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Nach "Blue Note" und "Jazz Seen" hat Regisseur Julian Benedikt mit "Play your own thing" eine weitere Dokumentation über den Jazz gedreht – diesmal über die Geschichte des Jazz in Europa: Amerikanische GIs brachten die Musik Ende des Zweiten Weltkriegs nach Europa. Dort wurde der Jazz in Clubs zwischen den Trümmern gespielt, in denen der Aufbruch in eine neue, andere Zeit auch musikalisch zu spüren war. Der Film beschreibt die Ursprünge und die Wandlungen des Jazz in der europäischen Musikszene. Dabei kommen Musiker, Künstler und Jazz-Fachleute aus verschiedenen europäischen Ländern zu Wort, unter anderen Jan Garbarek, Coco Schumann, Gérard Lavigny, Dee Dee Bridgewater, Till Brönner, Juliette Gréco und Georg Baselitz.
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Zunächst in ihren eigenen Militärclubs heimisch, breitete er sich dann rasch aus – und sorgte im wahren Wortsinn für Aufbruchstimmung zwischen den Trümmern. Der Franzose René Urtréger fasst das im Film so zusammen: „Ich würde sagen, dass viele Leute den Jazz während und am Ende des Krieges als eine Art Volksmusik entdeckt haben. Er hat die Befreiung Europas begleitet, mit Glenn Miller und den ganzen Swing Bands etc. Der Jazz wurde so zu einem Symbol für Lebensfreude.“
Nach seinem Jimi Hendrix-Porträt „Voodoo Chile“ (1995) und dem Modern Jazz-Dokfilm „Bue Note“ (1986/97) nimmt uns Julian Benedikt, der selbst in New York Schüler bei Bill Saxton und Chico Hamilton war, bevor er als Schauspieler und Filmemacher seine eigentliche Bestimmung fand, mit auf eine Reise zu den Ursprüngen, Anfängen und Wandlungen des Jazz in Europa. Und räumt dabei mit so manchem Vorurteil über die Anfänge des Jazz jenseits des Großen Teichs auf.
Begleitet von bekannten Musikern und Künstlern aus den verschiedenen europäischen Ländern, darunter aus deutscher Sicht vor allem Georg Baselitz, Till Brönner, Wolfgang Dauner, Paul Kuhn, Albert Mangelsdorff und Coco Schumann, lauscht der Film den Klängen des europäischen Jazz und den Gedanken seiner Vertreter und Freunde. Und wirft mit dem bekanntesten DDR-Jazzer Joachim Kühn auch einen Blick hinter den Eisernen Vorhang.
Der Autor, Regisseur und Produzent Julian Benedikt über „Play your own thing“: „Während der Arbeit an einem Drehbuch über Boris Vian kam mir die Idee für einen Film zur Geschichte des europäischen Jazz. Mich reizte, ein kaum bekanntes Kapitel Jazzgeschichte und ein erstaunliches Stück gesamteuropäische Identität zu dokumentieren. Ich wollte mit dem Film der Hauptbotschaft des Jazz auf den Grund gehen: 'Drücke aus, was du selber zu sagen hast. Halte dich nicht an irgendwelche Vorbilder, imitiere niemanden, sondern finde zu deinem eigenen Stil – play your own thing.'“
Nach zweijähriger Vorbereitungszeit begann seine Reise im Paris der Nachkriegszeit, dem Ausgangspunkt des europäischen Jazz. Das Flair der Nachkriegszeit konnte er in den Cafés von Saint German des Près einfangen, wo der Jazz zuerst salonfähig wurde. Benedikt beleuchtet das existenzialistische Paris der 1950er Jahre ebenso wie die Underground-Jazzszene der DDR und die spröde Schönheit des skandinavischen Jazz. Seine Collagetechnik macht die Dokumentation des europäischen Jazz in seiner Emanzipation von den USA akustisch und visuell sinnlich.
Mit zahlreichen Interviews geht Benedikt den Anfängen auf dem alten Kontinent, der Verknüpfung mit dem amerikanischen Jazz und der allmählichen Emanzipation der Europäer bis zur enormen Bandbreite des europäischen Jazz nach. Sie fördern nicht nur hübsche Anekdoten, sondern auch erstaunliche Bekenntnisse und anrührende Geschichten zutage. Julian Benedikt im Presseheft: „Der Film ist das differenzierte Portrait einer Musik, die in Spanien anders als in Polen klingt, in Norwegen anders als in Italien. Sie ist geprägt von der Geistesgeschichte, der Mentalität, der Politik, aber auch vom Licht und von der Folklore – ein Triumph der Individualität, ein eigenes Ding.“
Nach dem Kinostart am 2. November 2006 ist die der Dokumentation am 2. September 2007 im Deutschschweizer Fernsehen erstausgestrahlt worden, Arte folgte am 30. Juni 2008 mit einer auf 59 Minuten gekürzten Fassung.
Pitt Herrmann