Ich möchte kein Mann sein

Deutschland 1918 Spielfilm

Ich möchte kein Mann sein


Frank., Film-Kurier, Nr. 96, 8.5.1920


Die zurzeit erfolgreichste und beliebteste deutsche Lustspielfirma Lubitsch und Kräly hat es sich mit ihrem neuesten Ossi Oswalda auf den schlanken Leib geschriebenen Manuskript recht leicht gemacht. Denn die Geschichte von dem tollen, übermütigen Backfisch, der sich einmal als Junge ordentlich austobt, dabei in allerlei Nöte gerät und schließlich im Hafen der Ehe landet, ist schon tausendmal vorher in allen möglichen Variationen auf die Bühne gebracht worden. Wenn es trotzdem den Autoren gelungen ist, das Publikum zu stürmischer Heiterkeit hinzureißen, ja es zeitweise direkt zum Wiehern zu bringen – ich weiß, daß das kein hübscher Ausdruck ist, aber die Damen hinter mir haben es tatsächlich getan –, so ist ihr Verdienst um so höher zu bewerten. Die Hauptstärke liegt diesmal in den launigen Titeln, die voll Witz und famoser Situationskomik sind, während die Situationen selbst zum großen Teile der Originalität entbehren. Trotzdem schlugen sie mächtig ein, was zum großen Teile auf das Konto der Darstellung zu setzten ist.

Ossi Oswalda entzückte durch ihr sprudelndes Temperament, ihre überschäumende Laune und ihre schelmische Koketterie. Gleichwohl könnte sie ihre Wirkung noch erhöhen, wenn sie ihre Zappligkeit ein wenig eindämmen und ihr bisweilen bis zur Gesichtsverzerrung sich steigerndes Mienenspiel mäßigen wollte. Man kann ungeheuer lustig sein und erheitern, ohne es so aufdringlich zu unterstreichen. Ihr Gegenspieler, der sich gar rasch vom strengen Vormund zum verliebten Anbeter verwandelt, wurde von Kurt Götz elegant, flott und mit diskretem Humor dargestellt. In einer kleinen Nebenrolle holte sich Margarete Kupfer als Gouvernante einen Extra-Erfolg, während Jerry Sikla diesmal gar zu stiefmütterlich behandelt wurde und gar nicht zur Geltung kommen konnte. Daß Lubitsch für eine sorgfältige und dabei doch sehr temperamentvolle Regie gesorgt und eine ganze Reihe entzückender Bilder gestellt hat, versteht sich beinahe von selbst.

Den großen Erfolg, den Ossi Oswalda mit diesem Lustspiel errang, erhöhte sie dann noch durch ihr persönliches Auftreten in einem Filmsketch derselben Autoren, "Die Wohnungsnot", den man hier bereits gesehen hat und mit dem Ossi Oswalda auch sogar in Holland schon stürmische Begeisterung erzielte, der aber trotzdem – leider – immer noch hochaktuell geblieben ist. Wenn dieser Sketch auch weder durch Zeit noch durch Witz überlastet ist, so freut man sich doch, die beliebte Diva in ihrer beweglichen Lebendigkeit auf der Bühne zu sehen, sie plaudern und singen zu hören, sie in reizenden Kostümen bewundern und sich an ihrem flotten Tanz ergötzen zu können, der mancherlei verborgene Reize enthüllt, die auf der nur zweidimensionalen Leinwand (des Films) doch nicht voll zur Geltung kommen.