Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Musik
Darsteller
- Alois Pratzenhofer
- Leni
- Schorsch
- Zenz
- Hochwürden Koschorke
- Bürgermeister
- Dr. Gerstl
- Architekt
- Weihbischof
- 1. Gemeinderat
Produktionsfirma
Alle Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Bauten
Musik
Darsteller
- Alois Pratzenhofer
- Leni
- Schorsch
- Zenz
- Hochwürden Koschorke
- Bürgermeister
- Dr. Gerstl
- Architekt
- Weihbischof
- 1. Gemeinderat
- 2. Gemeinderat
- 3. Gemeinderat
Produktionsfirma
im Auftrag von
Produktions-Koordination
Dreharbeiten
- Weildorf in Oberbayern
Länge:
90 min
Format:
35mm Eastman Kodak Negativ, 1:1,33
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:
Uraufführung (DE): 18.04.1966, ARD;
Aufführung (AT): 21.06.1967, ORF I;
Aufführung (DE): 08.03.1968, ARD (ohne BR);
Aufführung (DE): 18.08.1979, WDR/HR/SFB;
Aufführung (DE): 06.10.2001, WDR3
Titel
- Originaltitel (DE) Das Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas
Fassungen
Original
Länge:
90 min
Format:
35mm Eastman Kodak Negativ, 1:1,33
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:
Uraufführung (DE): 18.04.1966, ARD;
Aufführung (AT): 21.06.1967, ORF I;
Aufführung (DE): 08.03.1968, ARD (ohne BR);
Aufführung (DE): 18.08.1979, WDR/HR/SFB;
Aufführung (DE): 06.10.2001, WDR3
Auszeichnungen
Viennale des heiteren Films, Wien 1966
- Ehrenpreis
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Eine Unterschriftenliste tut ein Übriges, dass der Bürgermeister und der Gemeinderat einstimmig gegen die Bohrung votieren. Da noch gar kein offizieller Antrag gestellt worden ist, wissen die Herren Landwirte freilich gar nicht, an wen sie ihren Beschluss adressieren müssen. Ein Emissär aus ihren Reihen wird losgeschickt zur nächsten Raffinerie in Landshut und schließlich nach München, wo er erfährt, dass die Explorationsfirma ihren Sitz in Hamburg hat. Was dem Unterdeixelhamer Abgeordneten ein entschieden zu weiter Weg zur Überbringung seines „diplomatischen Geheimauftrages“ ist.
Dafür bringt er vom Viktualienmarkt ein altes Zeitungsblatt mit, mit dem ein Münchner Händler seine Ware eingewickelt hat. Ibn Said, der Erdöl-Milliardär aus Saudi-Arabien, ist dort abgebildet, wie er mit seiner vielköpfigen Entourage im mondänen Kurort Baden-Baden Einzug hält. Das weckt sogleich Begehrlichkeiten im Dorf, selbst der Pfarrer, sonst dem schnöden Mammon als neuem Götzen des Wirtschaftswunderlandes spinnefeind, kann sich eine längst überfällige Renovierung seines Gotteshauses vorstellen.
Während die Meinungen hin- und herschwanken, setzt der Pratzenhof-Bauer Alois Fakten und stellt sein Grundstück für eine Probebohrung zur Verfügung. Was sogleich einen Streit hervorruft, der unter tosendem Gewittersturm in eine handfeste Prügelei ausartet. Der Neid auf den ohnehin schon reichsten Dorfbewohner regiert, da soll nun die Politik für einen Ausgleich sorgen. Weshalb Zens nun vor dem Münchner Landtag orgelt: „Besser wenn keiner was kriegt als alles nur einer.“ Aber die regierenden Christsozialen lassen sich auf nichts ein, zumal Unterdeixelham als Revier der Bayernpartei gilt. Was übersetzt beim Filmemacher Rainer Erler bedeutet: hinderwäldlerischer geht’s nimmer.
