Biografie
Mode und Film, dies sind die zwei Pole im Schaffen von Ola Alsen. 1918 schreibt sie, beides verbindend, im Modemagazin Elegante Welt (Nr. 16, 31.07.1918): "Die Linien der Kleider entsprechen bei guten Films [sic] durchaus den Anforderungen der letzten Mode. Die erfahrene und geschmackvolle Darstellerin weiß zu jeder Stunde und für jede Situation angemessen Toilette zu machen."
Ola Alsen, Tochter des jüdischen Kaufmanns Lehmann Alsberg aus Bonn, ist im Berlin der Weimarer Republik eine der bekanntesten Modejournalistinnen, ein Beruf, der bis wenige Jahre zuvor hauptsächlich Männern vorbehalten war. Bis 1936 ist sie Redakteurin der "Eleganten Welt" und schreibt regelmäßig für "Die Dame" und den "Moden-Spiegel", einer wöchentlichen Beilage zur "Berliner Tageblatt" und "Handelszeitung", aber auch für den "Film-Kurier", wo sie über Mode und Kleidung im Film und die Stars, die sie trugen, berichtet. Ebenso wie letztere, ist sie selbst zu einer gesellschaftlichen Größe geworden, ihr Berliner Salon populär bei den Mitgliedern der Berliner Intellektuellenszene.
Außerdem ist sie Verfasserin von Bestsellern – Romanen und Sachbüchern, die sich mit Mode- und Schönheitsfragen, aber auch sozialen Themen und weiblichen Lebensrealitäten auseinandersetzen. Der Roman "Das Paradies der Frau. Ein Berliner Roman" (1917) schildert beispielsweise den Alltag in einem Modesalon nach dem Ersten Weltkrieg, wiederum ein Sachbuch von ihr befasst sich aber auch mit weiblichen Gefängnisinsassen.
Mit Aufkommen des Langfilms und dem Erblühen der deutschen Filmindustrie wächst der Bedarf an Drehbüchern, und Journalist*innen und Autor*innen von leichter Unterhaltungsliteratur, die es gewohnt sind, schnell und den Zeitgeist ansprechend zu schreiben, nehmen diese neue Verdienstmöglichkeit wahr. So auch Ola Alsen: 1922 kommt der Historienfilm "Monna Vanna" (Richard Eichberg) in die Kinos, der heute bekannteste noch erhaltene Film, zu dem Alsen das Drehbuch verfasst hat. 1925 erscheint "Luxusweibchen" (Erich Schönfelder), eine sogenannte "Konfektionskomödie", die das Publikum in die elegante Welt der Modehäuser und Nachtclubs führt.
Ola Alsen, die für und über moderne Frauen, und für alle Medien schreibt – von Kolportage-Romanen über Ratgeberliteratur und Modezeitschriften bis hin zu Drehbüchern –, repräsentiert somit selbst die sogenannte "Neue Frau" und trägt mit ihrer Arbeit zur Schaffung einer spezifischen weiblichen (Medien-) Öffentlichkeit der Zwischenkriegszeit bei.
Obwohl sie 1933 zum Christentum konvertiert, muss sie 1935 aus Deutschland fliehen, zunächst nach London und später nach New York. Personen der Berliner Gesellschaft setzen sich nach dem Krieg für sie bei der Entschädigungsbehörde ein und bestätigen ihren damaligen gesellschaftlichen Status. Sie kehrt Anfang der 1950er Jahre gesundheitlich stark angeschlagen nach Deutschland zurück und veröffentlicht gelegentlich in der Schweizer Tageszeitschrift "Die Tat" Texte über Mode, Film und Kultur sowie das Leben in Amerika, bevor sie 1956 in München stirbt. (anh)
Quelle:
Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).