Die von German Films berufene Jury hat sich entschieden, den Spielfilm "Everytime" von Sandra Wollner für die 99. Oscar-Verleihung in der Kategorie "International Feature Film" einzureichen. Zudem haben sich außerdem schon im Vorfeld die deutschen Produktionen "Gelbe Briefe" und "Von Scham und Geld" durch die bei der Berlinale und Sundance gewonnenen Preise qualifiziert.
Nach Sichtung der elf eingereichten Filme hat eine neunköpfige unabhängige, von German Films berufene Jury das Drama "Everytime", produziert von The Barricades, als Oscar-Kandidat ausgewählt.
Begründung der Jury:
"Mit 'Everytime' gelingt der Regisseurin und Autorin Sandra Wollner das Kunststück mit rein filmischen Mitteln und einer überraschenden Leichtigkeit Trauer als Zustand einer aus den Fugen geratenen Welt erlebbar zu machen. Die herausragende Kameraarbeit erzeugt eine flirrende, bisweilen entrückte Atmosphäre, ohne sich vor die Figuren zu drängen. Das Schauspielensemble überzeugt in seiner Natürlichkeit, wobei die Charakterzeichnungen durchweg präzise und ambivalent bleiben. Elegant mit Form und narrativen Ellipsen spielend, erzählt 'Everytime' von den Zwischenräumen des Verlustschmerzes. Beinahe unmerklich fließen Erinnerung und Gegenwart, Realität und Imagination ineinander und machen diesen Film zu einem großen poetischen Kino-Erlebnis."
Statement von den Produzenten von The Barricades und Panama Film sowie Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Wollner zu der Entscheidung:
"Wir fühlen uns sehr geehrt, in diesem Jahr Teil der deutschen Oscar-Vorauswahl zu sein. Gerade in einem Moment, in dem der deutsche Film durch starke Autorenhandschriften wieder internationale Sichtbarkeit erlangt hat, freuen wir uns, diese Ehre mit unseren geschätzten Kolleg:innen von "Gelbe Briefe" und "Shame and Money" zu teilen. Die Aufmerksamkeit, die 'Everytime' in Cannes erfahren hat, und nun auch das Vertrauen der Jury bestärken uns in unserer Überzeugung, dass Kino eigenwillige Stimmen braucht, die den Mut haben, ihrer eigenen Form zu folgen und gerade dadurch über Grenzen hinweg ein Publikum zu erreichen. Unser besonderer Dank gilt unserem Cast, unseren Crew-Mitgliedern, Partnern und Förderern sowie allen, die diesen Film mit uns möglich gemacht haben."
Über den Film: Das letzte Foto, das Jessie gemacht hat, zeigt die Sonne über Berlin. Sie hängt da, als wäre nichts geschehen. Aber Jessie ist gestorben und Ella hat ihre Tochter verloren. Was Ella bleibt, ist Jessies kleine Schwester und die komplizierte Beziehung zu dem Jungen, dem alle die Schuld geben. Das merkwürdige Trio landet in einem Familienurlaub, den es so nie gab. Unter der flirrenden Sonne Teneriffas verweben sich Erinnerung und Gegenwart unauflöslich ineinander. Die Geister sind überall.
"Everytime" feierte im Mai 2026 seine Weltpremiere bei den 79. Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Sandra Wollners dritter Langfilm – bei dem sie auch das Drehbuch verfasste – wurde in die Sektion Un Certain Regard eingeladen und dort mit dem Prix Un Certain Regard, dem Hauptpreis der Sektion, ausgezeichnet. Auf Cannes folgten weitere Einladungen zu internationalen Festivals, darunter das Sydney Film Festival, Karlovy Vary International Film Festival, New Zealand International Film Festival sowie das Melbourne International Film Festival. Beim Sarajevo Film Festival wurde "Everytime" mit dem Hauptpreis Heart of Sarajevo ausgezeichnet.Im September folgt die Nordamerika-Premiere auf dem Toronto International Film Festival. Weitere Festivalteilnahmen sind bereits bestätigt, darunter das renommierte New York Film Festival.
Die deutsch-österreichische Koproduktion entstand bei The Barricades und ZDF zusammen mit der österreichischen Panama Film in Koproduktion. Gefördert ist der Film vom Deutschen Filmförderfonds (DFFF), Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Der deutsche Verleih eksystent filmverleih Kijas hat "Everytime" am 6. August 2026 in die deutschen Kinos gebracht. International hat Charades den Weltvertrieb übernommen. "Everytime" wurde weltweit in kurzer Zeit in mehr als 30 Länder verkauft. In Nordamerika zeichnet 1-2 Special verantwortlich. Ein Kinostart dort ist Anfang 2027 geplant.
