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Alle Fotos (2)Biografie
Am 14. Januar 1878 in Leipzig geboren, besucht Elisabeth Sara Schiff das Lyceum und später eine Schauspielschule in Berlin. Ihre Bühnenkarriere beginnt 1902 in Breslau. Das Engagement verläuft erfolgreich und so wird sie nach Folgestationen am Kölner Residenztheater und am Nürnberger Intimen Theater von Otto Brahm ins Ensemble des Lessing-Theaters nach Berlin geholt. Hier lernt sie ihren zukünftigen Ehemann kennen, den elf Jahre älteren und bereits berühmten Schauspieler Albert Bassermann. Am 31. Dezember 1908 heiratet das Paar, das bereits seit Februar des Jahres eine gemeinsame Tochter hat.
Else Bassermann ist fortan in unzähligen Bühnen- und ab 1913 auch in Filmrollen zu sehen, meist an der Seite Alberts. Die Mitwirkung des "größte[n] deutsche[n] Tragöde[n] Bassermann" am Film wird als Adelung des Kintopps gewertet (Lichtbild-Bühne, Nr. 16, 19.04.1913). Die passenden Stoffe und Rollen entwickelt oftmals sie für ihren Mann: In den Jahren 1917 bis 1921 tritt sie als Autorin von mehr als einem Dutzend Drehbüchern in Erscheinung und reüssiert schon mit dem ersten, "Du sollst keine anderen Götter haben" (1917, Adolf Gärtner). Dem Film wird "gewaltiger Erfolg" attestiert. Das Filmstück, von dem der zeitgenössischen Presse bekannt war, dass es von "Else Schiff (wohl die Gattin Bassermanns)" stammte, sei "geschickt ersonnen" und unterscheide sich "vor teilhaft von den Durchschnittsfilms [sic], da er vernünftiger ist, aber trotzdem zugkräftig" (Der Kinematograph, Nr. 560, 19.09.1917). Auch ihr nächstes Drehbuch, "Herr und Diener" (1917, Adolf Gärtner), überzeugt: Der Film erweise sich als "starker, dramatischer und künstlerischer Schlager ersten Ranges" (Lichtbild-Bühne, Nr. 45, 10.11.1917).
Else Bassermann scheint beim Schreiben besonderen Wert auf größtmögliche Entfaltungsmöglichkeiten für das Spiel ihres Mannes gelegt zu haben. In "Herr und Diener" entwirft sie für ihn die Doppelrolle eines verbrecherischen Bediensteten und des von diesem geprellten, erkrankten Gelehrten. In "Der eiserne Wille" (1918, Adolf Gärtner) mimt er einen armen Hausierer, der sich zum Weltmenschen mit Zugang zu den vornehmsten Kreisen entwickelt. Ihr Mitwirken als Schauspielerin an den Filmen ist der Kritik meist nur eine Randnotiz wert. Ihre Karriere findet im Schatten des berühmten Ehemannes statt. Daran ändert auch nichts, dass Bassermann selbst seine Frau für die begabtere Mimin hält.
Den entscheidenden Bruch erfährt ihre Karriere durch die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Als Jüdin erhält Else Bassermann 1934 Auftrittsverbot. Das Paar protestiert offen gegen das faschistische Regime, verlässt Deutschland und lässt sich auch durch spätere Anbiederungsversuche und Ausnahmeregelungen nicht zur Umkehr bewegen. Bis 1938/39 leben und arbeiten die Bassermanns in der Schweiz, Österreich und der Tschechoslowakei, dann geht es über Paris in die USA. Es folgen schwere Jahre geprägt von Verständigungsschwierigkeiten und ausbleibenden Rollenangeboten. Auch deshalb entschließt sich das Ehepaar bereits ab 1946 wieder zu regelmäßigen Auftritten in Europa (auch in Deutschland).
Als Albert 1952 stirbt, gerät Else Bassermann in große seelische und finanzielle Not. Ein gescheiterter Selbstmordversuch im August 1953 macht in den folgenden Jahren mehrere kostspielige Operationen nötig, die die begrenzten Mittel schnell aufzehren, die sie in einem jahrelangen Wiedergutmachungsverfahren erstreitet und die sie als Zuwendungen von der Berliner Volksbühne und von der Stadt Mannheim erhält. Else Bassermann stirbt am 30. Mai 1961. (db)
Ausgewählte Literaturhinweise
Gerlinde Waz: Fragmente eines Lebens. Die Schauspielerin und Drehbuchautorin Else Schiff Bassermann. In: Filmexil 12 (2000), S. 25–32.
Quelle:
Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).