Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Ton, Aufnahmeleitung
Braunschweig

Biografie

Nora Fingscheidt, geboren 1983 in Braunschweig, verbrachte ihre Schulzeit in Braunschweig und Argentinien. 2003 zog sie nach Berlin, wo sie als Vorstand beim Aufbau der selbstorganisierten Filmschule filmArche e.V. beteiligt war. In deren Rahmen begann sie als Regisseurin erste Kurzfilme zu realisieren, so etwa den 15-minütigen "Objet trouvé" (2005). Parallel dazu absolvierte sie eine Ausbildung zum Schauspielcoach und sammelte als Aufnahmeleiterin und Regieassistentin bei diversen Kurzfilmen praktische Erfahrungen. 

2008 begann Nora Fingscheidt ein Studium im Fach Szenische Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihr 24-minütiger Kurzfilm "Synkope" (2010), über eine Verlobungsfeier, bei der familiäre Wunden aufgerissen werden, lief unter anderem beim Filmfestival Max Ophüls Preis und beim Filmfest Dresden. 2012 nahm sie an den Berlinale Talents teil und besuchte im Rahmen eines Austauschprogramms die UCLA in Los Angeles. Dort drehte sie den 15-minütigen Dokumentarfilm "Boulevard's End" (2014) über den Venice Pier in Venice Beach. Der Film lief auf zahlreichen internationalen Festivals. 

Ihr Langfilmdebüt gab Fingscheidt noch während des Studiums, in Co-Regie mit Simone Gaul: der Dokumentarfilm "Das Haus neben den Gleisen" (2014) zeigt das Alltagsleben in einem Heim für wohnungslose Frauen. Auch in ihrem Abschlussfilm "Ohne diese Welt" (2017) beobachtete Fingscheidt das Leben in einer ungewöhnlichen sozialen Gemeinschaft: einer kleinen Gemeinde deutschstämmiger Mennoniten in Argentinien, die wie im 18. Jahrhundert leben. "Ohne diese Welt" gewann bei den First Steps Awards und beim Filmfestival Max Ophüls jeweils die Auszeichnung als Bester Dokumentarfilm.

Für das Drehbuch zu ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm "Systemsprenger" wurde Nora Fingscheidt noch vor der Realisierung mehrfach ausgezeichnet: Mit dem Emder Drehbuchpreis 2016, dem Kompagnon-Förderpreis bei den Berlinale Talents 2017 und mit dem Thomas Strittmatter Drehbuchpreis 2017. Der Film selbst feierte im Wettbewerb der Berlinale 2019 Weltpremiere – mit großem Erfolg: Das Drama über eine Neunjährige, die in Pflegefamilien, Wohngruppen und Sonderschulen massiv gegen alles rebelliert, weil sie wieder bei ihrer Mutter wohnen will, erhielt begeisterte Kritiken. Darüber hinaus gewann "Systemsprenger" den Alfred Bauer Preis sowie den Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost. Zahlreiche weitere, internationale Festivalteilnahmen und Auszeichnungen folgten. So etwa der Preis der Ökumenischen Jury beim Molodist Filmfestival Kiew, der Förderpreis der DEFA-Stiftung, der FIPRESCI-Kritikerpreis sowie der Hauptpreis Fliegender Ochse beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, und der DGB-Filmpreis und weitere.

Der Film ging außerdem für Deutschland ins Rennen um die "Oscars". Auch nach dem Kinostart im September 2019 mit beachtlichen Zuschauerzahlen – bis Januar 2020 zählte der Film mehr als 600.000 Kinobesucher – ging der Preisregen weiter, mit einem Europäischen Filmpreis für die Beste Musik sowie dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Produktion (ex aequo mit "Das perfekte Geheimnis"). Ins Rennen um den Deutschen Filmpreis 2020 ging "Systemsprenger" mit zehn Nominierungen – und wurde in einem spektakulären Triumphzug achtfach ausgezeichnet, unter anderem als Bester Spielfilm. Fingscheidt selbst gewann die Lolas für die Beste Regie und das Beste Drehbuch.

Anfang 2020 begannen in Vancouver die Dreharbeiten von Nora Fingscheidts neuem Projekt: einer Netflix-Produktion mit Sandra Bullock in der Haupt- sowie Viola Davis und Vincent D'Onofrio in weiteren Rollen.

FILMOGRAFIE

2019/2020
  • Regie
  • Drehbuch
2017-2019
  • Regie
  • Drehbuch
2016/2017
  • Regie
  • Drehbuch
2016
  • Regie
2014
  • Co-Regie
  • Kamera
  • Ton
2014
  • Regie-Assistenz
2013/2014
  • Regie
  • Drehbuch
2012
  • Regie
  • Drehbuch
2010/2011
  • Regie
  • Drehbuch
2009
  • Aufnahmeleitung
2007
  • Aufnahmeleitung
2005
  • Regie