Direkt zum Inhalt
Startseite
Veröffentlicht auf filmportal.de (https://www.filmportal.de)

Liddy Hegewald

Weitere Namen
Liddy Genau (Geburtsname)
Date of Birth
09/22/1884 - 12:00
Geburtsort
Bockau
Sterbedatum
12/01/1950 - 12:00
Sterbeort
Berlin
Biografie

Liddy Hegewald wurde am 22. September 1884 als Anna Liddy Genau in Bockau geboren; ab ihrem siebten Lebensjahr wuchsen sie und ihre sechs älteren Geschwister als Vollwaisen auf. Liddy absolvierte bis 1898 die Volksschule und begann eine Apothekerlehre. Im Jahr 1901 heiratete sie Albin Hegewald, Inhaber einer Firma für Elektromotoren und die Installation elektrischer Anlagen. Dort erhielt Liddy Hegewald eine umfassende technische Ausbildung und übernahm nach dem Tod ihres Mannes die Geschäfte. 

Allerdings wechselte sie als Unternehmerin bald das Metier und wendete sich dem noch jungen Medium Film zu: 1909 kaufte sie ein erstes Kino in Pirna, dem bis 1916 noch 15 weitere folgten, unter anderem in Leipzig, Eisleben und Merseburg. Ab 1916 realisierte sie als Produzentin sogenannte "Aktualitäten", kurze Nachrichtenfilme über aktuelle Themen.

1919 gründete Liddy Hegewald eine eigene Filmproduktionsfirma. Die Hegewald-Film mit Sitz in Leipzig (ab 1925 in Berlin) realisierte Stummfilme verschiedenster Genres: Wildwest-Abenteuer ("Lola, die Apachenbraut", 1921), Gesellschaftsdramen ("Der Heiratsschwindler", 1922), Historiendramen ("Aschermittwoch", 1925) und nicht zuletzt Detektivfilme ("Nat Pinkerton im Kampf", "Ratten der Großstadt", "Hände hoch", alle 1921). Für die Regie zeichnete bis 1927 stets Wolfgang Neff verantwortlich. 

Ab 1927 arbeitete Hegewald vorwiegend mit dem österreichischen Regie-Duo Jakob und Luise Fleck zusammen, womit sich der inhaltliche Schwerpunkt verschob: es entstanden Literaturverfilmungen wie "Liebelei" (1927), Adaptionen von aktuellen Operettenerfolgen ("Der Orlow", 1927) und Problemfilme wie "Frauenarzt Dr. Schäfer" (1928) und "Das Recht auf Liebe" (1929). Wie es anlässlich einer Retrospektive im Deutschen Historischen Museum Berlin 2020 hieß, mussten die "rasch produzierten Filme" meist "ohne große Budgets auskommen". Zwar hätte man prominente Schauspieler engagiert, doch für eine "sorgfältige Stoffentwicklung, Drehbucharbeit und Inszenierung" habe oft die Zeit gefehlt. Neben den Flecks engagierte Hegewald Regisseure wie Richard Oswald ("Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie", 1929), Georg Jacoby ("Pension Schöller", 1930) und Erich Schönfelder ("In Wien hab' ich einmal ein Mädel geliebt", 1930); bei "Im Reiche der Kalifen" (1929) führte ihr Sohn Fred von Bohlen Regie.

Bei der Berliner Filmkritik kamen die Hegewald-Produktionen oftmals nicht gut weg, doch beim Publikum fanden sie großen Anklang, angeblich vor allem in ländlichen Regionen. Statt von "Hinterwäldlern" war bei der Kritik damals spöttisch von "Hegewäldlern" die Rede, die der Firma zum großen Erfolg verhalfen.

Tatsächlich animierte dieser Erfolg Hegewald dazu, auch im Filmverleih tätig zu werden. Der Übergang zum Tonfilm gelang ihr mit aufwändigen Produktionen wie der Operette "Die Csikosbaroneß" (1930) spielend. Für 1931 wurden zehn Hegewald-Tonfilme und acht Tonfilme ihrer zweiten Firma Silva Film angekündigt. Damit war der Hegewald-Konzern rein zahlenmäßig die zweitgrößte deutsche Filmproduktionsfirma nach der Ufa. 

Dann aber kam es zu erheblichen Problemen: Ungünstige Investitionen und Vertragsabschlüsse sowie ein Vertragsbruch des Regisseurs Wilhelm Dieterle, der sich bei der Silva für vier Filme verpflichtet hatte, dann aber in die USA ging, führten dazu, dass Hegewald im März 1931 Konkurs anmelden musste. Die bereits fertiggestellten Hegewald-Tonfilme wurden von anderen Verleihern mit großem Erfolg in die Kinos gebracht. Hegewalds letzte Produktion in Deutschland war 1931 "Wenn die Soldaten..." unter der Regie der Flecks, die nach der Machtübernahme der Nazis 1933 nach Österreich zurückkehrten.

