Die Koffer des Herrn O. F.

Deutschland 1931 Spielfilm

Die Koffer des Herrn O. F.



Hans Feld, Film-Kurier, Nr. 283, 3.12.1931


13 Koffer brechen in die Gehege einer Kleinstadt. Sie wandeln das Profil eines verträumten Orts.

Verändern, mit diesem Einbruch in die Bezirke des lustigen Spiels, Alexis Granowsky und der mit ihm zu gemeinsamen Tun verbundene Leo Lania das Gesicht der Filmproduktion –?

Mitnichten; der Trubel um O. F. den sie servieren, ist keinesfalls so anspruchsvoll wie seine Verfasser ansonst. Und die Laute des Salonlöwen sind ein behagliches Knurren.

Kurzum: Meine Damen, meine Herren / was Sie sehen, liegt nicht fern / wir kennen die Weise, wir kennen den Ton / der lieben, der alten, der Schwankproduktion.

(Es braucht natürlich nicht einer Ehrenrettung der deutschen Kleinstadt; deren staatsmäßige Züge Fallada von seinem Standpunkt aus, aber gültig, gezeichnet hat. Wir alle wissen, was wir ihr danken; architektonisch und psychisch; sogar, genau betrachtet, bevölkerungspolitisch als Verbindung zum nährenden Hinter-Land.

Es ist ja gar keine deutsche Kleinstadt, dieses Ostend. Ebenso wenig, wie Lippenstift und Reizwäsche die Veredelung zur Großstadt ausmachen.)

Die Stadt also, um die es geht, ist gar nicht vorhanden; sie ist auch nicht überwirklich, sondern eben unwirklich. Schweine, die in den Straßen äsen, Bürger beim Skat – dazwischengeschnitten das Nachtstück eines träumenden Filmstars – das ist nicht ernster gemeint als etwa Schildas Schützenfest, Pleißenbachs wahrer Jakob. Und es ist auch kaum ironischer. (...)

Wer sich vorkommendenfalls ans Besinnliche der story halten will, dem sei es nicht verwehrt. Die andern, die ins Kino gehen, um sich unterhalten zu lassen, werden schon so auf ihre Kosten kommen. Und das wird allen Beteiligten nur recht sein.

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