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Dokumentarisches Porträt des Malers Gerhard Richter, der zu den bedeutendsten Künstler der Gegenwart zählt. Dabei konzentriert der Film sich vor allem auf das künstlerische Schaffen Richters, der erstmals detaillierte Einblicke in seinen Arbeitsprozess gewährt. Die Kamera beobachtet ihn bei seinen Vorbereitungen, beim Malen und beim Begutachten; beim Verwerfen von Ideen und beim Überarbeiten angefangener Werke. Der gesamte Weg von der Idee bis zu einem fertigen Werk wird filmisch begleitet.
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„Wenn ich weiß, ich werde gefilmt, dann gehe ich anders, irgendetwas ist dann anders“: Gerhard Richter hat sehr wohl gewusst, auf was er sich eingelassen hat, als er zwischen März und September 2009 der Kölner Dokumentarfilmerin Corinna Belz sowie ihren drei Kameraleuten Johann Feindt, Frank Kranstedt und Dieter Stürmer die Türen seines Ateliers Hahnwall nahezu unbeschränkt öffnete für das erste Filmprojekt überhaupt, dem der weltberühmte Künstler zugestimmt hat – nachdem er mit ihrer 2007 entstandenen Dokumentation über sein 23 Meter hohes Südfenster für den Kölner Dom einverstanden war.
„Malen ist eine andere Form des Denkens“: Wir schauen dem medienscheuen Künstler binnen knapp einhundert Minuten nicht nur gebannt über die Schulter, wie er für eine große Ausstellung seiner New Yorker Galeristin Marian Goodman parallel an zwei großformatigen abstrakten Bildern arbeitet, wie er dem ersten Farbauftrag zahllose Bearbeitungen und Übermalungen folgen lässt, bevor er für den „Feinschliff“ eine gewaltig dimensionierte, physisch kaum zu bändigende Rakel einsetzt.
Sondern folgen dem künstlerischen Prozess in Gerhard Richters Charakterkopf, seinen trockenen Kommentaren zum eigenen Werk, das er immer wieder in Frage stellt, und das keineswegs nur mit lockerer Ironie, folgen seinem lakonischen Humor, mit dem der öffentlichkeitsscheue Künstler offenkundige Zumutungen wie den publicityträchtigen Rummel auf Vernissagen im Kölner Museum Ludwig, in der National Portrait Gallery London und in der New Yorker Galerie übersteht. Und wie er ganz ernsthaft Grundlegendes mit dem Kunsthistoriker Benjamin H. D. Buchloh bespricht, dem die kluge, weil zurückhaltende Regisseurin zuvor entsprechende Fragen hat zukommen lassen.
Wir erhalten unmittelbar und indirekt Einblick in das Funktionieren eines Großmeisters im globalen Kunstmarkt, der sich auf ein vertrautes Team um seine beiden Assistenten Norbert Arns und Hubert Becker sowie seine Atelierleiterin Konstanze Ell stützen kann. „Sehen irgendwie fertig aus, oder?“ fragt Richter, als Becker Bilder fotografiert, die für eine Ausstellung gedacht sind, welche zunächst als 1:50-Modell im Kölner Atelier „gebaut“ wird.
Zudem hat Corinna Belz ein paar Meter Archivmaterial aus den 1960er und späten 1970er Jahren vom SWF und WDR eingebaut, um ihren ganz auf den malenden, gestaltenden Künstler fokussierten Film mit einigen biographischen Angaben zu unterfüttern. Gleichzeitig offenbaren die Schwarz-Weiß-Bilder ein völlig anderes Verständnis von Kulturjournalismus: Die damaligen Interviewer („Was haben Sie sich dabei gedacht?“) gingen mit ideologisch grundierten Ansichten und entsprechend vorgefertigten Fragen etwa nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst zu Werke. Auf den Kinostart der 97-minütigen Dokumentation am 8. September 2011 folgte die Erstausstrahlung am 17. April 2013 auf Arte.
Corinna Belz im Piffl-Presseheft: „Was mich am meisten interessierte, war die Arbeit im Atelier. Die Gegenwart. Der genuine Prozess, Farbe auf eine Leinwand zu bringen. Die Instrumente, Gesten, Bewegungen, die emotionalen wie die motorischen. ‚Malen ist sowieso eine heimliche Angelegenheit‘ sagte Richter zu Beginn der Dreharbeiten. Da er fast immer allein arbeitet, stellte sich uns die Frage, ob er die Gegenwart eines Filmteams über Wochen und Monate aushalten würde. Meine Aufgabe war es, einen psychischen Raum zu schaffen, ein, wie Thomas Bernhard es einmal nannte, ‚ideales Distanzverhältnis’ zu etablieren, so dass wir zu viert – er und unser kleines Team – in diesem nahezu leeren Atelier sein und jeder seine Arbeit tun konnte. Er malen, wir filmen.“
Pitt Herrmann