1.356 Meter tief steckt der preußische Bohrer in bayerischer Erde, aber kein Öl in Sicht. Unverrichteter Dinge wird die Probebohrung eingestellt und Alois Pratzenhofer besieht sich seinen zerfurchten Grund und Boden, als es plötzlich aus dem Erdloch dampft und sprudelt. Freilich auch stinkt – nach faulen Eiern. Was die Gottesfürchtigen sogleich vermuten lässt, der Teufel habe seine Hand im Spiel bei dieser Bestrafungsaktion für frevelhafte Heimatverwüstung. Die Analyse eines Münchner Institutes ergibt, dass das stark schwefelhaltige Mineralwasser zwar nicht zum Trinken geeignet ist, dafür aber bestens zum Kuren. Unser Dorf muss schöner werden – um die Münchner Kur-Kommission zu überzeugen: Aus Unterdeixelham wird im Handumdrehen ein Kurbad unter Mithilfe des jungen Installateurs Schorsch, der seit geraumer Zeit mit der schönen Pratzenhof-Tochter Leni liiert ist, wovon ihr Vater freilich nichts wissen will. Schon gar nicht jetzt, wo die Leni auf dem besten Weg ist, eine gute Partie zu werden.
Sämtliche Viecher werden verkauft, auf ihren Wiesen Bänke aufgestellt, Scheunen werden zu Pensionen und Ställe zu Badehäusern, Parkautomaten und kostenpflichtige Parkplätze regeln den wachsenden Zustrom an Fahrzeugen. Der Weihbischof persönlich segnet die nun Aloysius-Brunnen genannte Quelle und die Kureinrichtungen des rasch von erholungssuchenden Städtern überquellenden Ortes. Der Laden brummt und die Freiwillige Feuerwehr kommt als Kurkapelle aus ihrer vollen Einsatz-Montur nicht mehr heraus.
Stillstand ist Rückschritt: Alois lässt sich von einem Architekten Pläne für ein Privatsanatorium mit Kurmittelhaus erarbeiten. Beide wollen hoch hinaus, jedenfalls höher als der Kirchturm der barocken Dorfkirche. Was die Gemeinderatsmitglieder erneut nach der großen, fernen Politik rufen lässt: Sie fürchten um ihre Pensionsgäste. Sogar ein Übertritt des Bürgermeisters zu den Christsozialen wird offeriert, damit aus Unterdeixelham ein Staatsbad wird. Der Pfarrer will vermitteln: „Bayern ist doch Texas“. Allein, bevor die Delegation der Münchner Staatsregierung mit der ersehnten Urkunde erscheint, ist die Mineralquelle wieder versiegt. Was trotz aller ärztlicher Kunst Dr. Gerstls dem gallenkranken Alois das Leben kostet. Nun haben die Viecher die saftigen Weiden wieder zurück – und die Bauern die Subventionen aus Brüssel. Es geht halt alles seinen Gang im schönen Bayern...
Inspiriert vom märchenhaften Aufstieg des niederbayerischen Dorfes Füssing zum größten Kurort Deutschlands, der verbunden gewesen ist mit einem Steuerhinterziehungs-Skandal des Bäderkönigs Eduard Zwick, ist der zwar durchaus gesellschaftskritische, aber, was den Ort des Geschehens betrifft, vor allem augenzwinkernd selbstironische bayerische Heimatfilm von Hans Gottschalk nicht im Auftrag des Bayerischen, sondern des Westdeutschen Rundfunks produziert worden. Ob sich der Münchner Sender bei der Wiederholung des Erler-Films am 8. März 1968 im „Ersten“ aus dem Gemeinschaftsprogramm der ARD ausgeschaltet hat, lässt sich laut Jan Gympel, Kurator der Reihe „Aus dem Fernseharchiv“ des Zeughauskinos Berlin, mit zeitgenössischen Dokumenten nicht belegen.
Pitt Herrmann