Bei den 76. Internationalen Filmfestspielen von Berlin wurden am heutigen Abend im Rahmen einer Gala die Preise verliehen. Der Goldene Bär für den Besten Film ging an die deutsche Koproduktion "Gelbe Briefe".
Das intensive Politdrama von Ilker Çatak handelt von einem Künstlerehepaar aus Ankara, das wegen seiner regierungskritischen Theaterarbeit ins Visier der türkischen Staatsmacht gerät. Der in der Türkei spielende Film musste aufgrund dieser brisanten Thematik komplett in Deutschland gedreht werden.
Die Kanadierin Geneviève Dulude-de Celles erhielt für das Drehbuch zu ihrer Exilant*innengeschichte "Nina Roza" (CA/IT/BG/BE 2025) einen Silbernen Bären.
Der Silberne Bär für die Beste Regie ging an den Briten Grant Gee für die im New York des Jahres 1961 spielende Filmbiografie "Everybody Digs Bill Evans" (IE/GB 2026), über den einflussreichen Jazz-Pianisten Bill Evans.
Das in einem türkischen Bergdorf spielende Drama "Kurtuluş" ("Salvation"), eine Mischung aus Gesellschaftsporträt und politischer Allegorie, wurde mit dem Großen Preis der Jury geehrt.
Der Preis der Jury ging an "Queen at Sea" (US 2026) von Lance Hammer, einem Drama über Altern, Demenz und Sexualität. Ebenfalls für ihre Leistungen in diesem Film wurden Anna Calder-Marshall und Tim Courtenay gemeinsam mit dem Silbernen Bär für die Beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle ausgezeichnet.
Für die Beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle wurde Sandra Hüller für ihre Leistung in "Rose" geehrt, der Geschichte einer Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt.
Der Silberne Bär für eine herausragende künstlerische Leistung ging an "Yo (Love is a Rebellious Bird)" (US 2026), eine intime, experimentell-dokumentarische Beobachtung des letzten Lebensjahrs einer alten Freundin der Regisseurin Anna Fitch.
Die internationale Wettbewerbsjury unter Vorsitz von Wim Wenders bestand in diesem Jahr aus dem Regisseur und Produzent Min Bahadur Bham (Nepal), der Schauspielerin Bae Doona (Südkorea), dem Regisseur, Produzent und Archivar Shivendra Singh Dungarpur (Indien), dem Regisseur, Drehbuchautor, und Produzent Reinaldo Marcus Green (USA), der Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin HIKARI (Japan) und der Produzentin Ewa Puszczyńska (Polen).
Die Jury der Sektion Perspectives, einem Wettbewerb für internationale Spielfilmdebüts, bestand aus der marokkanischen Regisseurin Sofia Alaoui, dem deutschen Regisseur Frédéric Hambalek und der polnisch-kanadischen Kuratorin Dorota Lech. Sie vergab den GWFF-Preis für das Beste Spielfilmdebüt an "Chronicles from the Siege" (DZ/FR/PS 2026), ein eindringliches Drama über eine Gruppe von Menschen, die in einer ungenannten Stadt unter einer nicht näher definierten Besatzung zu überleben versuchen – mit deutlichen Anspielungen auf Palästina und den Gaza-Krieg.
Der sektionsübergreifende Dokumentarfilmpreis ging an einen Beitrag aus dem Forum, den tschechisch-slowakischen "If Pigeons Turned to Gold", in dem die Regisseurin Pepa Lubojacki vier Familienmitglieder porträtiert, allen voran ihren Bruder David, der alkoholabhängig und ohne Obdach ist.
Im Kurzfilm-Wettbewerb wurde der 27-minütige "Yawman ma walad" ("Someday a Child", FR/RO/LB 2026), über einen Jungen im von Krieg verwüsteten Gaza, mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Einen Silbernen Bären (Preis der Jury) erhielt der 19-minütige Dokumentarfilm "A Woman’s Place Is Everywhere" (US 2025). Der CUPRA Filmmaker Award ging an den chinesischen Kurzfilm "Kleptomania" (CN 2026).
Quelle: www.berlinale.de