Biografie
Hedwig Baum wird Anfang 1888 in Wien geboren. Ihr Vater Hermann Baum ist Regierungsbeamter. 1904 nimmt sie ihr Studium am Wiener Konservatorium auf; als ausgebildete Harfenistin spielt sie zunächst im Symphonierochester des Wiener Konzertvereins. Zwischen 1909 und 1913 ist sie mit dem Journalisten Max Prels verheiratet. In dieser Zeit beginnt sie mit ihrer journalistischen Arbeit. Ihre musikalische Karriere setzt sie parallel fort. Zwischen 1912 und 1916 nimmt sie ein Engagement als Harfenistin am Darmstädter Hoftheater an. Ebenfalls 1916 heiratet sie den Dirigenten Richard Lert; aus der Ehe entstammen zwei Söhne. Im gleichen Jahr beginnt auch ihr literarisches Schaffen.
Ab 1926 ist Baum als Redakteurin beim Berliner Ullstein Verlag tätig; dort ist sie bis 1932 an den Zeitschriften "Berliner Illustrirte Zeitung", "Die Dame" und "Uhu" redaktionell beteiligt. Parallel erscheinen erste Romane von ihr, die sogleich verfilmt werden: 1927 machen "Feme" (im gleichen Jahr von Richard Oswald verfilmt) und "Hell in Frauensee" (1929 von Jaap Speyer verfilmt) den Auftakt. In den nächsten Jahren folgen ihre beiden Erfolgsromane "Stud. chem. Helene Willfüer" (1930 von Fred Sauer verfilmt) und "Menschen im Hotel", der mehrfach verfilmt und in zahlreichen Fassungen (die erste stammt von Baum selbst) für das Theater adaptiert wird. Beide Romane werden vor Veröffentlichung in der "Berliner Illustrirten Zeitung" exklusiv vorabgedruckt und behandeln zeitgenössische gesellschaftliche Themen, vor allem die moderne "Neue Frau". "Menschen im Hotel" wird darüber hinaus als erster Roman von Baum ins Englische übersetzt, wodurch sie internationale Aufmerksamkeit erhält. Die Verfilmung des Stoffes ("Grand Hotel") unter der Regie von Edmund Goulding und mit Starbesetzung (darunter Greta Garbo, Joan Crawford und John Barrymore) wird einer der ertragreichsten Filmerfolge des Jahres 1932 und mit dem Oscar als "Bester Film" ausgezeichnet. Sie gehört damit zu den meistverfilmten Romanautorinnen ihrer Zeit.
Um dem sich radikalisierenden Klima in Deutschland zu entfliehen, übersiedelt die Bestsellerautorin 1932 nach Kalifornien, wo sie überwiegend Drehbücher und Filmvorlagen, vor allem für Paramount Pictures und Metro-GoldwynMayer (MGM), verfasst. Sie liefert beispielsweise die Story zu Dorothy Arzners "Dance, Girl, Dance" (1940) mit Maureen O’Hara und Lucille Ball in den Hauptrollen, produziert von Erich Pommer. Baums 1936 veröffentlichte Kurzgeschichte "Big Shot" wird als Film Noir mit dem Titel "The Great Flamarion" (1945) von Anthony Mann mit Erich von Stroheim und Mary Beth Hughes verfilmt.
Mitte der 1930er Jahre verbietet das nationalsozialistische Regime aufgrund ihres jüdischen Hintergrunds ihre Bücher in Deutschland. 1938 wird sie US-amerikanische Staatsbürgerin. Sie stirbt 1960 in Los Angeles. Ihr Gesamtwerk umfasst mehr als 30 Romane, zahlreiche Novellen, Bühnenstücke, Drehbücher, Filmvorlagen und Zeitungsartikel. (aha)
Ausgewählte Literaturhinweise
Vicki Baum: Es war alles ganz anders: Erinnerungen. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2018.
Julia Bertschik, Gustav Frank (Hg.): Vicki Baum. In: Text+Kritik. Zeitschrift für Literatur, Heft 235, München 2022.
Nicole Nottelmann: Die Karrieren der Vicki Baum. Eine Biographie. 2. Aufl. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2007
Quelle:
Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritk 2025 (Film Erbe, Bd. 7).