Inhalt
Die junge Polin Silva will Amerika entdecken und reist alleine mit einem Koffer und einer Handvoll Dollars nach New York. Nicht nur ihrer mangelnden Sprachkenntnisse wegen fühlt sie sich in ein fremdes Universum versetzt. Sie versucht dennoch Anschluss zu finden und gerät unglückseligerweise an den italienischen Gauner Alio, der sie zuerst umgarnt und dann ihr letztes Geld raubt. Doch das vermeintliche Opfer ist zäh und behauptet sich trotzig. Mehr schlecht als recht schlägt sich Silva weiter in Manhattan durch und versucht Alio wiederzufinden. Statt seiner trifft sie zunächst auf seinen Cousin Nico, der Alios Missetat begleichen will. Zwischen ihr und den beiden Männern entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung
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Der in New York gedrehte Ost-West-Nach-Wende-Streifen „I was on Mars“ ist Dani Levys dritter Film und vergleichsweise leise. Die blonde Silva hat ihre letzten Ersparnisse zusammengekratzt, um ihr Dorf zu verlassen. Nur mit wenigen US-Dollars und einem Wörterbuch gewappnet, fliegt sie über den Großen Teich, um sich den Traum aller Polen zu verwirklichen: Einmal die amerikanische Freiheitsstatue und die Skyline New Yorks live erleben vom Helikopter aus.
Sie landet, von einem Taxidriver in einem Elendsviertel abgesetzt, zunächst in einem teuren Hotel. Als die Kohle auszugehen droht, wechselt Silva in eine billige Absteige. Mit großen Augen erkundet sie die gewaltig dimensionierte Metropole am Hudson River, die ihr so fern vorkommt wie der Planet Mars. Sie versetzt ihre letzten Habseligkeiten, nächtigt im Schlafsack auf der Straße und lässt sich von einem Bonsai-Mafiosi mit dem sprechenden Namen Alio, der beinahe sämtliche Speisen mit frischem Knoblauch würzt, übers Ohr hauen. Der skrupellose Streuner, der stets nach neuen Abenteuern sucht, obwohl er sich jedes Mal eine blutige Nase holt, sehnt sich in die Kino-Scheinwelt eines Don Vito Corleone aus „The Godfather“ (bei uns „Der Pate“).
Als Silva als schreiendes Elend an irgendeiner Straßenecke eines heruntergekommenen Viertels steht, besinnt sie sich auf ihre Stärke: die Beharrlichkeit. Sie harrt an einem Fast-Food-Schuppen so lange aus, bis ihr Alio wieder über den Weg läuft. Sie verfolgt ihn, stellt und überwältigt ihn – doch es ist ein anderer Italo-Amerikaner, den sie in der Mangel hat: Alios Verwandter Nic. Der Mittdreißiger, der fest an den amerikanischen Traum vom Aufstieg eines Tellerwäschers zum Millionär glaubt, hat mehr Herz und außerdem keine Freundin, weshalb er Silva daheim einquartiert.
Was auch seine Mutter (La Mama wie aus dem Bilderbuch: Antonia Rey) zufriedenstellt: Endlich hat ihr Kleiner eine Frau gefunden. Doch Silva, die sich tapfer als Kellnerin durchschlägt, bisweilen auch als Bardame und Prostituierte, will wieder zurück nach Polen. Sie ist ohne Illusionen in die USA gereist und hat auch nicht von einem besseren Leben in Amerika geträumt. Einmal den Big Apple gesehen zu haben, reicht ihr, da helfen alle Bitten nichts, denen sich auch der inzwischen bekehrte Alio anschließt. Mit großen Stofftieren und allerhand Ansichtskarten im Gepäck tritt Silva die Flugreise in die Heimat an…
„I was on Mars“ ist ein liebenswertes Kammerspiel, sicherlich eher für den Bildschirm als die Leinwand. Ein unspektakulärer Streifen über die Träume der jungen Leute, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die neuen Reisefreiheiten nutzen wollen, dafür aber – gerade auch materiell – unzureichend vorbereitet sind. Dani Levy zeigt in seiner tragikomischen Odyssee aber auch, dass die kapitalistischen Wolfsgesetze keine wirklichen Perspektiven für sie zu bieten haben.
Die deutsch-schweizerische Koproduktion mit dem legendären, von Ted Hope und James Schamus kurz zuvor gegründeten New Yorker Independent-Filmstudio Good Machine, ist vom Münchener Scotia-Verleih am 20. Mai 1993 in die Kinos gebracht und am 14. Juni 1995 von der ARD in der „Wilde Herzen“-Reihe erstausgestrahlt worden.
Pitt Herrmann