Was haben wir gelacht

Deutschland 2025/2026 Dokumentarfilm

Inhalt

Der Dokumentarfilm zeichnet die Geschichte des deutschen Unterhaltungsfernsehens der 1990er Jahre aus der Perspektive von Frauen nach. Komikerinnen und Moderatorinnen wie Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken auf ihre Arbeit in einer Fernsehlandschaft zurück, die lange von männlichen Stimmen und Rollenbildern dominiert war. Der Film beleuchtet, wie weiblicher Humor marginalisiert wurde, welche strukturellen Hürden Frauen im Comedy- und Showbetrieb überwinden mussten und wie stark eine ganze Generation von Zuschauenden durch männlich geprägte Unterhaltung sozialisiert wurde. Dabei verbindet die Dokumentation persönliche Erinnerungen mit einer kritischen Auseinandersetzung darüber, wie sich im Fernsehen Machtverhältnisse spiegeln.

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Heinz17herne
Heinz17herne
Nach der ersten komischen Frau in ihrem Leben befragt, kommen alle fünf Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster
auf ihre Mutter zu sprechen, Esther Schweins sogar auf ihre Großmutter: Dass ihnen keine Person außerhalb des familiären Umfeldes eingefallen ist, hat ihrer Meinung nach zwei Gründe. Zum einen war die schwere und häufig vaterlose (Nach-) Kriegszeit nur mit – bisweilen allerdings sarkastischem – Humor zu bewältigen, zum anderen bestimmten ausschließlich Männer wie Hans-Joachim Kulenkampff, Joachim Fuchsberger und Harald Juhnke die abendliche Fernsehunterhaltung.

„Wie ein Wesen vom anderen Stern“ sei sie sich als Frau im TV-Studio vorgekommen, gibt Gaby Köster zu Protokoll. Zumal auf den charmant-übergriffigen Kulenkampff weitaus härtere Kaliber wie Harald Schmidt folgten: „Nach 22 Uhr geht’s bei uns ein bisschen schärfer zu. Jetzt können schon auch Begriffe wie Möpse und große Ohren fallen. Jetzt geht es ans Eingemachte.“ Wobei es nicht bei verbaler Anmache blieb: Bei Thomas Gottschalk ging es auf der Couch regelmäßig ganz handfest zu.

Bettina Böttinger, die von Schmidt in seiner Late-Night-Show einmal persönlich beleidigt wurde und diesen daraufhin mit großer Chuzpe vor laufender Live-Kamera bloßstellte: „Frauen machen einfach sehr viel mit. Das muss man auch mal sagen.“ So wurde Maren Kroymann vom Moderator der SWR-Talkshow Nachtcafé dem Fernsehpublikum statt als Schauspielerin und Entertainerin als „Professorentöchterchen“ vorgestellt. Und Monica Ivancan ließ sich von Schmidt Brausepulver aus dem Bauchnabel lutschen.

Hella von Sinnen, die sich einst auf Gottschalks Sofa mehr als tapfer geschlagen hat, gilt bei den Kolleginnen als Wegbereiterin, seit sie Mitte der 1980er Jahre als Putzfrau im Kölner Karneval durch „eine ganz harte Schule“ speziell bei respektlosen Narren in den Herrensitzungen ging und in der Kölner „Filmdose“ als Kabarettistin reüssierte. Mitte der 1990er Jahre galten Frauen zwar immer noch als Projektionsfläche, sie hatten aber, so Maren Kroymann und Hella von Sinnen, begriffen, dass Humor ein bisher nur von Männern bestimmter Machtfaktor ist, den sich Frauen erkämpfen müssen. „Wir lachen erst seit kurzem eigentlich besser“, resümiert Maren Kroymann, „es ist noch nicht so lange her.“

Für „Was haben wir gelacht“ recherchierten Eva Müller und Isabel Schneider über zwei Jahre Sendungen privater und öffentlich-rechtlicher Sender wie „RTL Samstag Nacht“, „Weiber von Sinnen“, „Alles Nichts Oder?!“, „7 Tage, 7 Köpfe“, „Nachtschwester Kroymann“, „B. trifft“, „Wetten, dass?“, „Schmidteinander“ und „Herzblatt“. Ihr Schwerpunkt lag auf dem Frühwerk ihres Protagonistinnen-Quintetts, das Maren Kroymann & Co nun aus ihrer heutigen Sicht Jahrzehnte später kommentieren – und damit auf höchst anschauliche Weise auch ein Stück Emanzipations- und Zeitgeschichte.

Denn den seinerzeit mutigen und heute immer noch erstaunlich aktuellen Nummern der fünf Frauen sind Auszüge aus Sendungen zentraler männlicher Showmaster und Unterhalter entgegengestellt aus den späten 1980er bis in die frühen Nullerjahre. Beides zusammengenommen ergeben das Bild einer chauvinistisch geprägten Unterhaltungsbranche, in der sich nur eine Handvoll Frauen mit bemerkenswerter Beharrlichkeit und Willensstärke behaupten konnten.

Eva Müller und Isabel Schneider im Port au Prince-Presseheft: „Wer in den 90ern am Montag in der Schule nicht wusste, was am Wochenende bei ‚RTL Samstag-Nacht‘ lief, hatte wenig mitzureden. Lange vor Social Media kamen die prägenden Vorbilder für Humor aus dem Fernsehen. Heute fällt viel stärker auf als damals: Es waren vor allem Männer. Der Witz um 20:15 Uhr war dem Mann vorbehalten. Mit der Haltung ‚so war das eben‘ hätten wir uns über diese Zeit wahrscheinlich kaum noch Gedanken gemacht, wenn Isabel Schneider bei einer Archivrecherche nicht zufällig die junge Hella von Sinnen entdeckt hätte. Sie berichtet in einem Interview, wie sie im Karneval ausgebuht wurde, weil sie sich weigerte, Witze auf Kosten von Frauen zu erzählen. Das war der Anstoß zu einer ausgiebigen Recherche zu den männlichen Stars und ihren Sendungen und dazu, welche Rolle Frauen in dieser Zeit im Fernsehen hatten. Die Leitfrage von ‚Was haben wir gelacht‘ ergab sich schnell: Was hat Humor mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Und: Worüber haben wir alle in der Blütezeit des Unterhaltungs-Fernsehens gelacht? Oder vielleicht wichtiger: worüber nicht?“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 22.05.2025 - 14.04.2026: Nordrhein-Westfalen
Länge:
103 min
Format:
DCP 2k, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, 5.1 Surround
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.06.2026, 283956, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 26.06.2026 - 05.07.2026, München, Filmfest - Spotlight, Gloria Palast;
Kinostart (DE): 16.07.2026

Titel

  • Originaltitel (DE) Was haben wir gelacht
  • Weiterer Titel (eng) What a Laugh

Fassungen

Original

Länge:
103 min
Format:
DCP 2k, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, 5.1 Surround
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.06.2026, 283956, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 26.06.2026 - 05.07.2026, München, Filmfest - Spotlight, Gloria Palast;
Kinostart (DE): 16.07.2026