Gern hab' ich die Frau'n geküßt

Deutschland 1934 Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Der geniale Geiger Paganini war nicht nur in Konzertsälen gefragt, sondern auch bei den Frauen. Als der eifersüchtige Herzog der Toskana eine Affäre zwischen Paganini und seiner Frau wittert, setzt er seine Häscher auf den Musiker an. Paganini flieht und findet bei einer Schauspielertruppe Zuflucht. Die Artistin Bella verliebt sich in den Geiger und verhilft ihm zur Flucht ins Herzogtum der Schwester Napoleons, Anna Elisa. Als diese ihn spielen hört, beordert sie ihn in ihr Schloss, und es dauert nicht lange, da vergisst sie über Paganini sämtliche Regierungsgeschäfte. Als Napoleon von diesen Zuständen erfährt, entsendet er einen Grafen, um Paganini zu verhaften. Anna Elisa weigert sich, ihren Geliebten auszuliefern, bis sie von seiner Affäre zu Bella hört. Kurz bevor Anna Elisa den Lebemann ausliefert, gelingt es Bella, die Herzogin umzustimmen. Gemeinsam verhelfen die Frauen Paganini zur Flucht.

 

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Falk Schwarz
Lieschen Müller und ihr Paganini

"Flüchtig" ist das erste Wort, was dem Zuschauer hier einfällt. Nicht nur flüchtet ein einsamer Reiter vor zwei Soldaten, die ihn verfolgen. "Flüchtig" ist auch die Art des Films, der hier eine Anekdote aus dem Leben des Teufelsgeigers Paganini erzählt. Paganini hat sein Engagement am Hof der Fürstin vergeigt, weil er ihr zu nahe trat. Jetzt muss er sich verstecken oder platter: abhauen. Und da wir bei Emo sind, heißt das: er gerät in abwegige Situationen, aus denen ihn nur die liebe, aber einfache Bella (Maria Beling) errettet. Als Paganini zeigen muss, warum er so berühmt war und zur Violine greift, da kracht dieser Film in sich zusammen. Das soll der Teufelsgeiger sein, den der Schauspieler Ivan Petrovich hier mimt? Mit seiner "Beherrschung" des Instruments, des Fingersatzes, mit diesem Umgang mit seinem Instrument, das er wie jemand am Kinn hält, der lieber Klavier spielen würde? Und dann das Aussehen: dieser zurückhaltende, brave Schauspieler, dem dramatisches Talent fremd ist, soll einen der größten Violinvirtuosen der Musikgeschichte darstellen? Einen Paganini (1782-1840), der angestaunt wurde, weil man einfach nicht glauben konnte, welche Töne er seinem Instrument entlockte. Um die filmische Tollkühnheit noch auf die Spitze zu treiben, intoniert der angebliche Paganini den titelgebenden Schlager von Franz Lehar auf seiner Geige - 100 Jahre zu früh, weil die Schnulze erst 1925 geschrieben wurde. Waren Drehbuchautor Georg Zoch und Regisseur Emo noch bei Sinnen? Ein flüchtiges Filmchen für ein brav staunendes Lieschen Müller, das mit allem einverstanden ist, was die große Leinwand ihr vorsetzt, die keine Ahnung von Paganinis Werken hat und die einen Triller nicht von einem Flageolett unterscheiden kann. Und darum herum gestrickt die übliche Emo-Chargerie: mit einem trottelig näselnden Theo Lingen und einer bärbeissigen Adele Sandrock. Wobei auch mal zu fragen wäre, ob diesem alten Schlachtschiff nicht selber Bedenken gekommen sind, dass sie im immer gleichen Tonfall, in der ständig gleichen Art platte Lustspielchen garnierte. Sie konnte im herben Alter von 71 Jahren nur noch eine Rolle spielen: sich selbst. Von ihrer Wandlungsfähigkeit wissen wir nichts - vielleicht fand sie vor dem ersten Weltkrieg statt. Aber die Leute wollten sie so sehen und so liess Emo sie brav in sechs seiner Filme auftreten. Nur in einem (Himmel auf Erden) gelang es ihm, sie so einzusetzen, dass daraus mehr wurde als eine Marginalie. Am Schluss schält sich in der schnellfahrenden Kutsche plötzlich das brave Gesicht der Bella aus einer Decke hervor, die mit ihrem Meister zusammen sein will, weil er doch nun wieder flüchtig ist. Wobei wir wieder am Anfang wären.

Credits

Regie

Drehbuch

Kamera

Schnitt

Musik

Darsteller

Produktionsfirma

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Drehbuch

Kamera

Standfotos

Schnitt

Musik

Musikalische Leitung

Darsteller

Produktionsfirma

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Dreharbeiten

    • Februar 1934 - April 1934
Länge:
2373 m, 87 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 13.06.1934, B.36600, Jugendverbot

Aufführung:

Uraufführung (DE): 03.07.1934, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Titel

  • Untertitel Paganini
  • Originaltitel (DE) Gern hab' ich die Frau'n geküßt

Fassungen

Original

Länge:
2373 m, 87 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 13.06.1934, B.36600, Jugendverbot

Aufführung:

Uraufführung (DE): 03.07.1934, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Prüffassung

Länge:
2220 m, 81 min
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 16.09.1980, 51815, ab 6 Jahre / feiertagsfrei