Schwesterherz

Deutschland Spanien 2023-2025 Spielfilm

Inhalt

Rose und ihr älterer Bruder Sam haben eine enge Bindung. Als Sam der Vergewaltigung beschuldigt wird, soll Rose im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn aussagen. Das stellt sowohl die Beziehung der beiden als auch Roses moralische Integrität auf die Probe. Regisseurin Sarah Miro Fischer erkundet in "Schwesterherz" eine innige Geschwisterbeziehung. Sie untersucht, inwiefern die Nähe zu einer Person den Blick auf die Realität verstellen kann und welche Ereignisse die Kraft haben, auch die engsten Bindungen zu zerstören. In ihrer Arbeit mit den Schauspieler*innen legt sie besonderen Wert auf körperlichen Ausdruck, um Geschichten auch jenseits des gesprochenen Worts erzählen zu können.

Quelle: 75. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
Rose Berger, die in einer Gynäkologie-Praxis arbeitet, hat sich gerade von ihrer Freundin Jazz (Franziska von Harsdorf) getrennt und zieht übergangsweise zu ihrem älteren Bruder „Sam“ Samuel, einem Koch. Eingespielt teilen die Geschwister die Rituale des Alltags und die gemeinsame Zeit mit Freunden. Während die Mutter Linda mit Fragen nach der Zukunft nervt, findet es Sam ganz schön, dass seine Schwester bei ihm wohnt. Beide verstehen sich gut, gehen zusammen in einem See baden und er nimmt sie wie in alten Zeiten huckepack, als es durch ein Brennesselfeld geht.

Sam, der in seiner freien Zeit zumeist mit seinen Straßenkicker-Freunden abhängt, hat die junge, bereits zweifache Mutter Lia kennengelernt. An Sams im großen Kreis gefeierten Geburtstag nimmt sie selbstverständlich mit ihren Kindern teil. Für Irritationen sorgt eine Vorladung Roses: Sie soll als Zeugin befragt werden zum Vorwurf der Vergewaltigung ihres Bruders. Der liest das Schriftstück mit Verwunderung: „Das muss irgendein Fehler sein.“ Und dann tropft zu allem Übel auch noch ein Wasserhahn: Bei Sam liegen die Nerven blank.

Bei der Vernehmung sagt Rose nicht ganz wahrheitsgemäß aus, dass sie in besagter Nacht nichts mitbekommen hat. Elisa, eine Intim-Kosmetikerin, hat Sam angezeigt. Rose versucht, ihre Angaben zu verifizieren und kommt zum Schluss, dass ihr Bruder nicht so unschuldig ist, wie er behauptet: „Du musst zur Polizei. Das war kein Missverständnis.“ Rose sucht Elisa in ihrem Kosmetikstudio auf, traut sich aber nicht, sich dem Opfer gegenüber zu erkennen zu geben. Was sie nicht weiß: Elisa hat Rose in besagter Nacht in der Küche gesehen.

Rose nimmt das Angebot, sich als Nacktmodell für einen Zeichenkurs zur Verfügung zu stellen, an und lässt sich auf einen One-Night-Stand mit einem sympathischen Kursteilnehmer (David Vormweg) ein. Als der mehr will, rudert sie zurück: Sein Tempo ist ihr zu schnell. Rose zieht bei ihrem Bruder wieder aus und schlüpft bei ihrer Mutter Linda im Dorf nördlich von Berlin unter. Die naturgemäß von Sams Unschuld überzeugt ist und triumphiert: Weil kein hinreichender Tatverdacht besteht und Elisa keine Beweise liefern kann, wird das Verfahren eingestellt.

Die familiären Verhältnisse im Hause Berger haben sich grundlegend geändert: Früher hat der große Bruder die kleine Schwester beschützt, jetzt muss sie ihn vor dem psychischen Zusammenbruch bewahren: „Ich kanns nicht rückgängig machen.“ Soll Sam auch gegenüber Lia mit der Wahrheit herausrücken? Rose sieht eine völlig neue Seite an ihrem Bruder, was sie dazu bringt, ihre ganze Sichtweise auf die Menschen, aber auch auf sich selbst, zu überdenken. Wem kann man überhaupt noch vertrauen? Am Ende ruft Rose den Ermittler (Aram Tafreshian) an, um ihre Aussage zu revidieren…

„Ich bin kein Monster!“: Mit großem Feingefühl erzählt Sarah Miro Fischer, die eigenen Angaben zufolge selbst sexuelle Gewalt erfahren hat, in ihrem dffb-Abschlussfilm „Schwesterherz“ von zwei Geschwistern, deren enge Beziehung durch einen ungeheuerlichen Verdacht erschüttert wird. Das vielschichtige, körperlich nuancierte Schauspiel von Marie Bloching und Anton Weil verleiht dem Liebes- und Gewissenskonflikt mit wenigen Worten präzisen emotionalen Ausdruck. „Schwesterherz“ ist ein bewegendes Drama ohne einfache Antworten.

Sarah Miro Fischer ist Autorin und Regisseurin und lebt in Berlin. Sie begann ihr Filmstudium in Bogotá, Kolumbien, bevor sie an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) wechselte, wo sie im Oktober 2024 ihren Abschluss machte. Ihre Ko-Autorin Agnes Maagaard Petersen ist eine 1995 geborene dänische Drehbuchautorin, die derzeit sowohl in Kopenhagen als auch in Berlin arbeitet. Im Jahr 2018 begann sie ein Regiestudium an der dffb. Auch für die 1991 in Berlin geborene deutsch-dänische Kamerafrau Selma von Polheim Gravesen ist „Schwesternherz“ ein Debutfilm zum Abschluss ihres dffb-Studiums.

Sarah Miro Fischer im Eksystent-Presseheft: „Die Idee für diesen Film entstand vor einigen Jahren während einer Demonstration zum Weltfrauentag. Dort sah ich ein Banner mit der Aufschrift: ‚Warum kenne ich so viele Betroffene von sexualisierter Gewalt, aber keine Täter?‘ Diese Frage blieb mir im Gedächtnis. Solange wir Vergewaltiger als Monster bezeichnen, wird es uns nicht möglich sein, sie in unserer Mitte zu erkennen – als Freunde, Kollegen und Brüder. Je näher uns eine Person steht, desto schwieriger ist es, klar zu sehen. Die Person, die Rose am nächsten steht, ist ihr Bruder Sam. Ich interessiere mich sehr für die Menschlichkeit meiner Figuren. Dieses Interesse drücke ich aus, indem ich großen Wert auf die körperliche Ausdruckskraft innerhalb der Inszenierung lege. Die Verwendung der Körpersprache als eigenständiges Kommunikationsmittel ermöglicht es uns, zwei Geschichten parallel zu erzählen, die sich, wenn sie ausgesprochen würden, manchmal widersprechen.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 23.08.2023 - 02.10.2023: Berlin
Länge:
95 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 14.04.2025, 268492, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 14.02.2025, Berlin, IFF - Panorama;
Kinostart (DE): 08.01.2026

Titel

  • Arbeitstitel (DE) Blaue Flecken
  • Arbeitstitel (eng) Blue Marks
  • Originaltitel (DE) Schwesterherz
  • Weiterer Titel (eng) The Good Sister

Fassungen

Original

Länge:
95 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 14.04.2025, 268492, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 14.02.2025, Berlin, IFF - Panorama;
Kinostart (DE): 08.01.2026

Auszeichnungen

FIRST STEPS Awards 2025
  • FIRST STEPS Award, Abendfüllender Spielfilm