranstaltungen vor. Schwerpunkte waren in den letzten Jahren unter anderem Filme der Staatlichen Filmdokumentation der DDR oder das ukrainische Filmerbe im Bundesarchiv. Außerdem ist das Bundesarchiv Kooperationspartner bei Digitalisierungsprojekten von Partnerinstitutionen wie der Stiftung Deutsche Kinemathek, dem DFF - Deutschen Filminstitut & Filmmuseum, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, der DEFA-Stiftung, dem Arsenal Filminstitut und vielen weiteren. Aktuelle Restaurierungsprojekte sind im Digitalen Lesesaal zu finden.


Öffentlichkeitsarbeit

Das Bundesarchiv organisiert an verschiedenen Standorten kostenlose Filmveranstaltungen: in Koblenz jährlich eine historische Filmreihe zu einem Thema der deutschen (Film-)Geschichte, in Berlin-Lichtenberg, zusammen mit dem mittlerweile ins Bundesarchiv eingegliederten Stasi-Unterlagen-Archiv, das Campus-Kino, welches die Aufarbeitung der DDR im Fokus hat, und seit 2026 in Berlin-Lichterfelde monatlich die Filmreihe "Lichterfilme". Darin werden neu vom Bundesarchiv restaurierte Filme, herausragende Archiventdeckungen, Filme, die mit Archivmaterial arbeiten oder Stummfilme mit Live-Musik präsentiert und durch Einführungen und Gespräche kontextualisiert. 

Im Jahr 2025 wurde zum ersten Mal die filmhistorische Ausstellung "'Habe ich den Film erfunden?' Max Skladanowsky – Pionier, Visionär & Hochstapler" in Berlin-Lichterfelde präsentiert. 

Das Bundesarchiv ist Kooperationspartner des Cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes, Hamburg, und zeigt regelmäßig restaurierte Filme auf internationalen Filmerbe-Festivals wie den Giornate del Cinema Muto in Pordenone oder Il Cinema Ritrovato in Bologna.


Kontakt

Bundesarchiv
Abteilung Audiovisuelle Medien
Finckensteinallee 63
12205 Berlin
Tel.: +49 (0) 3018 / 7770-0
Fax: +49 (0) 3018 / 7770111
www.bundesarchiv.de
E-Mail: berlin@bundesarchiv.de