Bald versuchte Hegewald einen Neustart im Filmgeschäft. Der in Österreich produzierte Film "Madame Blaubart" (1931) durfte jedoch aufgrund neuer Devisenbestimmungen nicht aufgeführt werden. Sie strengte einen Prozess gegen die deutsche Reichsfilmkammer an, der jedoch mit dem Verlust ihrer Zulassung endete – fortan durfte Hegewald nicht mehr im deutschen Filmgeschäft arbeiten. Mit geliehenem Geld beteiligte sie sich 1933 an einer weiteren österreichischen Produktion, bei der die Flecks Regie führten: "Liebe bei Hof" (auch: "Mein Liebster ist ein Jägersmann"). 

Danach zog Liddy Hegewald sich notgedrungen ins Privatleben zurück. 1936 wurden sie und ihr Sohn Fred wegen Heiratsschwindel und Begünstigung angeklagt, jedoch freigesprochen. Am 1. Dezember 1950 starb Liddy Hegewald in einem psychiatrischen Krankenhaus, den Wittenauer Heilstätten, in Berlin.

Filmography
1933
Liebe bei Hof
  • Produzent
1930/1931
Madame Blaubart
  • Produzent
1930
La straniera
  • Co-Produzent
1930
L'Etrangère
  • Co-Produzent
1931
Wenn die Soldaten...
  • Produzent
1930/1931
Der Tanzhusar
  • Produzent
1930/1931
Der Liebesarzt
  • Produzent
1930
Ein Mädel von der Reeperbahn
  • Co-Produzent
1930
Die Csikosbaroneß
  • Produzent
1930
In Wien hab' ich einmal ein Mädel geliebt
  • Produzent
1930
Einbruch im Bankhaus Reichenbach
  • Produzent
  • Produktionsleitung
1930
Pension Schöller
  • Produzent
1930
Die Fremde
  • Co-Produzent
1930
Liebeskleeblatt
  • Produzent
1930
Tänzerinnen für Süd-Amerika gesucht
  • Produzent
1930
Wiener Herzen
  • Produzent
1929/1930
Der Fleck auf der Ehr'
  • Produzent
1929/1930
Das Wolgamädchen
  • Produzent
1929/1930
Die Warschauer Zitadelle
  • Produzent
1930
O alte Burschenherrlichkeit
  • Produzent
1929
Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie
  • Produzent
1929
Mädchen am Kreuz
  • Produktionsleitung
1929
Das Recht auf Liebe
  • Produktionsleitung
1929
Im Prater blühn wieder die Bäume
  • Produktionsleitung
1928/1929
Im Reiche der Kalifen
  • Produzent
1929
Der Leutnant ihrer Majestät
  • Produktionsleitung
1928
Frauenarzt Dr. Schäfer
  • Produzent
  • Produktionsleitung
1927/1928
Freiwild (Der Leidensweg der Anna Riedel)
  • Produzent
  • Produktionsleitung
1928
Der Zarewitsch
  • Produzent
1928
G'schichten aus dem Wiener Wald
  • Produzent
1928
Die lustigen Vagabunden
  • Produktionsleitung
1927
Wenn Menschen reif zur Liebe werden
  • Produzent
1927
Deutsche Frauen - Deutsche Treue
  • Produzent
1927
Das Fürstenkind (Der Fürst der schwarzen Berge)
  • Produzent
1926/1927
Liebelei
  • Produzent
1927
Der Orlow
  • Produzent
1926
Der Pfarrer von Kirchfeld
  • Produzent
1926
Die Kleine und ihr Kavalier
  • Produzent
1926
In Werder blühen die Bäume
  • Regie
1926
Wie bleibe ich jung und schön
  • Produzent
1925
Erster Deutscher Reichskriegertag in Leipzig
  • Produzent
1924
Sabotage
  • Produzent
1922
Bummellotte
  • Produzent
1922
Die Kartenlegerin
  • Produzent
1922
Der Heiratsschwindler
  • Produzent
1922
Kaschemmengräfin
  • Produzent
1922
Divankatzen
  • Produzent
1921/1922
Brudermord
  • Produzent
1921
Frühlingsmanöver
  • Produzent
1921
Sich regen bringt Segen
  • Produzent
1921
Lola, die Apachenbraut. 2. Teil
  • Produzent
1920/1921
Hände hoch. 1. Teil
  • Produzent
1920/1921
Großstadtmädels. 2. Teil
  • Produzent
1921
Verbrechen in der Wallstreet 13
  • Produzent
1921
Morast
  • Produzent
1920/1921
Großstadtmädels. 1. Teil
  • Produzent
1920/1921
Hände hoch. 2. Teil
  • Produzent
1921
Die Hafenlore. 1. Teil
  • Produzent
1921
Die Hafenlore. 2. Teil
  • Produzent
1921
Lola, die Apachenbraut. 1. Teil
  • Produzent
1920/1921
Großstadtmädels. 3. Teil
  • Produzent
1921
Razzia
  • Produzent
1920
Apachenrache. 3. Die verschwundene Million
  • Produzent
1920
Apachenrache. 4. Der Affenmensch
  • Produzent
1920
Das grüne Plakat
  • Produzent
1920
Der schwarze Gast
  • Produzent
1920
Der Spitzel
  • Produzent
1920
Der Schieberkönig
  • Produzent
1919
Die Erbschaft von New York
  • Produzent
URL: https://www.filmportal.de/person/liddy-hegewald_b5d7bd35437b40e2a1a45fbff5942095