Inhalt
Barbara und ihr Partner Heli führen mit ihren beiden Kindern Fini und Thimo ein glückliches und liebevolles Leben. Als professionelle Clowns nehmen sie das Leben nicht zu ernst und wissen, dass man auch über das lachen kann, was misslingt. Als Barbara durch einen Unfall wie aus dem Nichts ihre Familie verliert, bricht für sie die Welt zusammen. Der Verlust lässt sie am Clownsein und dem eigenen Lebenssinn zweifeln. Doch Barbara stellt sich ihrem Schicksal. Mutig und unkonventionell findet sie einen Weg, mit der Trauer umzugehen. Schritt für Schritt erkennt sie, dass das Leben trotz allem weitergeht, wenn man es wagt, ihm neu zu begegnen.
Quelle: 76. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
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Während er immer noch seiner hohen Kunst auf unterschiedlichsten Bühnen nachgeht, zu denen er mit seinem knallbunten Clownsbus, einem Hochzeitsgeschenk der Freunde und Kollegen, anreist, und von Auftritten in Deutschland und Frankreich träumt, ist aus ihr ein beliebter Grazer Klinik-Clown geworden, der den zumeist schwerkranken jungen Patienten wie dem zweijährigen Jona, der mit einem Herzfehler zur Welt gekommen ist, mit Musik und Seifenblasen das Dasein wenigstens für einige Minuten erleichtert. Barbara hat ihre Profession gefunden – und mit ihrer Familie das Glück.
Dieses wird jäh zerstört durch einen Anruf ihrer Freundin Sabine: Es hat einen Unfall an einem unbeschrankten Bahnübergang gegeben, in den ein gelber Clownsbus verwickelt ist. Heli ist tot, die Kinder liegen mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Dr. Jürgen Schreiner kann Barbara kaum Hoffnung machen: Thimo konnte nach einem Herzstillstand zwar reanimiert werden, aber sein schwerer Hirnschaden ist irreparabel. Und Fini, die ein schweres Schädelhirntrauma davongetragen hat, ist in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden: In ihrem Fall besteht Hoffnung.
Als Helis strenggläubige Mutter Roswitha vehement eine Taufe der Kinder einfordert, bricht Barbara zusammen. Nachdem die Ärzte Zuversicht ausstrahlen, verlässt sie das Krankenzimmer, um in der Natur frische Luft zu atmen. Als Barbara zurückkehrt, ist auch Fini gestorben. Für Trauer bleibt keine Zeit, die Beerdigung muss organisiert werden. „Ich will lachen und ich werde auch lachen“, sagt sie ihrer Freundin Sabine. Heli und ihre Kinder würden sich das wünschen. „Ich bin am Leben und möchte Teil des ganz normalen Lebens sein“, schreibt sie in einer Mail an ihre Freunde und Kollegen. Letztere machen den kirchlichen Trauerakt zur fröhlichen Feier des Lebens.
Barbara muss allein zurechtkommen, in dem jetzt so leeren großen Haus, mit ihrem Leben. Sie will wieder arbeiten, aber niemand gibt der trauernden Witwe eine Chance. Die Sabine mit dem TV-bekannten Schauspieler Friedrich Rauch verkuppeln will, was im ersten Versuch gründlich scheitert. Barbara ist fest entschlossen, der Mitleidstour und der Vergangenheits-Erinnerungsfalle zu entkommen – mit Hilfe ihres Alter Egos Heidi Appenzeller, ihrer schweizerdeutschen Clowns-Nummer. Als erstes lässt sie die roten Luftballons fliegen – und damit symbolisch Hedi und die Kinder los. Dann lässt sie sich von besagtem Fernseh-„Alpendoktor“ beim Aufräumen und Aussortieren helfen…
„Vier minus drei“, die unter die Haut gehende Leinwand-Adaption des gleichnamigen, bewegenden, weil autobiographischen Bestsellers der Wiener Schauspielerin und Clownin Barbara Pachl-Eberhart, ist ein zweistündiger lebensnaher Spielfilm über Verlust und Trauer, über die Überwindung der Trauer und die Möglichkeit eines Neuanfangs. Senad Halilbašić und Adrian Goiginger haben Barbara Pachl-Eberhart bereits bei der Konzeption, bei der – im Übrigen großartigen – Rollenbesetzung sowie beim Dreh stets eingebunden.
Adrian Goiginger im Alamode-Presseheft: „Das besonders Spannende an Barbara Pachl-Eberharts Geschichte ist, dass ihre Clown-Philosophie, die Dinge immer auch von ihrer Kehrseite zu betrachten, die sie und ihr Mann Heli gelebt und praktiziert haben, so sehr auf die Probe gestellt wird. Sie muss nach diesem Schicksalsschlag das anwenden, von dem sie zuvor behauptet hat, dass es ihr Leben ausmacht.“ Die Autorin gibt an gleichem Ort das Kompliment zurück: „Wenn einer meine Geschichte erzählen kann, dann Adrian. Er schafft es, auf dieses vordergründig Problematische, Schwere, das, wo man wegschauen will, wo man seine Schubladen hat, bevor man überhaupt Bescheid weiß, mit großer Liebe und Differenziertheit zu blicken.“ So isses.
Pitt Herrmann