"Gelbe Briefe" und "Von Scham und Geld" ebenfalls qualifiziert:
Durch die im Frühjahr geänderten Regeln der Academy of Motion Picture Arts and Sciences sind außerdem Filme, die bei bestimmten internationalen Filmfestivals signifikante Preise gewonnen haben, für eine Einreichung in der Kategorie "International Feature Film" berechtigt. Die Auszeichnung des "Grand Jury Prize" beim Sundance Film Festival für "Von Scham und Geld" ("Shame and Money") von Visar Morina sowie der Gewinn des Goldenen Bären bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Berlin von "Gelbe Briefe" ("Yellow Letters") von İlker Çatak qualifiziert die beiden deutschen Produktionen zur Einreichung in dieser Oscar-Kategorie.
Zu "Gelbe Briefe":
"Gelbe Briefe" von İlker Çatak erzählt von dem Künstlerpaar Derya und Aziz, dessen berufliche Existenz durch staatliche Repression abrupt zerstört wird. Nach dem Verlust ihrer Arbeit ziehen sie mit ihrer 13-jährigen Tochter nach Istanbul, wo sie versuchen, unter schwierigen Bedingungen einen Neuanfang zu finden. Während Aziz an seinen politischen Überzeugungen festhält, sucht Derya pragmatische Lösungen, wodurch ihre Beziehung zunehmend unter Druck gerät.
"Gelbe Briefe" feierte bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin seine Weltpremiere im Wettbewerb und gewann dort mit dem Goldenen Bären den Hauptpreis des Festivals. Anschließend war der Film unter anderem beim Sydney Filmfestival, beim Karlovy Vary Filmfestival und in Jerusalem zu sehen. Weitere Festivalteilnahmen sind bereits bestätigt. Produziert wurde "Gelbe Briefe" von if... Productions aus Deutschland, Haut et Court aus Frankreich und Liman Film aus der Türkei fungierten als Koproduzenten. Gefördert wurde der Film von der Filmförderungsanstalt (FFA), dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF), MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), sowie durch die Deutsch-Französische Koproduktionsförderung von FFA und CNC.
"Gelbe Briefe" wurde in Deutschland von Alamode Film in die Kinos gebracht. Der deutsche Kinostart war am 5. März 2026. Be For Films verantwortet als Weltvertrieb die internationalen Verkäufe des Films.
Zu "Von Scham und Geld":
In "Von Scham und Geld" von Visar Morina verliert eine Familie im Kosovo ihre Lebensgrundlage auf dem Land und zieht in die Hauptstadt, um dort neu anzufangen. Familienvater Shaban versucht, trotz wachsender finanzieller Probleme für seine Frau Hatixhe und die Kinder zu sorgen, während die Familie zunehmend auf die Unterstützung von Verwandten angewiesen ist. Der Film erzählt von wirtschaftlichem Druck, verletztem Stolz und dem Versuch, unter prekären Bedingungen Würde und Zusammenhalt zu bewahren.
"Von Scham und Geld" von Visar Morina feierte seine Weltpremiere beim Sundance Film Festival 2026 und gewann dort den World Cinema Grand Jury Prize: Dramatic. Im weiteren Festivalverlauf wurde der Film unter anderem beim Guadalajara International Film Festival, beim Sydney Film Festival, beim Karlovy Vary International Film Festival und beim Sarajevo Film Festival gezeigt. Beim Filmfest München erhielt "Von Scham und Geld" zudem den CineMasters Award als bester internationaler Film. Weitere Festivalteilnahmen, darunter beim Brussels International Film Festival in der International Competition, sind bereits bestätigt.
Der Film wurde von der deutschen Produktionsfirma Schuldenberg Films produziert in Koproduktion mit Eagle Eye Films (Kosovo), Vertigo (Slowenien), Quetzalcoatl (Belgien), On Film Production (Albanien) und List Produktion (Nordmazedonien). Gefördert wurde "Von Scham und Geld" auf deutscher Seite vom Deutschen Filmförderfonds (DFFF), der Film- und Medienstiftung NRW sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).
"Von Scham und Geld" wird in Deutschland vom eksystent Filmverleih in die Kinos gebracht. Der bundesweite Kinostart ist für den 24. September 2026 angekündigt. Den Weltvertrieb übernimmt The Yellow Affair.
Der Weg zu den Oscars:
Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wird Anfang November eine Liste aller in der Kategorie "International Feature Film" eingereichten Titel veröffentlichen. Im letzten Jahr hatten sich 86 Länder Filme angemeldet. Die 15 Titel umfassende Shortlist für diese Kategorie wird am 15. Dezember 2026 verkündet.
Aus dieser Shortlist werden die fünf nominierten Filme ausgewählt und am 21. Januar 2027 bekanntgegeben.
Die Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 statt.
Quelle: www.german-films.de